BLOG 26 Thailand

Mi 06.02. Mae Sot (km 16.523/H 350m)


 letzten Tage hatte ich wieder kein Internet, mein Datenvolumen war aufgebraucht, und der Weg so dünn besiedelt, dass es auch keine mobile shops gab. Erst am letzten Tag in Myawaddy, aber da hat es sich auch nicht mehr gelohnt. Der Grenzübergang nach Thailand war fast so einfach wie in Europa. Karte ausfüllen, Stempel in den Pass, fertig. Kostet nix, für 30 Tage. Simkarte war genau so einfach, hatte aber ein neues Problem zur Folge. Die Jimdo Leute wollten wohl wissen, ob das alles noch in Ordnung ist, haben meine Administrator App gesperrt und verlangt, dass ich mich mit meinem Passwort einlogge. Natürlich habe ich inzwischen den Notiz Zettel verschlampt, aber dank Reinmunds Hilfe habe ich es jetzt wieder. Und jetzt geht auch meine Creator App wieder. 


Turmkarst heißen solche geologischen Formationen, diese Berge liegen in einer flachen Landschaft, als ob sie wie Warzen aus dem Boden gewachsen oder vom Himmel gefallen wären. Sie sind aber das Ergebnis von Erosion. Ich habe das zum ersten Mal so im Südosten von Myanmar gesehen, man findet das auch auf Bildern von China. Auf mich wirkt die ganze Südostasiatische Ecke wie eine Provinz von China. Das darf man nicht laut sagen, es könnte chinesische Expansionsgelüste befeuern. Aber die Menschen sehen so aus, sogar die Landschaft, die Sprache klingt so, sie haben alle autoritäre Staatsformen. Myanmar ist eine Militärdiktatur, die demokratisch gewählte Regierung war nur eine Show Einlage, damit mehr Touristen kommen. Die Präsidentin Aung San Suu Kyi nennt sich nur Regierungsberaterin und ist die Tochter eines Generals, hat sich mit den herrschenden Generälen arrangiert, eine win win Vereinbarung aller Beteiligten. 

Der zweite Weltkrieg hat auch hier gewütet, da haben die Japaner die Briten vertrieben, die sich das Land 1945 wieder zurück holen konnten, bevor sie es 1947 in die Unabhängigkeit entließen. Seitdem haben sie eine Militärdiktatur. Zuerst haben sie den größten Teil der Inder vertrieben, indem sie religiöse Konflikte zwischen Hindus und Buddhisten angezettelt haben, jetzt sind die Muslime dran, und als nächstes die Christen, wie man aus militärischen Kreisen hört. Sie beschlagnahmen den Besitz der Vertriebenen und bereichern sich so.

Ich habe zuletzt öfters gehört, dass mein Lebenswandel hier (in Myanmar) illegal ist, Birmesen dürften keine Ausländer beherbergen, diese dürften nur in Hotels übernachten. Auch Mönche in den Klöstern sagten das und fragten mich, wie ich das mache. Ich sagte, ich frage nicht, so wissen sie es nicht, so habe ich keine Probleme. Darauf lächelten sie nur und ich durfte bleiben. 

Do 07.02. Taksin Maharat Nationalpark (km 16.563)

Hinter mir liegt eine hügelige Strecke mit Höhen zwischen 100 und 500 m und das geht auch morgen so weiter. Nach meinem letzten Bergausflug in Myanmar (ein Tag rauf, ein Tag runter) hatte ich eine Woche lang Muskelkater (ein notwendiges Übel, das aber keine Einschränkungen erzwingt). Hier sind es viele kleinere Aufs und Abs, in der Summe genau so viele Höhenmeter, aber durch die vielen Abwechslungen schonender.

Ich möchte mal etwas zu meinem Barfuß Projekt schreiben. Im Himalaya habe ich damit aufgehört, weil die Straßen zu schlecht waren, oder es hat geregnet (dann weicht die Haut an den Fußsohlen auf und das macht sie empfindlich), oder es war zu kalt, oder ich hatte es vergessen. Etwa ein viertel Jahr lang. Danach musste ich wieder mit einer halben Stunde täglich anfangen, davor war ich bei durchschnittlich eineinhalb Stunden. Diesmal ging es aber etwas schneller aufwärts, seit Nepal gehe ich wieder eineinhalb Stunden täglich. Ich kann auch zwei oder zweieinhalb Stunden, aber das tut meinen Fußgelenken nicht gut. Die sind an die Dämpfung der Schuhsohlen gewöhnt und ohne - bekommen sie Probleme. Ich denke ich muss mich erst mal daran gewöhnen und kann dann neue Steigerungsveruche machen. Inzwischen ist es so, dass ich ohne Barfuß zu gehen auch Probleme in den Füßen selbst bekomme, ich nehme an, dann ist die Dauerbelastung für meine Fußmuskulatur zu groß. Beim Barfuß gehen werden doch auch andere Muskeln im Fuß angeregt oder anders belastet. Ich muss zugeben, am Anfang, wenn die Fußsohlen noch sehr empfindlich sind, macht es nicht wirklich Spaß. Man braucht schon einen eisernen Willen um das durchzuhalten. Ich wußte, dass das Problem mit der Dauerbelastung kommen wird und je eher ich anfange etwas dagegen zu tun, desto besser. Man ist versucht, jeden schmerzenden kleinen Stein zu verfluchen, ich habe mich für jeden solchen Schmerz bedankt weil ich wusste, dies ist für meine Abhärtung erforderlich, also muß ich es wollen, akzeptieren und begrüßen. Inzwischen sind die kleinen Steine kein Problem mehr, die größeren schon. Wenn ich mich mit Leuten vergleiche, die überhaupt keine Schuhe haben, dann bin ich immer noch absoluter Anfänger. 

Fr 08.02. Tak (km 16.604)

Genaugenommen bin ich 10km südlich von Tak. In Myanmar habe ich die Klöster als Unterkunft entdeckt, und hier in Thailand funktioniert das genauso. Ideal für low budget Reisende wie ich einer bin. Manchmal bekomme ich auch etwas zu essen, in einer Qualität wie in guten Restaurants, nur zweimal hintereinander wurde ich abgelehnt, das war vor 2 Wochen in Kyaikto. Ich nehme an, es gibt dort zu viele Touristen und mit denen haben sie schlechte Erfahrungen gemacht. Ein paar Mal habe ich versucht ihnen Geld zu geben, aber das wurde immer abgelehnt. Manchmal geben sie mir noch Reiseproviant mit. Einmal wollten sie mir Geld geben, aber das habe ich abgelehnt. Manchmal bekomme ich ein eigenes Zimmer, mit oder ohne Bad, manchmal ein eigenes kleines Häuschen das aus nur einem Raum besteht, manchmal einen Saal, manchmal muss ich den mit anderen Mönchen oder Pilgern teilen, manchmal habe ich ihn für mich allein. Und eine Waschgelegenheit gibt es immer, für mich und für meine Klamotten. 

So jung können Mönche sein. 

So 10.02. Kamphaeng Phet (km 16.671)

Heute schlafe ich zur Abwechslung mal wieder in der Wildnis, im Schutz von Bambus. 

Mo 11.02. Khlong Khlung (km 16.704)

Solche lustigen Ortsnamen gibt es hier. 

Thailand hat wie Großbritannien eine Monarchie, aber keine demokratisch gewählte Regierung, sondern wie Myanmar eine Militärdiktatur. Anders als dort interessiert sich die Polizei aber überhaupt nicht für mich. Hier können sich die Touristen völlig frei bewegen, und das lohnt sich volkswirtschaftlich. Der Tourismus ist der größte Wirtschaftsfaktor in Thailand.

Die Währung heißt Bath, ein Bath ist 3,2 Eurocent wert, das heißt für einen Euro bekommt man 32 B. 

Der König heißt Vajiralongkorn, sein Vater / Vorgänger war König Bhumibol. Auch alles lustige Namen. 

Die herrschenden Generäle halten sich in der Öffentlichkeit dezent zurück, der König ist ihre Marionette und wird als Kultfigur präsentiert. Und wie überall auf der Welt tut das einfache, ungebildete Volk was es tun soll und liebt und verehrt seinen König. 

Die  Bevölkerung ist zu 95% buddhistisch, aber die Religion spielt hier nicht so eine dominante Rolle wie überall zwischen der Türkei und Myanmar, es gibt hier auch nicht so viele Klöster wie im Nachbarland. 

Wenn ich sage, dass ganz Südostasien chinesisch dominiert ist, dann liegt das natürlich daran, dass ich die feinen Unterschiede nicht sehe. Genauso würde ein Asiate der nach Europa kommt denken, ganz Europa wäre von Deutschland dominiert. In Wahrheit sind wir europäisch dominiert und sie asiatisch. 

 

Di 12.02. Solokbat (km 16.733)

Tiny houses made in Thailand. Das ist keine amerikanische Erfindung, das gab es früher bei uns auch, in Asien ohne Unterbrechung bis heute. 

Die Klöster erfüllen hier eine wichtige soziale Aufgabe, die nach europäischem Verständnis eigentlich Aufgabe des Staates wäre: den Menschen eine Überlebensperspektive zu geben, medizinische Unterstützung und Schulbildung zu organisieren. Man kann dort vieles lernen. Lehrer, Arzt, Landwirt, Koch, ich weiß nicht was noch. Dort laufen aber auch Dumpfbacken herum, die nicht mal ihre eigene Sprache lesen und schreiben können. Die schlechte Nachricht: auch das ist wieder nur ein Privileg für Männer. Ich habe in Asien noch kein Frauenkloster gesehen. Frauen sind hier keine Menschen, sie sind Sklaven. Sie werden in die Sklaverei hineingeboren, von Geburt an bis zum Tod bestimmen Väter, Brüder, der Ehemann, sogar der Schwager über ihr Leben. Die Gesellschaft sieht da keinen Handlungsbedarf. Und ungebildete Frauen, die nichts anderes kennen, wissen auch nicht, was  oder wie sie es ändern sollten. Vor 40 Jahren etwa sagte meine Mutter, sie sei gegen dieses neumodische Zeug wie Gleichberechtigung von Männern und Frauen, was mich damals schon fassungslos machte, was ich ihr auch mit drastischen Worten klarzumachen versucht habe, umsonst, sie konnte es nicht verstehen. Ich habe sie damit nur gekränkt und beleidigt. 

Mi 13.02. Nong Baen (km 16.764)

Do 14.02. Nakhon Savan (km 16.782)

Wer glaubt, das ist doch ewig lange her, sowas gibt es heute nicht mehr, zumindest nicht in Deutschland, den muss ich enttäuschen. Heute haben wir nur andere Themen, z.B. den Klimawandel. Und obwohl wir seit 20 Jahren gesichert wissen, dass wir nicht so weiter machen können / dürfen, machen wir einfach so weiter. Die Erkenntnisse haben keinen Einfluss auf unser Verhalten, wenn, dann bei nur sehr wenigen und in viel zu geringem Ausmaß. Nur die Dümmsten der Gesellschaft bestreiten immer noch den Zusammenhang zwischen unserem Kohlendioxid Ausstoß und der Klimaerwärmung, was aber noch lange nicht zu irgendwelchen Verhaltensänderungen führt. Es gibt sogenannte Kippelemente in der Entwicklung des Klimas und da stehen wir unmittelbar davor. Z.B. die Eisschmelze auf Grönland und in der Antarktis oder das Auftauen der Permafrostböden im Norden von Sibirien. Wenn da der Stein erst mal ins Rollen kommt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Dann wird dort sehr viel mehr CO2 und Methan freigesetzt als wir jemals produziert haben und jemals einsparen könnten. Und dann ist Schluß mit lustig. Die Temperaturen könnten auf 250 Grad Celsius ansteigen, die Meere verdampfen, der Sonnenwind bläst den Dampf ins Weltall davon. Keine Phantasie, die Venus hat es uns vorgemacht. Dort ist immer noch sehr viel Wasserdampf in der Atmosphäre, aber die Oberflächen Temperaturen liegen zwischen 400 u. 500 Grad. Sie ist ja auch näher an der Sonne. Außerdem lässt sich das berechnen, seit wir den Zusammenhang zwischen CO2 Gehalt in der Atmosphäre und Temperatur aus Bohrkernen des antarktischen Eises der letzten 400.000 Jahre kennen. 

So, wer sich jetzt noch mit dem Gedanken trägt ein neues, größeres, stärkeres, schnelleres Auto zu kaufen, der soll mal darüber nachdenken, was wohl Greta dazu sagen würde. Und ich verspreche Euch, in 2 bis 5 Jahren denken alle Kinder so. Und dann braucht Ihr schon ein dickes Fell, Euch nicht in Grund und Boden zu schämen, wenn Ihr diese Dreckschleuder aus der Garage holt. Der Himmel hat uns dieses Kind geschickt, begabt mit einem analytischen Verstand, nicht fähig, die offensichtlichen Tatsachen zu verdrängen und den Kopf in den Sand zu stecken. Behindert sind die, die das können. Diese Behinderung hindert sie daran, ihr eigenes Leben und das der gesamten Welt zu erhalten. Ich schäme mich für meine Kollegen, Männer aus meiner Generation, die sie kritisieren oder sich über sie lustig machen und möchte mich für sie bei Greta entschuldigen. Auf sie zu hören ist unsere und Eure letzte Chance. 

Sa 16.02. Chi Nam Rai (km 16.861)

Natürlich wissen wir nicht konkret, wann was passieren wird. Aber dass diese Erde für uns unbewohnbar wird, wenn wir so weiter machen, ist inzwischen schon sicher. Es ist in höchstem Maße naiv und unverantwortlich, jetzt noch auf Zeit spielen zu wollen. In 5 Jahren kann es zu spät sein. Muss nicht, aber kann! Deshalb dürfen jetzt auch finanzielle Erwägungen keine Rolle mehr spielen. Die Kosten verdoppeln sich von nun an mit jedem Jahr, in dem wir nichts tun. Das ist eine exponentiell wachsende Kurve, die schon sehr bald ins Unendliche wächst.

Leute, wacht auf, eure Hütte brennt und ihr wollt seelenruhig weiterschlafen? Und weiter Öl ins Feuer gießen? Die Flammen werden schon bald so weit anwachsen, dass sie niemand mehr löschen kann.

Ich kann das Gequatsche von unserer Vorbildfunktion nicht mehr hören. Wir sind die Bremser und Miesmacher beim Klimaschutz. Selbst Indien hat ehrgeizigere Ziele in Sachen Energiewende als wir. Costa Rica will bis 2020 alle CO2 Emissionen auf null bringen und wir wollen noch bis 2038 Braunkohle verheizen? Pfui Teufel! Sie sagen, wir können das Klima nicht alleine retten, aber wir haben als eines der schmutzigsten Länder die verdammte Pflicht bei den ersten dabeizusein, die damit aufhören.