Blog 42 Australien 9

Di 04.01.22 Eurardy (Km 5.018 / Gesamt 40.683)

In Binnu (37 km nördlich von Northampton) gibt es noch mal eine Tankstelle mit Roadhouse, bis zum nächsten sind es dann 142 km. Heute hatte es 50⁰C, im Schatten. Das erste mal in meinem gesamten Leben. Und das war schon verdammt heiß. Man kann fast nichts mehr anfassen, zu heiß. Auch das Wasser in meiner Box: heiß. Ich hab schon oft auf den permanenten Wind geschimpft, heute war ich dankbar. Ich denke ohne ihn wärs noch schlimmer gewesen. Den Fliegen macht das überhaupt nichts aus, die sind fidel wie immer. Ich habe noch nie etwas oder jemanden so gehaßt, wie ich diese Fliegen hasse. Viele Fahrer bleiben stehen, um mich für verrückt zu erklären und mir kaltes Wasser zu geben. Das hilft sehr gut. Sie haben leistungsfähige Kühlaggregate an Bord, oft sind die Flaschen komplett durchgefroren, so bleiben sie etwas länger kühl. 2 Straßenbauarbeiter blieben mit ihrem LKW stehen und schenkten mir eine halbe Stunde Abkühlzeit in ihrer klimatisierten Fahrerkabine, die sie selber nur ungern verlassen. Selbstverständlich läuft der Motor die ganze Zeit mit. Kein Mensch schaltet ihn in Australien tagsüber jemals aus! Wozu auch, der Sprit ist billig und ich bin der einzige Idiot, der dabei an den Klimawandel denkt.

Jetzt ist schon Mittwoch früh, auch die Nacht war heiß.

Do 06.01. Carnarvon, (Km 5.095)

Das ging jetzt aber schnell. Heute hatte ich einen Lift über etwa 250 Km. Einer meiner Schläuche (im Hinterrad) hat sich begonnen aufzulösen. Ich hab den Verdacht, bei den Temperaturen schmilzt der Kleber unter den Flicken. Meine Fußsohlen glühen, der Schweiß in meinen Schuhen kocht, so fühlt es sich an. 3 Reifenpannen täglich, alle Flicken waren schon aufgebraucht, ein freundlicher Autofahrer hat mich dann mitgenommen. In den Roadhäusern gibts sowas natürlich nicht, erst in Carnarvon. Gestern und heute hatte es 52⁰C. Und da habe ich zu meiner größten Freude entdeckt, dass da selbst die Fliegen kollabieren. Auch ich fühlte mich plötzlich schwach und bekam leichte Kopfschmerzen. Ein Alarmsignal, dachte ich und suchte mir einen schattigen Platz unter einem Baum, dort saß ich dann 2 Stunden, bis etwa um 17:00 Uhr die Fliegen wieder kamen. 50⁰ scheint mir, ist ihr Limit, und wohl auch meines. Vielleicht geht ja mit kälterem Wasser noch ein bisschen mehr, ich will mal sehen, ob ich nicht eine größere Thermosflasche finde.

Die Zeckenplage ist übrigens schon lange vorbei, das war nur die ersten 200 km nördlich von Perth, aber hier gibts seit 3 Tagen eine Ameisenplage. Eine winzige Art, 2-3 mm lang, aber Milliarden, sie sind immer und überall, in der Box, im Zelt, wenn man irgendwo sitzen will, ist es eine Vollbeschäftigung, sie sich vom Leibe zu halten. Sie quetschen sich zwischen meinen Hintern und die Unterlage und wenns ihnen zu eng wird, beißen sie mich. Das nennen sie dann Notwehr. Diese Bisse sind nicht sonderlich schlimm, aber es geschieht etwa im Sekundentakt, und das nervt. Trotzdem sind sie wieder rehabilitiert, während meiner Hitzepause sah ich nämlich, dass die Fliegen ziehmlich apatisch und wehrlos am Boden rumkrochen und die Ameisen stürzten sich sofort auf sie und töteten sie. Ihr werdet kein böses Wort mehr über sie von mir lesen.

Mo 10.01. Minilya (Km 5.242)

Ich muss noch auf den Größen Unterschied zurückkommen. Die Fliegen sind etwa 4x so lang wie diese Ameisenart und damit etwa so groß wie für uns Elefanten. Was müssen das für furchtbare, kleine Kampfmaschinen sein.

Seitdem war es aber nicht mehr so heiß, meist zwischen 35 u. 45⁰.

Heute musste ich 50 km zurücklegen. 20 km südöstlich von Minilya war ein Buschfeuer, der Rauch war von der Straße aus deutlich zu sehen. Der Wind kam aus Südwest, aber weil niemand garantieren kann, dass das so bleibt, ist es natürlich nicht ratsam, dort zu übernachten. Wird sogar in Google maps angezeigt.

Hier im Roadhouse sind sie sehr freundlich zu mir. Es gibt einen Caravanpark, den durfte ich umsonst nutzen, sie gaben mir 20 Liter Trinkwasser, obwohl sie Order haben, solche Anfragen abzulehnen. Autofahrer haben das ja auch wirklich nicht nötig. Für sie ist es nach Carnarvon im Süden 1½ Stunden und die nächste Stadt im Norden ist Exmouth, 2½ Stunden, oder Karratha 5 Stunden (dazwischen gibts noch 2 Roadhäuser). Und zu Fuß kommt hier vielleicht alle 10 Jahre einer vorbei.

Do 13.01. Lyndon (Km 5.335)

Guter Schatten während der Pause ist lebenswichtig, die Bäume lassen zu viel Sonnenlicht durch. 

Die Temperatur steigt jetzt fast immer über 45⁰, gestern habe ich 9 Liter Wasser getrunken. Weniger geht nicht!

Mo 17.01. Karratha (Km 5.417)

Ich hab schon wieder einen Lift gebraucht, und diesmal waren es 340 Km, vom Yannarie Rastplatz bis nach Karratha. Ich erzähle der Reihe nach. In Lyndon gibts eine Farm, 3½ Km abseits von der Straße, aber den Umweg musste ich am Freitag machen, weil meine 35 Liter maximale Wassertransport Kapazität in Wirklichkeit nur mit Müh und Not 4 Tage reichen (ich hab mit dem doppelten gerechnet). Durchschnittlich bekomme ich von Verantwortungsbewussten Fahrern 3 Liter pro Tag geschenkt, dann reicht es schon 5 Tage. Minilya war zwar erst 4 Tage vorher, aber das nächste Roadhouse (Nanutarra) ist 130 Km weit weg und bei der Hitze komme ich nicht so weit jeden Tag. Ich muss eine lange Nachmittags Pause machen. Am heißesten ist es zwischen 14:00 und 18:00 Uhr, obwohl die Sonne schon um 19:15 untergeht.

Bei dem Farmer bekam ich 20 Liter, damit waren alle Behälter wieder voll. Außerdem eine Tasse Tee mit Keksen, eine Dusche und wieder ein Lunchpaket. So gefällt es mir, trotz der Hitze. 

Aber dann konnte ich meinen E-Bike Akku nicht mehr laden. Aufschrauben darf ich ihn nicht, sonst verliere ich die Garantie (er ist ja erst ein halbes Jahr alt), das Ladegerät zeigt  dass es Strom vom Inverter bekommt, aber es lädt nicht. Also liegt es wahrscheinlich an der Batterie. Deshalb stoppte ich meinen Weg am nächsten Parkplatz, um eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Und da saß ich 30 Stunden lang fest. Mit so schwerem Gepäck ohne elektrische Unterstützung, bei der Hitze und immer noch 70 Km bis Nanutarra, das habe ich nicht gewagt. Und der nächste Radlshop ist in Karratha. Einige Fahrer haben sich nach meinem Wohl und Ziel erkundigt, aber heute Mittag kam ein älteres Pährchen mit Wohnanhänger, die haben sich hinter ihr Telefon geklemmt, und 5 Minuten später kam ein Fahrer mit dem geeigneten Fahrzeug (Pickup, nicht überladen), der hat mich mitgenommen. Wie das ging, ist mir schleierhaft.