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28.12.17 Teheran

29.12. Isfahan

Bin gut in Teheran angekommen, etwa 01:00 Uhr Ortszeit. Ich habe wieder das "Visum on arrival" beantragt und auch bekommen, für 30 Tage. Diese Prozedur dauerte eineinhalb Stunden, kostet 75,-€, man muss dort eine eigene Krankenversicherung für die Zeit abschließen, nochmal 14,-€ und man muss bereits wissen, wo man zuerst hingeht oder - fährt. Und das muss nachprüfbar sein, z. B. mit Telefonnummer. Zum Glück hatte ich ein paar davon. Die ich angegeben habe, hat wohl nicht funktioniert, deshalb kam ein Beamter mit meinem Antrag nochmal zu mir und verlangte Aufklärung. Ich musste ihm eine andere Nummer geben, die er dann auf der Stelle anwählte. Meinen Protest: "aber die schlafen doch jetzt", hat er im weggehen nur mit einem müden Lächeln beantwortet. Mir war es ziemlich peinlich, es war immerhin 02:00 Uhr morgens.  Wie dieses Gespräch abgelaufen ist, habe ich dann nicht mehr mitbekommen. Dies zeigt, dass es gar nicht so sicher ist, dass man das Visum bekommt und wenn, muss man sehr dankbar dafür sein. Ich habe es bekommen und mich sehr gefreut. 

Ich habe dann ein paar Stunden auf kalten Blechsitzen geschlafen, mein prayers room war um diese Zeit geschlossen.      

Um 5 war er wieder auf, dort hab ich dann noch lange und tief geschlafen. Im Laufe des Vormittags bin ich wieder mit einem Taxi nach Teheran gefahren. Inzwischen haben sie eine Linie der Metro bis zum Flughafen gebaut, aber ob die schon in Betrieb ist, konnte ich nicht herausfinden. In Teheran hab ich noch mal kurz "meine Familie" besucht und bin dann mit einem Nachtbus nach Isfahan gefahren. Das sind luxuriöse westliche Busse mit etwa 25 Liegesitzen, aber so richtig schlafen konnte ich nicht. Und von der Strecke habe ich auch nichts gesehen, was ich am meisten bedauere. 

Dies ist der Naqsh-e Jahan Square, einer der weltgrößten Plätze und Unesco Weltkulturerbe. Genauere Details findet man im Internet, die möchte ich hier nicht wiederholen. Die Leute kommen hierher und machen Picknick, es war Freitag, das ist der "Sonntag" im Iran. Man kann eine Pferdekutsche mieten und einmal um den Platz traben. 

Unter den Arkaden laufen ringsum kilometerlange Gänge, da drin siehts aus wie in einem Basar, dazwischen immer wieder Tore nach draußen, wenn man alles sehen wollte, bräuchte man eine Woche. 

Das ist die Sheikh Lotfallah Moschee auf der Westseite des Platzes. 

In den Katakomben der Freitags Moschee, die gehen übergangslos in einen Basar über. 

Der Innenhof (der Hauptteil war leider schon geschlossen). Diese Moschee ist die größte der Stadt 1300 Jahre alt und teilweise schon baufällig.


Abends hab ich mir mal wieder ein Hotel gegönnt. Die letzten Tage habe ich ein ordentliches Schlafdefizit angesammelt, das fühlt sich an wie Jetlag. Das billigste was ich finden konnte, war für 12 €, mit Frühstück. 

30.12. Isfahan (km 5137)

Heute bin ich in Isfahan 16 km gegangen. In den Städten kann man nicht laufen. Aber mitgerechnet habe ich das immer. 

Die Si-o-Seh Pol Brücke, fotografiert aus der Mitte des Flussbettes. Die ist etwa 400 Jahre alt. Dass der Fluss so trocken ist, kommt eher selten vor. Ich hab meine Kamera schräg gehalten, sonst hätte ich noch weiter weg gehen müssen. Heute ist sie nur noch für Fußgänger und Radfahrer zugelassen. 

So sieht sie von oben aus. 

Auf beiden Seiten gibt es solche Arkaden Gänge. 

Am Nachmittag hab ich dann einen Bus nach Schiras bestiegen. Jetzt habe ich noch 26 Tage Zeit im Iran, in der Zeit schaffe ich die Strecke bis Bandar Abbas zu Fuß nicht. Wenn ich am Persischen Golf entlang will, sind das von hier noch 1300 Km. Dann ziehe ich es vor, den kältesten Teil der Strecke abzukürzen. 

Ein Blick aus dem Bus Fenster. 

So sieht das Zagros Gebirge am Nordrand aus, eigenartig große Abstände zwischen den Bergen. Im Zentrum war es dann leider schon zu finster. Aber ich habe ab und zu auf meinen Höhenmesser geschaut, das höchste, was ich gesehen habe, waren 2100 m. Von Steigung in der Straße habe ich nichts bemerkt, die muss sehr langsam ansteigen. Das Zagros Gebirge ist in seiner Ausdehnung locker doppelt so groß wie die Alpen, reicht vom Südosten vom Iran bis ans Schwarze Meer in der Türkei, dort heißt es aber anders. Der Höchste im Iran hat über 4500 m.

Erst kurz vor Schiras merkt man, dass es abwärts geht. Teheran liegt auf 1000 m (im Süden), Isfahan und Schiras auf 1500 bis 1600 m. Man sieht, der ganze Iran ist ein weitgehend flaches Hochland.

Isfahan und Schiras haben beide etwa 1,9 Millionen Einwohner.

Ankunft in Schiras um Mitternacht. Es ist immer eine Herausforderung, die Taxifahrer abzuwimmeln. In dem Busterminal gibt es Parkähnliche Areale, dort konnte ich zum ersten Mal mein neues Zelt testen. Geht schon, aber das alte war um Längen besser.

Die Nacht war Saukalt, in der Früh minus zwei. Ich musste noch eine zweite Hose im Schlafsack anziehen und eine Jacke über den Pullover, den ich eh schon anhatte. Dieser Schlafsack war ein Kompromiss, ich hab nur wenige kalte Nächte, dann wirds wärmer. 

31.12. Schiras (km 5149)

So sah mein Frühstück im Busterminal bei Sonnenaufgang um kurz vor 07 Uhr aus: Papierbrot, Gemüsesuppe mit Bohnen drin, ein Spiegel-, oder so ähnlich, - ei, und Tee.

Hab mal nachgeschaut wegen Sonnenauf- und - untergang. Also Aufgang ist um 06:54, Untergang um 17:10 Uhr. Das heißt, in Schiras haben sie am 29.12. eine Tageslänge von 10:16 Stunden, zum Vergleich : Rosenheim 08:25, und im Südburgenland 08:31. Das hängt vom Platz auf dem Globus ab, genauer gesagt von den Breitengraden. 

Die Nasir al Mulk Moschee. Die Kacheln der Verkleidung sind aus gefärbtem Glas. 

Im Innenhof gibt es solche Gewölbe in den Wänden. 

Der Beetraum, die Sonne scheint gerade optimal durch die bunt verglasten Fenster. Die Sonne scheint übrigens immer, und wir haben hier Mittagstemperaturen von 17 Grad. 

So sieht das von der Seite aus. 

Ich mitten drin. 

Meine Hose ist übrigens schwarz. 

Bei den nächtlichen Temperaturen werfen also die Bäume auch dort ihr Laub ab

aber nicht alle. Solche Mandarinen Bäume sieht man oft. 

Gemüse Felder mitten in der Stadt. Hier gab es mal eine Reihe von Oasen an einem Fluss

Dort sind die ersten Karawansereien entstanden, das sind gesicherte Herbergen für Menschen und Tiere, die für den Warentransport zuständig waren, und später die Stadt. Die Karawansereien gibt es immer noch, aber heute sind es kleine Basare mit Gastronomie. Wunderschön. 

Eine Fußgängerzone, da drunter ist eine Autobahn, und da drunter die U- Bahn. 

Dasselbe 100 m weiter und ein paar Stunden später. 

Inzwischen habe ich Masoud kennengelernt, der hat ein paar Jahre in Deutschland gelebt und jetzt lebt er wieder hier. Der hat mir ein Hotel für 8 € gezeigt, unter den Umständen hab ich für 2 Tage eingecheckt. Dann hat er mir als Dolmetscher geholfen, einen Flug nach Indien zu buchen, das dauert aber bis morgen Nachmittag und in der Früh fahren wir nach Persepolis, einer 2500 Jahre alten - must see-Ruinenstadt, etwa 50 km entfernt.

Mit ihm bin ich dann bis nachts durch die Stadt gezogen und er hat mir Orte gezeigt, die ich alleine niemals entdeckt hätte. 

Masoud ist auch gläubiger Muslim, und da kann man sich darauf verlassen, das sind Menschenfreunde. Die können gar nichts schlechtes denken. Er wollte mir die Moschee des 8. Imam zeigen, auch eine der heiligsten (Chomeini war der 13.), aber irgendein Wächter hat uns nicht reingelassen, weil er gesehen hat, dass ich kein Moslem bin. Das hat Masoud auch nicht gefallen, er hält diesen Wächter für einen ungebildeten Wichtigtuer, der nicht erkennt, dass Touristen wie ich, die sich die Mühe machen so eine weite und anstrengende Reise zu machen, um das Land, die Menschen und die Kulturschätze kennenzulernen, für den Iran nützlich sind, und dass er sich glücklich schätzen sollte, wenn ich seine Moschee sehen will und dann daheim darüber berichte (ich hoffe, das jetzt vollständig wiedergegeben zu haben).

Macht nichts, nicht weit von hier ist der "Schrein" von seinem Bruder (der Bruder des 8. Imam). Und obendrein ist sein eigener Bruder (der Bruder von Masoud) auch dort begraben. 

So sieht ein Friedhof in einer Moschee aus. Man beachte die spannende Dachkonstruktion. 

Ich konnte zum ersten Mal eine Moschee im Betrieb fotografieren, ich meine, während Gläubige dort beten. Das Geglitzer an allen Wänden und der Decke oder Kuppel kommt von einem Spiegelmosaik, mit dem alles lückenlos beklebt ist. Die einzelnen Spiegel sind rechteckig und dreieckig, und teils flach, teils pyramidenförmig aufgeklebt. Das erzeugt erst diesen Glitzer Effekt. 

Und das ist jetzt der Schrein. Das ist ein Sarg in einem Käfig aus feinem Holzgitter, ich schätze, mit Blattgold und -silber beschlagen. Die ganze Moschee wird so zum Mausoleum. Die Leute gehen nicht zur Moschee, sondern zum Schrein. 

Ach ja, so sehe ich mit meinem neuen Laufwagen aus. 

So, habt ihr jetzt genug Bilder gesehen?

Wer mich kontaktieren will, ich hab eine neue E Mail Adresse: pennerkuno@gmail.com

Es ist mir nicht gelungen, die alte auf mein neues Smartphone zu übertragen.

Wer WhatsApp used, kann mich unter der Nummer :

0049 17615237093852   in seine Kontakt Liste aufnehmen und mir auf dem Weg Nachrichten schicken. Das funktioniert weltweit. 

01.01.2018 Schiras. (km 5160)

Die Zitadelle des Karim Khan (König), gebaut vor 250 Jahren, leicht trapezförmig mit Seitenlängen von 60-70 m, 14 m hoch. Dieser Eckturm steht seit einem Erdbeben deutlich schief. Sie diente längere Zeit als Unterkunft für Könige und Militärs. (von Nordosten) 

Das ist jetzt also Persepolis.

In dieser Ecke stand der Königspalast. 

So werden die Einzelteile wieder zusammen geklebt. 

Und wieder aufgestellt (bis zum nächsten Erdbeben) Diese Säule ist 18 m hoch 

Die Reliefs zeigen, was die Besucher an Geschenken mitbringen, damit klar ist, dass keiner mit leeren Händen zu kommen braucht.

Die Anlage wurde teilweise überdacht, um weitere Erosion zu vermindern. 

Das war sein Harem, jetzt ist es ein Museum. 

Eine Art Regierungserklärung in Keilschrift in Stein gemeißelt. Xerxes, der Sohn des Stadtgründers, muss ein guter König gewesen sein. Das war die Ära der Achämeniden.

Jetzt habe ich das Bild verwechselt, das mit der Regierungserklärung ist verdunstet. Dort hat er erklärt, dass für ihn alle Menschen gleich viel wert sind und er die vielen verschiedenen Religionen in seinem Reich respektiert. 

Hier ganz andere Schriftzeichen, weil es sich um ein Weltreich von 28 Nationen gehandelt hat. Es reichte von Indien bis nach Lybien und Äthiopien. 

Im Vordergrund die Grundmauern der Arbeitersiedlung, da waren etwa 10.000 bezahlte Handwerker am Werk. Das weiß man, weil durch das Feuer die Tontäfelchen, in welche die Buchhaltung geritzt wurde, gehärtet wurden und dadurch haltbarer geworden sind. Warum das ganze so gründlich zerstört wurde? 330 vor Chr.  hat der Grieche Alexander der Große Persien kriegerisch erobert und dort eine Siegesfeier ausgerichtet. Manche Forscher glauben, dass dabei versehentlich ein Feuer außer Kontrolle geraten ist, andere behaupten, er hat es absichtlich gelegt, aus Rache für frühere Brandanschläge der Perser in Griechenland.

Bis dahin war es 200 Jahre lang Königliche Residenz.

Ihre Religion war der Zoroastrismus, die angeblich erste monotheistische Religion, benannt nach Zarathustra, der als ihr Erfinder (Prophet) gilt, und irgendwann zwischen  1800 u. 600 v. Chr. gelebt haben soll. Die gibt's auch heute noch und nennen sich Parsen. Sie haben sich also erfolgreich gegen die Islamisierung gewehrt. Sie leben unter anderem in Indien, aber auch im Iran und werden da angeblich nicht nur toleriert, sondern sogar unterstützt. Sie haben Feuertempel, das Feuer ist heilig, und darf niemals verlöschen. Das muss jetzt reichen. 

Auch dort zieren Stiere mit menschlichen Köpfen und Flügeln ein Eingangsportal, da waren auch ägyptische Baumeister am Werk.


Hier tragen 28 Männer aus allen Nationen ein Podest auf dem der König steht. Unter den Beamten hatten die Perser das Sagen, die das Land ihrerseits erst kurz vorher erobert hatten. Die unterlegenen Meder, sozusagen die Ureinwohner, hatten den zweithöchsten Rang. 

Darunter ist die Grabkammer von einem der Könige. Seine Gebeine liegen in dem steinernen Sarkophag, man kann ihn auf dem Bild erahnen. Bevor sie da hineingelegt wurden, hat man den Leichnam auf die Felsen gelegt, damit die Geier das Fleisch abnagen. Die Zoroastrer oder Parsen machen das heute noch so. 

Zurück in Schiras, das ist in der Fußgängerzone. Es handelt sich nicht um Blumenkohl, sondern um eine Blume, die den Winter übersteht. 

Ich hab mein Flugticket bekommen, aber nicht von Bandar Abbas, sondern von Teheran nach Mumbai. Was andere Reisende berichtet haben, entspricht also offenbar der Wahrheit. Vielleicht hätte ich noch länger recherchieren müssen, hab aber angesichts des günstigen Preises von 180€ darauf verzichtet. Und eine Überlandfahrt quer durch den Iran stelle ich mir auch nicht uninteressant vor. 

Von den Unruhen im Iran habe ich bisher nichts mitbekommen, habs grad im Internet gelesen. Und jetzt erinnere ich mich, dass mir vorgestern jemand davon erzählt hat, weil sie die Preise für manche Grundnahrungsmittel verdoppelt haben.

Wenn das weiter eskaliert, wärs möglich, dass sie noch weitere Teile des Internets sperren. Also wenn ihr nichts mehr von mir hört, muss das noch keine Gefahr für mich bedeuten. Selbstverständlich halte ich mich da raus. Sie warten ja nur darauf, ausländische "Terroristen" präsentieren zu können. 

02.01. Schiras (km 5172)

Von Südwesten, der schiefe Eckturm ist jetzt rechts. 

Heute bin ich erst am frühen Nachmittag aufgebrochen, hab länger ausgeschlafen, die Gelegenheit zum Wäsche waschen genutzt, geduscht, einen Schlauch ausgetauscht, weil er immer Luft verloren hat und nochmal die Bedienungsanleitung von meinem Fahrradcomputer studiert. Ich zähle das alles auf, um mich für die 12 km Tagesleistung zu rechtfertigen, nicht dass jemand sagt: faule Sau. 

Ich bin bis an den Südrand von Schiras gekommen. Hier ist eine Tankstelle, daneben ein Restaurant, dort hab ich zu Abend gegessen und darf nachher auf der Terrasse mein Zelt aufstellen. Mehrere Leute haben mich schon gewarnt, dass es da draußen nachts auch nicht sicher ist. Beleuchtete Plätze sind da noch das beste. 

Auch Männer tragen in seltenen Fällen so was ähnliches wie ein Kopftuch. Dieser Stadtgärtner tut das aus Sonnenschutzgründen. 

Mein erstes Kamel. 

Mi 03.01. Jam (km 5198)

Die Nacht war wieder genauso kalt. Und weil der Weg nach Bandar Abbas für knapp 3 Wochen immer noch zu weit ist (ca. 800km), werde ich nochmal ein Stück per Bus abkürzen. 

Über diese Killer Radschrauben haben selbst die Feuerwehr Männer in Jam gestaunt. 

Das sind Palmherzen, ich hatte Gelegenheit zuzuschauen, wie sie gewonnen werden. Sie nehmen das oberste Ende vom Stamm einer Palme, ich konnte nicht erkennen, um welche Art es sich gehandelt hat. Mühsam hat ein Arbeiter mit einer Machete innerhalb einer viertel Stunde alle Wedel Stängel entfernt und dieses Ding heraus geschält, oben und unten begradigt, fertig. Das kaufen die Leute als nahrhafte Delikatesse. 

Bevor ich einen Bus ausfindig machen konnte, hat ein Auto angehalten, der Fahrer muss seiner Kopfbedeckung nach irgendein geistlicher Würdenträger gewesen sein (ein weißer Stoffring). Er fragte mich in spärlichem Englisch, ob ich mitfahren will. Natürlich wollte ich. Er hat mich ca. 70 km mitgenommen, die Unterhaltung bestand hauptsächlich darin, seine Englischkenntnisse zu verbessern. Dabei hat er sich während der Fahrt Notizen gemacht, eifrig den Google Übersetzer benutzt und die Aussprache trainiert, bis ich sagte dass es stimmt. Dazwischen hat er immer wieder betont, wie glücklich ich ihn mache. Ich war glücklich, diese Fahrt überlebt zu haben. Am Ende hat er mich nahtlos an einen anderen Autofahrer übergeben, der grad zufällig da stand, und auf Mitfahrer wartete. Der wollte allerdings Geld dafür, und zwar 80.000 Toman (16€). Ich hatte zum Glück gerade noch 45.000 in meinem kleinen Geldbeutel, so hat er sich mit 40.000 begnügt. Die größeren Scheine sind mit den Bankkarten in einem größeren Geldbeutel im Rucksack, und der liegt in meiner Kiste obenauf, da kann ich ihn jederzeit in sekundenschnelle an mich nehmen. Das mache ich jetzt immer, wenn ich den Wagen irgendwo stehen lassen muss (aufs Klo kann ich ihn nicht mitnehmen, dazu ist er zu groß).

Dieser 2. Fahrer wartete noch auf 3 andere Mitfahrer, die offensichtlich angemeldet waren, in der Zeit schaute ich bei der Palmherzen Produktion zu. Meinen Anhänger musste ich ziemlich weit zerlegen, damit er in den Kofferraum passte. Also Deisteln, Räder, Achse, Bremsseil, Fahrradcomputer, alles weg, geht zum Glück ohne Werkzeug. Von da an war die Straße nur noch 2 spurig, d. h. in jede Richtung eine Spur. Während mein Sitznachbar mich mit Handyvideos langweilte, die durchweg sexuellen Hintergrund hatten (bis hin zum homo Arschfick, wobei der passive Partner absolut keinen glücklichen Eindruck machte und als ich ihm das sagte, brach er in ein Gelächter aus, Entschuldigung, aber ich glaube hysterisch triffts am besten), überholte unser Fahrer LKWS, gleichzeitig wurden wir auch überholt, oder es kamen andere Autos entgegen, die er dann halt auf den Seitenstreifen zwang. Und so ging das 180km lang. Hier war ich besonders glücklich, lebendig in Jam angekommen zu sein. Beim Zusammenbauen meines Fahrzeuges fehlte dann eine Schraube, die in seinem Auto absolut nicht mehr auffindbar war.

Die ersten Menschen, die mich in Jam ansprachen, fragte ich nach einer Bleibe für die Nacht. Es waren zwei junge Männer, die ziemlich gut englisch konnten. Sie hatten sofort eine Idee: die Moschee. Der Pförtner dort war auch einverstanden, telefonierte aber vorsichtshalber mit seinem Vorgesetzten, der kam, sah und sagte auch ok, dann haben sie noch einen 3. vermutlich noch höheren herbeigerufen, und der bekam plötzlich kalte Füße. Man muss das verstehen, die Strafen für geringste Vergehen sind drastisch, da hat jeder Angst, was falsch zu machen. Nächster Versuch waren die "Firefighters", die Feuerwehr. Dort hat niemand irgendwen gefragt, und es war sofort alles klar.  

Auch dort muss man die Schuhe ausziehen. 

Ich musste mit ihnen Hühnchen essen, obwohl ich behauptet habe, ich hätte schon gegessen, aber das hat nichts genützt. Einer hat den Mangel mit meiner Schraube sofort erkannt und aus dem hauseigenen Ersatzteillager sofort was passendes geholt. Dann wurden sie per Telefon zu einem Einsatz gerufen, in weniger als 1 Minute waren sie weg. Eine halbe Stunde später kamen sie wieder, ein Fahrzeug hatte gebrannt, und das lustige an der Geschichte, die Fahrerin war die Schwägerin von einem der Feuerwehrmänner. Die waren den ganzen Abend sehr gut gelaunt und fühlen sich in ihrem Job ein bisschen wie Helden.

Wenn nix los ist, dürfen sie auch schlafen, und so haben wir zu viert im überheizten Nebenraum auf dünnen, ausgerollten Matratzen geschlafen. Am nächsten Morgen um 6 war Schichtwechsel. Sie haben die Kollegen noch informiert, bevor wir uns verabschiedet haben, dann gabs mit den neuen erst mal Frühstück. Natürlich hatten die auch noch jede Menge Fragen, konnten aber kein Englisch, so wars ein bisschen mühsam. Um halb acht war ich wieder auf der Straße. 

Do 04.01. BANDAR SIRAF (km 5230)

Ich bin am Meer, am Persischen Golf, seit 14 Uhr. Das Wasser ist saukalt, aber warm genug, dass ich hinein gehen konnte. Hier noch ein paar Bilder vom Weg hierher:

Immer noch Zagros Gebirge. 

Irgendwann mal kommen die Kletterer hierher. 

Die Schichten können ganz schön mächtig werden. 

Irgendwann wird jeder Berg zum Schutthaufen. Wenn es immer warm ist und die Pflanzen fehlen, gehts sicher schneller. 

Ehemalige Wohnungen 

Im Hintergrund ist das Meer zu sehen. Ich hoffe, auf dem Bild auch.

Bandar Siraf ist ein unglaubliches Kaff. Da kommt man über eine der wichtigsten Hauptstraßen des Landes ans Meer, und hier ist nichts los. Seit Jam hab ich keinen Tee mehr bekommen, und hier auch nicht. Man wird sehr schnell süchtig davon, und wenn man es sich wünscht und man denkt, es auch verdient zu haben, ist es besonders hart. 

Es gibt schon eine Strandpromenade und eine Art Vergnügungspark, aber ohne jede Gastronomie. Nicht mal einen lumpigen Tee. 

In diesem Pavillon steht jetzt mein Zelt. In den Nachbarpavillons vor und hinter mir steht auch schon eins. 


Und so sieht es aus der Nähe aus:

Heute am frühen Nachmittag hat es hier 30 Grad gehabt, jetzt ist es halb zehn, und mein Thermometer zeigt immer noch 18 Grad an. Himmlisch. 

Gute Nacht, bis morgen. 

Hier ist eine kleine Internet Oase. Mitten in der Pampa. Ich habe die Gelegenheit genutzt, alle alten Seiten meines Blogs zu verstecken, nur vorübergehend, ich denke, die werden dann nicht mehr geladen und hoffe so, mit weniger Daten auszukommen. Mein erster Eindruck ist: es hat geklappt. Sobald sich die Internet Versorgung bessert, entsteck ich sie wieder. Es kann sich nur um höchstens 2 Wochen handeln. Ich hatte meine alte Telefonnummer für die WhatsApp connection angegeben. Entschuldigung, jetzt aber die neue: 004917615237093852

Die falsche weiter oben hab ich auch korrigiert, also jetzt habt ihr sie doppelt.


Die letzte Woche ging es gut, auch einige Iraner haben die Stirn gerunzelt, als ich ihnen meinen Weg zeigte. Manche haben sich richtig Sorgen um mich gemacht, und wollten mich ein Stück mit ihrem Auto über diese Strecke bringen. Ich hatte alle Hände voll zu tun, solche Angebote abzuwimmeln. Einer hat sogar behauptet, dort fahren mich die Autofahrer absichtlich zam, um mich oder meine Leiche auszurauben. Jetzt habe ich knapp zwei Drittel der Strecke am Persischen Golf hinter mir, und ich muss sagen: alles Quatsch. Kein Unterschied in Sachen Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und aufrichtiges Interesse an meiner Reise. Trotzdem habe ich bei der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz wieder darauf geachtet, dass niemand sieht, wohin ich gehe. Einmal habe ich bei einer Familie ubernachtet, die Mama hat sogar meine Wäsche gewaschen (mit einer Waschmaschine). 

Sa 13.01. Bustaneh (km 5518)

Hier geht's wieder (das Internet). 

Da schraubt sich ein LKW über Serpentinen den Berg hinauf, wäre auch was für Radfahrer. 

Eine Zisterne, die gibt es hier massenhaft 

Ein bunter Haufen: Iraner, Afghane, Araber. Der Dicke hat mich zum Essen eingeladen, ein richtiger Gemütsmensch. 

Das ist Quatsch, im ganzen Iran gibt es vermutlich nur das eine Kamel, das ich schon fotografiert habe. 

Das war vorgestern mein Abendessen. Hier sitzen sie immer am Boden. 

Verdammt junge Motorradfahrer gibt's da. 

So sehen alle Dörfer und kleinen Städte aus. Man sieht nur die Mauern, das einzige was die überragt sind die Zisternen und Moscheen. 

So verwegen sehen manche meiner Gesprächspartner aus. 3 auf einem Motorrad ist noch gar nix. Ich hab auch schon 5 gesehen. 

Hier hab ich mal wieder chay bekommen. Der Vater ist Araber. 

Bandar e-Divan. Nur ein Fischerdorf mit traumhaftem Strand. Hier bin ich zum ersten Mal seit 10 Tagen wieder aufs Meer getroffen. 

So 14.01. Bandar Kong (km 5551)

Morgens die ersten Sonnenstrahlen.

Die Berge sind im Laufe des Tages immer kleiner geworden und haben schließlich ganz aufgehört. Zumindest ist von hier aus nichts mehr zu sehen. 

Dieser Baum ist ein idealer Campingplatz. Von außen undurchsichtig und innen genug Platz 

Mo 15.01. Bandar Suflin (km 5590)

Sonnenaufgang um 06:45

Jetzt sind die Berge doch wieder da, und zwar in den schönsten Farben. Wenn man die Satelliten Bilder anschaut, dann sieht man hier lauter braune Flecken. Das sind ganze Gebirgsstöcke aus völlig anderen Materialien, nämlich überwiegend diese dunkel rotbraunen Steine. Mir kommt das vor, als ob sich mancherorts fremdes Plattenmaterial von Süden auf die Eurasische Platte aufgeschoben hat (Obduktion). Dass es hier einen Zusammenstoß gibt, beweist allein schon die Existenz des Zagros Gebirges. 

Mi 17.01. Bandar Abbas (km 5668)

Auf der Spitze dieses Berges hab ich letzte Nacht gewohnt. Da steht eine kleine Hütte, aber kein Mensch da. Und dank meiner abgespeckten Ausrüstung war der Weg machbar. 

Der Blick von oben auf die Nachbarschaft 

Wieder mal ein Sonnenuntergang, diesmal von oben. 

Das nächste Dorf von oben. Leute, eure Lichter sollten die Straßen beleuchten und nicht den Himmel. Normalerweise ist der Sternenhimmel hier auffallend schön, über dieser Lichtverschmutzung nicht. 

Ein spanischer Radfahrer, auf dem Weg von Thailand über die Mongolei und Kirgisien nach Hause. Er hat betont, dass er Baske ist, und er hat im östlichen Teil dieser Welt die gleichen Erfahrungen gemacht wie ich im westlichen, dass fast alle Regierungen mit ihren Nachbarn verfeindet sind und ihren Bürgern Angst einjagen und Gefahren heraufbeschwören, die es ohne sie gar nicht gäbe, weil die Menschen überall grundsätzlich freundlich sind. 


Je näher ich Bandar Abbas kam, desto unerträglicher wurde der Verkehr. Viele alte Stinker unter den Autos und LKWs. 20 km vor der Stadt ist die Autobahn schon auf 8 Spuren angeschwollen und ziemlich voll. Außerdem gibts auf der Westseite viel Industrie und die ist genauso schlimm. Ein richtiger Dreckgürtel. So war ich heute froh über das Angebot eines Autofahrers und bin eingestiegen.

Mein erster Weg war zum Bahnhof, um mir mein Ticket nach Teheran zu sichern. Hat problemlos geklappt, kostet etwa 12 € für 1300 km.

Am Rückweg fragte ich einen Mann, der neben einem Container saß und Tee trank, woher er den hat, darauf bot er mir einen Stuhl an, holte unter dem Container eine Thermoskanne hervor, spülte ein Glas ab und schenkte mir ein. Er stellte sich als Polizist vor. Das einzige was er von seiner Uniform anhatte war das Hemd, und das war unter einer zivilen Jacke versteckt. Kurz darauf kamen 2 Kollegen aus dem Container, deutlich als Polizisten erkennbar und bewaffnet, ich vermute, die haben da gepennt. Die 3 müssen hier einen Streckenposten halten, dabei schieben sie 24 Stunden Dienst, dann haben sie 24 Stunden frei, das heißt, 12 Stunden im Schnitt Bereitschaft. Ich musste dann mit ihnen zu Abend essen, und mein Zelt hinter dem Container aufstellen, aus Sicherheitsgründen. Zu tun hatten sie bis heute Morgen um 07 Uhr nichts. Dann hat einer von ihnen mich zum Hafen gebracht, Schichtwechsel. Ich habe ihnen die Bilder von den Kindern auf einem Motorrad gezeigt, oder den Lastwagen mit den Killer Radschrauben. Dazu meinten sie, es herrsche völlige Gesetzlosigkeit. Deshalb kann jeder machen was er will. 



Auf solchen Stühlen müssen sie sitzen, den Tisch haben sie selbst gemacht. Darüber haben sie sich bitter beklagt. Und auch darüber, dass sie nur umgerechnet 50€ im Monat verdienen. "sie halten uns wie die Hunde". 

Do 18.01. Qeshm (km 5689)

Was ich im Hafen wollte: ich bin viel zu früh hier angekommen, jetzt habe ich noch 5 Tage Zeit, da möchte ich mir die Insel Qeshm anschauen. Die liegt nicht weit vor der Küste, ist etwa 100 km lang und an der breitesten Stelle 50 km. Dort soll es einige Sehenswürdigkeiten geben, 

Bilder vom Fischmarkt in Bandar Abbas. 

Das ist schon Qeshm, bin ganz im Osten, die Stadt heißt auch Qeshm und das ist eine portugiesische Festung, 500 Jahre alt.

Von hier aus begebe ich mich in südöstliche Richtung, vielleicht schaffe ich es ja einmal rundum. 

Fr 19.01. Naz Ilands (km 5720)

Alte Höhlenwohnungen, vielleicht wars auch eine Festung. Genannt: Khourbas Caves. 

Ein Bild von innen 

Dieses Naturschauspiel heißt Stars Valley und wurde durch Erosion erschaffen. 

Das sind ein paar Eindrücke vom weiteren Weg. 

Und hier die Naz Inseln. Das z ist hier auch ein stimmhaftes s, wie bei Nase.

Das besondere daran ist, dass man die Inseln trockenen Fußes erreicht, wenn Ebbe ist. Weil aber alle mit dem Auto rüber fahren, hab ich verzichtet. 

Sa 20.01. Flughafen Qeshm (km 5755)

Sehenswürdigkeit waren heute keine auf dem Weg, aber 2 Münchner Radfahrer, auf dem Weg nach Singapur. Die übernachten auch im Zelt und haben ansonsten auch ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich. Die haben es geschafft, auf dem Landweg von Aserbaidschan in den Iran einzureisen. Über ein anderes Reisebüro. Sie waren da offensichtlich etwas hartnäckiger als ich. 

Blühender Oleander am 20. Januar. 

Es gibt also doch noch Kamele im Iran, zumindest hier auf Qeshm. Genauer gesagt handelt es sich hier um Dromedare. Der Hirte ist mit einem Motorrad ständig unterwegs. Wenn sie traben, sieht das recht elegant aus. Den Straßenverkehr verstehen sie nicht. Der macht sie zwar etwas nervös, aber schließlich überqueren sie die Straße doch im falschen Moment und zwingen Auto und Lastwagenfahrer zum bremsen. Die wissen das schon und verhalten sich entsprechend vorsichtig. 

So 21.01. Paiposht (km 5793)

Heute war ein trüber Tag. Zuerst dachte ich, es ist nebelig, aber mit der Zeit wurde immer klarer, dass es sich um feine Sandstaubwolken handelt. Sichtweite ein Km. Ein kräftiger Wind aus Südwest trieb den Staub der gesamten Insel vor sich her. Die westliche Hälfte muss ich streichen, das geht sich zeitlich nicht mehr aus. So gehe ich jetzt nach Norden und dann wieder rechts bis nach Qeshm. Bei der Luft will ich nicht laufen. Jetzt habe ich einen Schlafplatz auf einer Baustelle gefunden. Das ist ein Areal von 500 x 700 m. Bisher haben sie erst die Umzäunung und die Pförtnerloge im Rohbau fertig. Und da stehen ein paar Baucontainer herum, einer davon ist die Toilette. Die Pförtner schieben rund um die Uhr Wache, 2 Mann, jeder 12 Stunden. Der gerade Dienst hatte, hat mich auf einen Ratsch und einen Chay herbeigerufen, und weil es eh schon halb fünf war, hab ich ihn gefragt, ob ich hier im Schutz der Mauer zelten kann. Zum Glück gibt es hier noch keine Vorgesetzten. So ging das. Um 17 Uhr war Schichtwechsel, auch kein Problem. 


Dieser Raubvogel hat mich eine ganze Weile umkreist und mich damit schon etwas nervös gemacht. 

Die Landschaft hat hier im Zentrum der Insel eine Farbe wie Zement. 

Mo 22.01. Qeshm (km 5830)

Hier an der Nordküste ist eine Werft nach der anderen und die bauen Schiffe aus Holz, das hier ist so hoch wie ein 3 stöckiges Bürogebäude daneben. 

Die Uni von Dargahan, liegt schon außerhalb. 

Und das ist gegenüber 

Di 23.01 im Zug nach Teheran

Die letzte Nacht habe ich wieder am Strand auf Sand zwischen dornigem Gebüsch verbracht, 3 km vor dem Hafen von Qeshm, also schon in der Stadt. Aber diese Ecke schien mir ausreichend abgelegen und ruhig. Und außer ein paar Hunden war sie das auch. 

Und sowas wächst dort einfach aus dem Sand. 

Um 8 Uhr war ich schon unterwegs zum Festland, von dem sieht man aber noch nichts. Ein Blick zurück nach Qeshm. 

Eine halbe Stunde später ist Bandar Abbas in Sicht 

Auf dem Weg zum Bahnhof habe ich meine Freunde die Polizisten wieder besucht und hab ihnen meine Bilder von Qeshm gezeigt. Dazu meinten sie, die meisten Leute in Bandar Abbas haben noch nicht so viel von Qeshm gesehen wie ich in den paar Tagen. Dann durfte ich mit ihnen zu Mittag essen (das letzte Mal wurde ihnen das Abendessen von einem Polizeiauto serviert, es gab irgendeine Hackfleisch Pampe mit Brot, war aber besser als das hier klingt). Das heutige Mittagessen haben sie selber gekocht. Gleich daneben gibts einen Obst und Gemüsehändler, der hat eine Portion Champignons gebracht, dazu haben sie Zwiebeln und Eier in einer Pfanne mit Sonnenblumenöl gebraten, fertig. Eine Gasflasche mit Kocher Aufsatz steht immer bereit zum Tee kochen.

Dafür durfte der Obsthändler auch mitessen. Und ich auch, als Ehrengast. Alle gemeinsam aus dieser Pfanne, dazu Brot. Sie reißen ein Stück davon ab und wickeln das Gebratene darin ein, gerade so viel, dass sie es noch in den Mund stopfen können. So machen sie es mit dem Brot immer. Nach einem überaus herzlichen Abschied durfte ich dann weiter gehen zum Bahnhof, das waren nur noch 10 Minuten.

Mein Zug fuhr um14:30 Uhr los, den Gepäckwagen musste ich zurücklassen, der wird mit einem anderen Zug nachgeschickt und soll morgen um 13 Uhr in Teheran angekommen, ich um 09. Na hoffentlich klappt das. Eigentlich wollte ich ja erst am 24. nach Teheran fahren, hab mich dann aber spontan für den 23. entschieden ohne eigentlich zu wissen, warum. Jetzt weiß ichs. Mein Flugzeug startet am 25. um 14 Uhr, das wäre dann zu knapp geworden. Vom Bahnhof Teheran zum Flughafen dauert auch eine Stunde. Den Zug haben sie in Mitteleuropa gekauft, denke ich. Der sieht genau so aus, wie Züge bei uns aussehen, nur die Toiletten sind orientalisch. Einen Speisewagen gibts auch, und die Preise sind außerordentlich günstig. Das Frühstück mit 2 Tassen Tee und ausreichend Käsebrot kostet umgerechnet 60 Cent. Sie müssen nur einen Gast finden, der ausreichend englisch kann, damit sie verstehen, was ich will, und damit ich verstehe, was sie zu bieten haben.

Ich musste mich in ein Abteil mit 5 anderen alten Herren quetschen, der Zug war ziemlich voll. Man kann die Sitze in 3 stöckige Betten umbauen, so dass jeder einen bequemen Schlafplatz hat. Im Vergleich zum Fernbus ist das sehr viel bequemer, billiger, schneller und sicherer. Meine Abteilgenossen müssen hartgesottene Vielreisende sein. Schon nach 2 Stunden klappten sie die Rückenlehnen hoch und legten sich schlafen. Ich notgedrungen auch. Die Nächte sind hier im Süden etwa 2 Stunden kürzer als bei euch, trotzdem sind das immer noch 13,5 Stunden, und das ist für meine Lebensweise entschieden zu viel. Für die Kollegen im Zug war es kein Problem, 14 Stunden zu schlafen. Vielleicht haben sie die Nacht vorher vorgesorgt und entsprechend weniger geschlafen? Zweimal gab es eine 20 minütige Pause, an einem Bahnhof, wo es einen prayersroom gab, damit die Fahrgäste zu den vorgeschriebenen Zeiten beten konnten. Aus meinem Abteil haben das 2 Kollegen genutzt und ihren wohlverdienten Schlaf unterbrochen. Zum Glück haben sie die Vorhänge nicht zugezogen, so dass ich aus meinem mittleren Stockbett gut hinausschauen konnte. Und was ich da gesehen habe, hat mich ziemlich schockiert. Zu Fuß hatte ich ja den selben Eindruck, aber so viel Wüste in so kurzer Zeit wirkt doch noch mal ganz anders. Ich würde sagen: 98%. Im Internet klingt das relativ harmlos. Da ist die Rede von 5 mehr oder weniger großen Wüsten, aber das was dazwischen ist, kann ich nicht als Steppe bezeichnen. Da wächst alle 5m mal eine Distel, dazwischen trockener sandiger Boden. In manchen Tälern sind grüne Oasen, das wird dann landwirtschaftlich genutzt. 

Mi 24.01. Flughafen Teheran (km 2853)

Ankunft in Teheran war um 10, eine Stunde hin oder her scheint da keine Rolle zu spielen. Dafür war mein Gepäck pünktlich da, aber es war schwierig, es zu finden, 5 mal musste ich fragen, und nochmal schwierig, es zu bekommen. Der Kollege an der Gepäckausgabe musste mitkommen zu dem Sesselfurzer am anderen Ende der Halle, um ihm irgendwas zu verklickern, was ich nicht verstanden habe. Allein das hat schon fast eine Stunde gedauert.

Den Nachmittag habe ich mich dann noch einmal in Teheran rumgetrieben, Zug oder S-Bahn zum Flughafen gibts nicht, Bus habe ich auch nicht gefunden. Also wieder Taxi. Diesmal habe ich wieder einen filmreifen Kamikaze erwischt. Sein linker Arm ist gelähmt, er macht alles mit dem rechten. Beim Schalten, lässt er das Lenkrad halt einfach los. Und dann fährt er immer bis auf wenige Zentimeter auf den Vordermann auf, egal ob beim Ampelstopp oder bei 80 kmh. Und das so schnell, dass ich jedesmal unwillkürlich mitbremse. Auch mit den Fußgängern macht er es so. Er fährt so schnell und nah an sie heran, dass sich bei uns keiner auf die Straße wagen würde, aber einen Teheraner kümmert das nicht die Bohne. Obwohl sich der Seitenabstand zweier vor uns fahrender Autos rasant vermindert, fährt er da hinein, dass jedem Mitteleuropäer das Herz stehen bleibt. Und dazwischen wuseln noch jede Menge Motorräder durch. 

Aber ich habs wieder überlebt. Jetzt habe ich endlich die Zeit, mal wieder eine Menge zu schreiben. Im Zug gab es so gut wie kein Internet.

Morgen fliege ich nach Indien, hab noch mal einen längeren Aufenthalt in Dubai, so dass ich erst übermorgen früh dort sein werde.

Dort beginne ich wieder eine neue Seite. 

Jetzt hab ich grade die anderen Seiten wieder aus ihrem Versteck geholt, man kann sie also wieder alle finden. 

Das sind Dattelpalmen, Kokospalmen wachsen nicht im Iran. Warum weiß ich nicht. Dafür sind das die besten Datteln der Welt. Sagen sie.

Die gesamte jährliche Niederschlagsmenge ist im Iran nur durchschnittlich ein siebtel der von Deutschland. Dafür haben sie fast doppelt so viele Sonnenstunden bei entsprechend höherer Intensität. Man kann also leicht erkennen, dass das bisschen Regenwasser sehr schnell wieder verdunstet, außerdem versickert in dem sandigen Boden viel mehr. Das kann man zwar wieder rauf pumpen und landwirtschaftlich nutzen, aber die Grundwasser Reserven sind nachweislich am schrumpfen. Unter diesen Umständen muss man es schon geschickt anstellen, ein 80 Millionen Volk zu ernähren. Das hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt, aber inzwischen liegt die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau nur noch bei 2. Die Zeiten des Wachstums sind also auch hier vorbei.