Blog 1 ab Rosenheim

14.10.16 Start in Baierbach

Um 14: 00 Uhr bin ich von meinem Wohnort gestartet. Hab unterwegs noch Reinmund und Fini in Prien besucht, und dann den Bill. Dort stellte ich mich mitsamt meinem Gepäck auf die Waage, um zu sehen, wie schwer es ist. Das Ergebnis ein Schock: 54 kg  Davon 8 kg der Wagen, 6 l Wasser, bleiben immer noch  40 kg. Das ist entschieden zu viel. Außerdem bin ich viel zu schnell gelaufen, so habe ich nur 25 km geschafft am ersten Tag. Als erstes habe ich dann das Wasser weggeschüttet und den Kanister später ordnungsgemäß entsorgt. Mein Zelt hab ich im Moor aufgestellt und himmlisch weich geschlafen.

13 Tage verschollen

Gleich am 2. Tag habe ich mein Handy in Siegsdorf auf einer Sitzbank liegenlassen und erst am Abend gemerkt. Der ehrliche Finder hat gesehen, ich weiss nicht wie, wer mich zuletzt kontaktiert hat, und so wurde es mir schließlich über einige Umwege ins österreichische Burgenland nachgeschickt. 

Am 2. Tag habe ich dann auch bloß 28 km geschafft, bis Neukirchen bei Teisendorf. Dann wurde es langsam besser. Nach und nach habe ich meinen Ballast abgespeckt und mich von dem zu hohen Anfangstempo erholt.

3. Tag Hallein, 39 km

4. Russbach  38 km

5. Bad Aussee 41 km

6. Liezen  40 km

  4 Tage Dauerregen und Kälte haben mich mürbe gemacht. Der Schlafsack wird immer nässer und verliert seine Wärmedämm Eigenschaften. Das Zelt wiegt nicht mehr 

1, 5 kg sondern 4.  Ich habe keine trockenen Klamotten mehr, schon in der Früh nasse Socken, nasse Schuhe, nasse Hose, nasses Hemd, und das bei Temperaturen knapp über null. An waschen ist nicht zu denken. Wenn es noch kälter wird, wirds lebensgefährlich . Für solches Wetter bin ich nicht geschaffen.

Ich bestieg in Liezen einen Zug und fuhr bis nach Graz. 135 km. Immer noch Regen. Am nächsten Tag bin ich dann bis zur Isa gelaufen und gegangen, das waren 70 km, um mir noch so eine kalte und nasse Nacht zu ersparen. Ich muss gestehen, dass ich ca. 50% der Gesamtstrecke gegangen bin. Ich habe immer noch zu viel Gepäck dabei, und die Nässe macht es noch schwerer.

Mein Fazit: vielleicht habe ich nicht die richtige Ausrüstung für solches Wetter, ich mache Winterpause im Burgenland.

Sonntag, 16.04.17

Am Dienstag geht's los

Hallo liebe Freunde, jetzt wirds ernst, am Dienstag ist meine Winterpause zu Ende, da starte ich zum Rest meiner Weltumrundung. Ich werde Euch auf diesem Wege, sooft ich kann mitteilen, wo ich bin, was ich gesehen und erlebt habe, wie es mir geht.

Do 20.04.

Es wird kälter als ich dachte, ich hab nochmal ein paar Tage verschoben. Vielleicht am Sonntag. 

Mo 24.04.17 Start, tatsächlich

Es war gut, nochmal eine Woche zu verschieben, Österreich gehört auch noch zu Sibirien. Aber jetzt wirds wärmer, warm genug für mich. 

Do 27.04.

Jetzt bin ich 4 Tage unterwegs und bei km 120. Der Anfang ist noch recht zäh, mein Wintertraining ließ etwas zu wünschen übrig. Die ganze Reise verzögert sich dadurch vermutlich um ein paar Tage. Ich sitze gerade an einer Tanke, wegen dem Internet Anschluss. Wenn ich will, finde ich jeden Tag einen. Es gibt hier Orte, die kann man nicht mal Dorf nennen, vielleicht 10 Häuser, aber mit WiFi. (Das ist kostenloses öffentliches Internet). Bei einer Abkürzung, die sich dann als Umweg entpuppt hat, habe ich ein idyllisches Dorf entdeckt, zu dem noch nicht mal eine Teerstrasse führte. Ein Problem ist meine Stromversorgung. Das Solarladegerät schafft eine halbe Akkuladung am Tag, wenn die Sonne scheint, und das tut sie nicht jeden Tag, und soviel verbraucht das Smartphone auch, wenn ich es ganz ausschalte. Da bleibt nix mehr fürs Schreiben oder navigieren. Jetzt hab ich eine Steckdose angezapft. Die Karte ist einfach zu ungenau, da bleiben dann nur Hauptstraßen. Wenn jemand ein paar Stromspartipps für mich weiss, wäre ich  sehr dankbar. Südungarn ist übrigens erstaunlich hügelig. Ach ja, mein Gepäck wiegt noch 25 kg, und nach den ersten 4 Tagen kann ich sagen, das muss noch weniger werden. 

Mo 01.05.

Jetzt ist es mir gelungen, die Hintergrundfarbe meiner Webseite zu ändern. Heute konnte ich zum ersten Mal kurzärmelig laufen, und die Nächte sind auch nicht mehr so kalt. Gestern waren es +5 Grad morgens, heute schon 10. Ich hab einen Kirschbaum gesehen, der hatte schon rotbackige Kirschen. 

Ich bin jetzt in Barcs, das ist schon fast die südlichste Ecke von Ungarn. Weiter geht's grob an der Drau entlang 

Mi 03.05.

Jetzt bin ich kurz vor Harkany, das ist etwas weiter südlich als geplant, wollte nach Pecs, aber hier unten sind ruhigere Straßen. In den Dörfern ist jedes 2. Haus leer und manche davon am verfallen, hier ist tote Hose. Dann werde ich wohl morgen die Grenze nach Kroatien überschreiten. Dort wird es auch nicht viel anders aussehen, außer der industrialisierten Landwirtschaft. Hier sieht man nur Felder mit mehreren Quadratkilometern, und fast nur Megatraktoren und Megamaschinen, schlimmer als in Deutschland. 

Freies WLAN findet man hier auch nicht mehr so oft.

Do 04.05. Donji Miholjac

Die Übertragung ins Netz hat wieder nicht funktioniert, und mein Text ist auch weg. So mag ich ihn auch nicht mehr schreiben, heute ist nämlich schon:

Fr 05.05. Josipovac

Das ist kurz vor Osijek, ganz im Nordosten von Kroatien. 

Schon in Donji Miholjac hatte ich den Eindruck, Kroatien ist weiter entwickelt und wohlhabender als Ungarn. Zumindest in den Grenzregionen ist es fast gleich, die Dörfer sehen sich zum verwechseln ähnlich, und die Straßenverhältnisse sind es auch. Radwege wie wir sie kennen, Fehlanzeige. Und die es gibt, sind unbefestigte Ackerspuren, sehr schwer-, und bei Regen gar nicht mehr passierbar. Der Schlamm klebt an meinen Reifen, wickelt sich förmlich auf, bis sie sich gar nicht mehr drehen.  Gestern Nacht war schweres Gewitter und viel Regen, hab aber alles schadlos überstanden. Im Zelt fühlt man sich den Naturgewalten ziemlich hilflos ausgeliefert. Man zählt nach jedem Blitz die Sekunden bis zum Donner, um abzuschätzen, wie weit der weg war. Aber unter 3 Sekunden, das heißt 1 km war keiner und irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. 

Hier in Josipovac bin ich im Cafe mit Leuten ins Gespräch gekommen, und nachdem sie erfahren haben, was ich vorhabe, haben sie mich gewarnt, mein Zelt irgendwo aufzustellen. Die Gegend hier ist noch vermint, und nach 25 Jahren weiß kein Mensch mehr, wo die Minen liegen. So hab ich das Angebot dankbar angenommen, bei einem meiner Gesprächspartner im Garten zelten zu dürfen. Zusätzlich durfte ich die Dusche benutzen, meine erste ordentliche dusche, seit ich unterwegs bin. Und morgen früh krieg ich auch noch einen Kaffee. Gute Nacht. 

Der Stadtplatz in  Osijek 

Eine Hängebrücke über die Drau, (die hier in Osijek etwa so breit ist, wie die Donau in Passau) nur für Fußgänger und Radfahrer. Und eine Uferpromenade: 2m für Radfahrer, 3m für Fußgänger breit. Das ließ mich hoffen, aber noch vor der Stadtgrenze war schon wieder Schluss damit. Von da an wieder Autostraßen.

Sa 06.05. Aljmas (km 430)

Das ist noch 10 km vor der serbischen Grenze. Vielen Dank nochmal an Igor, das war mein Gastgeber letzte Nacht, aber die Unterkunft in Aljmas, die du mir empfohlen hast, hat mich weitergeschickt zur nächsten, und die haben auch abgelehnt. Mach ich so einen negativen Eindruck auf die Leute? Alle, die mir das schon immer gesagt haben, werden sich jetzt bestätigt sehen. Aber so schnell geb ich nicht auf. 

Mo 08.05. Sombor km 495

Nach Aljmas musste ich dann doch wieder in der Wildnis nächtigen. Aber ich war noch vorsichtiger wie sonst, hab auf die Minen geachtet, und darauf dass niemand beobachtet, wo ich mich verstecke, und dass niemand mich schnarchen hört, oder den Reißverschluss vom Zelt, wenn ich nachts mal raus muss. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, auf was alles  man in der Wildnis so achten muss. Hab ich euch schon die Wolfspuren gezeigt? Bitte schön:

Das war noch in Ungarn, in der Nähe von Nagykanicsa. Ich hoffe der Grössenvergleich mit meinem Schuh kommt wahrheitsgetreu rüber. Hund würde ich ausschließen, das war in einem Wald, unbefestigte Straße, wo ich auf 15 km keinem Menschen begegnet bin, auch keinem Hund, auch keinem Wolf.

Am nächsten Tag bin ich bei Erdut über die Grenze nach Serbien. Hab mich dann spontan entschlossen, nochmal einen kleinen Abstecher nach Norden zu machen, Nach Sombor. Waren bloß 50 km, hab ich unterschätzt. Aber die letzten 3 Tage hats jeden Tag mehr oder weniger geregnet, ich müsste mal meine Wäsche waschen. Ein Ruhetag wäre vielleicht auch nicht schlecht.  Und in Sombor gibt's 2 Campingplätze, die einzigen weit und breit. Aber mit Internet sieht es, zumindest hier im Nordwesten von Serbien mau aus. So mau, dass ich erst hier in Sombor feststellen konnte oder musste, dass die beide noch  Winterschlaf halten. Aber auch das wird mich nicht aufhalten. 

Di 09.05. Kljajićevo (km 520)

10km weiter habe ich in einem Dorf plötzlich das Wort Scheisse gehört. Darauf hin hab ich Rajko kennen gelernt, er hat mich dann mit nach Hause genommen. Diesmal gab's sogar ein richtiges Bett. Wieder 10km weiter einen 2. Frühstückskaffee. Jetzt kann ich dies hier schreiben. 

Mit 10.05. Baćko Dobro Polie (km560)

Gestern war wieder ein Regentag. Die Leute sagen, es ist für die Jahreszeit zu kalt und zu nass.

Do 11.05 ? (Km 600)

Das ist ein Ort mit völlig unaussprechlichem und unbeschreiblichen Namen, zwischen Novi Sad und Zrenjanin. Übermorgen bin ich in Rumänien.

Letzte Nacht hat mich eine Horde Hunde aufgestöbert. Mindestens 5 verschiedenene Stimmen konnte ich identifizieren. Ist aber nichts passiert, sie haben mich nur eine halbe Stunde bekläfft, dann wurde es ihnen langweilig und sie haben sich wieder verzogen. In der Früh  bin ich extra früh aufgestanden, so um 5, da war grad Sonnenaufgang, hab extra leise zusammengepackt, aber kurz bevor ich fertig war,  haben sie doch was gehört und schon waren sie wieder da. Ist aber wieder nichts passiert, sie haben mich mit respektvollem Abstand und viel Gebell aus meinem Versteck eskortiert. 

Fr 12.05. Lazarevo ( km 650)

Der Ort heißt wirklich so. Es ist 19: 00 Uhr und ich will noch ein bisschen weiter. Gestern bin ich nach meinem Bericht auch noch 15 km weiter gelaufen, man kann also aus den km Angaben nicht meine Tagesleistung herausrechnen. Die lag in der ersten Woche durchschnittlich knapp über 30 km, und in der 2. Bei 37. Diese Woche werden es wohl wieder etwas weniger. Es ist schon lustig, je näher ich an die Grenze zum nächsten Land komme, desto mehr machen sich die Leute Sorgen um meine Sicherheit im Nachbarland. In Deutschland und Österreich nicht so sehr,  aber je weiter ich nach Osten komme, um so mehr. Bisher war aber eher das Gegenteil der Fall. Die Menschen werden immer freundlicher und aufgeschlossener. Und ich bin zuversichtlich,  dass das so bleibt. 

Sa 13.05. Sećan (km 685)

Jetzt ist es 14:00Uhr und ich bin hinter Secan, genauer in Kaptalan, 2 km vor der rumänischen Grenze. Heute hats wieder ein paar mal geregnet, dazwischen Sonne. Seit ich auf dem Balkan unterwegs bin, regnets hier mehr als genug. Vielleicht erwähne ich das Wetter ein bisschen zu oft, aber das liegt daran, dass ich ihm schon sehr ausgeliefert bin. Was mich gar nicht so sehr stört, aber es ist schon eine neue Erfahrung für mich. 

Sa 13.05.Kreuzstetten / Rumänien ( km 691)

Ich habs nun schon bis Rumänien geschafft.  Im letzten Ort vor der Grenze hab ich noch ein Übernachtungsangebot ausgeschlagen, aber nachdem die Grenzer mich auch noch vor ihren Landsleuten gewarnt haben (ich soll niemandem vertrauen), und ich im ersten Ort nichts gefunden habe und es langsam dunkel wurde, ist es mir doch ein bisschen mulmig geworden. Im 2. Ort war eine Kneipe, da hab ich einfach gefragt, ob jemand weiß, wo ich mein Zelt aufstellen kann. Der erste Vorschlag war im Garten hinter der Kneipe, aber dann hat einer gesagt,  ich soll mit zu ihm kommen. Mein Übersetzer erklärte mir, dass das der Schäfer ist. Inzwischen war es stockfinster. Bevor wir aufbrachen, drückten sie mir noch eine Plastiktüte mit Proviant für die nächsten 3 Tage in die Hand. Auch das Bier, das ich während der Unterhaltung getrunken habe, war frei. Der Weg zur Schäferei war auch so ein abenteuerlicher Feldweg. Der Schäfer,  der kein Wort deutsch oder englisch kann,  steuerte zielsicher zwischen den Pfützen hindurch und ich stolperte hinterher. Zuhause wies er mir ein Zelt aus einer LKW Plane zu, wo ich schlafen kann. Innen sah es so aus:

Da lagen eine Matratze, Schaffelle und Stroh einfach auf der Erde. Ich hab die Matratze gewählt. Hoffentlich hab ich mir da keine Flöhe geholt. Vorsichtshalber hab ich den Schlafsack am nächsten Morgen gründlich ausgeschüttelt. Das Leben erwachte dort um 4:00 Uhr. Hunde, Pferde, Schafe, Gockel, Kuckuck und Menschen. Um 06: 00 Uhr kam mein Gastgeber und lud mich zum Frühstück ein. Hab ich natürlich dankend angenommen. Was die frühstücken, würde ich als üppiges Mittagessen bezeichnen. Es gab frisch gekochtes: Polenta mit Lammfleisch, Rührei und Schafskäse, und zwar üppig. Scheiß auf den Vegetarier, ein paar mehr Proteine kann ich dringend gebrauchen.

So 14.05. Denta (km730)

Ich werde so oft zum essen eingeladen, dass ich fast kein Geld brauche, und es ist mehr als ich essen kann. Die Leute lassen auch nicht locker,  wenn klar ist,  dass wir uns nicht verständigen können. Manchmal nervt es schon ein bisschen. Ich muss jetzt hier flüchten, ich komme nicht zum schreiben. Melde mich später wieder. 

Die 16.05 Bocśa (km 777)

Gestern habe ich 45 km geschafft. Allerdings gehe ich immer noch die Hälfte. Ich hoffe,  dass das nochmal besser wird. Es klingt für Nichtsportler sicher lustig,  wenn ein 67 Jahre alter Mann sowas sagt, aber ich kann mich tatsächlich noch an andere Belastungen anpassen. Ich halte euch auf dem laufenden. 

Jetzt bin ich in Bocśa, sitze in einem Park mit Internet und kann das hier in  relativer Ruhe schreiben. Momentan ist es mit der Ruhe schon wieder vorbei. 

Da gehen Leute durch den Park und klauben den Müll auf,  den andere trotz reichlich vorhandener Mülleimer auf den Boden werfen. Einer hat mir gerade was zu erklären versucht, ich glaube er hat mich ermahnt, nichts auf den Boden zu werfen. 

Gestern früh sah ich zum ersten Mal seit Österreich Berge am Horizont, Heute bin ich schon da.

Sa 20.05. Bosovici ( km 1010)

Die letzten Tage habe ich kein Internet gefunden. Bin über Resita und Anina gekommen. 30 km ohne eine Ortschaft. Dies hier ist das Banater Gebirge. Nach Resita 60km Naturschutzgebiet, und nur 3 Ortschaften auf der ganzen Strecke. Da war mir schon ein bisschen mulmig, wegen der Wölfe und Bären. Eine Nacht hab ich in der Nähe einer Ortschaft verbracht, für die andere hab ich wieder einen Gastgeber aufgerissen, Marius in Bosovici. Hat für Mercedes in Berlin gearbeitet, ist inzwischen in Rente, und für rumänische Verhältnisse stinkreich. Bei ihm konnte ich endlich mal meine Wäsche waschen. Am nächsten Tag brachte er mich mit seinem Auto 10km weiter in die übernächste Ortschaft, weil er nicht übers Herz brachte, mich so weit laufen zu lassen. Doch dieser versuchte Betrug sollte sich rächen. Da es inzwischen später Nachmittag war, bin ich nur noch 10km weiter gelaufen, ich kann den Tag also als den ersten Fastruhetag bezeichnen. Beim Zelt auspacken bemerkte ich,  dass meine Regenjacke fehlte, und die halte ich inzwischen für überlebenswichtig. Die war gesponsert von Dynafit, vielen Dank dafür nochmal an Florian. Was solls, ich muss zurück, 20km. Unterwegs hab ich noch mal eine Pause eingelegt, weil meine Klamotten gestern noch nicht ausreichend trocken waren. In der Zeit konnte ich ein Mittagessen kochen. Ich wurde schon ein paar mal gefragt, was ich denn so esse. Also es gab Reis mit Linsen und Gemüse (Kartoffeln, Karotten, Zwiebel und Knoblauch).Solche und ähnliche Lebensmittel gibt's überall, auch Obst, ich werde also nicht verhungern. 

Der Rest der Geschichte ist dann gut ausgegangen, jetzt hab ich meine Regenjacke wieder, musste mir nur ein bisschen Häme anhören und jetzt gönne ich mir einen Kaffee, auch damit ich das hier schreiben kann. 

Aber jetzt geht's wieder weiter.

Mo 22.05. Lablaniţa (km 1060)

Das wären also 40km extra für die Regenjacke, wenn ich nicht eine Abkürzung gefunden hätte. Die war 10km kürzer, aber ungeteert und hatte 600 Höhenmeter, war teilweise verdammt steil und natürlich in sehr schlechtem Zustand. Ein Bauer wollte mir, so wie ich ihn verstanden habe, den Weg ausreden, ist ihm aber nicht gelungen. Es war trotz aller Anstrengung  (oder gerade deshalb?) ein wunderschöner Weg über die Gipfel einiger Berge. Ein weiterer Grund für die Abkürzung war Ondrej. Der hatte mich am Tag  vorher angesprochen, hatte mich mit seinem Auto überholt und sofort gesehen, was ich vorhabe. Er selber hat eine 4 jährige Weltreise hinter sich, trampend , zu Fuß und per Pferd. War in Indien, Neuseeland, Japan, hat von dort eine Frau mitgebracht und lebt jetzt mit ihr in einem winzigen Häuschen ohne Strom dort im südwestlichen Rumänien. Sie haben eine süße kleine Tochter und er kümmert sich um ein Dorf, in dem nur noch alte Tschechen leben, die vor über 100 Jahren dorthin ausgewandert sind. Ich habe den Eindruck, dass nicht nur solche Dörfer langsam aussterben, sondern ganz Rumänien. Ok, ich habe nur den Südwesten gesehen. Ondrej ist selbst Tscheche und 32 Jahre jung. Das war die interessanteste Begegnung bisher. Jetzt bin ich in Plugova und muss noch 30km auf der verkehrsmässig bisher schlimmsten Strasse hinter mich bringen. 

Hallo Ondrej, now I have vorgotten the name of your homepage. Please wright me, thank you.

Di 23.05 Severin ( km 1125)

Ich bin jetzt seit 4 Wochen unterwegs und befinde mich im südwestlichen Rumänien. Jetzt weiß ich auch, warum diese Straße so einen im wahrsten Sinne des Wortes   fürchterlichen Verkehr hat. Ein Gastwirt an der Strecke lud mich auf einen Tee ein (was hier unüblich ist), und klärte mich auf: dies ist eine der Hauptverkehrsrouten zwischen Europa und Istanbul, und in seinem Lokal halten überwiegend türkische Fernfahrer. Er tischte mir auch einen Teller mit 3 braunen Halbkugeln auf, und als ich fragte was das ist, sagte er: Zucker. Baklawa. Hat fantastisch geschmeckt. 

Die Donau hier ist der Wahnsinn. Ich habe noch nie so einen großen Fluß gesehen. 1 bis 2 km breit. 

Vor ein paar Tagen sah ich einen Mann, der eine Kuh hütete. Eine! Normalerweise sind das immer mehrere, bis zu ein paar Hundert Schafe, Ziegen oder Kühe. Dann sind es aber auch mehrere Hirten mit Hunden. Aber eine! Ich fragte mich, ob ihm das nicht zu blöd ist. Dann dachte ich an Marius:

Er kauft Unmengen teuere Einrichtungsgegenstände (Versace), hat mehrere Autos, ok, dafür hat er hart gearbeitet, gesundheitlich und moralisch siehts nicht so gut aus. Mich beschäftigt nun die Frage, welches Leben das bessere ist und für wen. Wenn man den Hirten fragt, ist ihm dieses Leben natürlich zu blöd. Es gibt aber auch Leute, die viel verdient und verbraucht haben und plötzlich aussteigen. Denen wurde ihr Leben auch zu blöd. Und für die Menschheit, für den Planeten gibt's doch nur eine eindeutige Antwort: das des Hirten. 


Heute Morgen habe ich eine wirklich gefährliche Situation erlebt. 3 Autos gleichzeitig neben mir. Einer überholt einen anderen bei gleichzeitigem Gegenverkehr. Platzmässig ist es sich ausgegangen, nur für mich (der hier ja gar nicht vorgesehen ist) wurde es knapp. Der mir entgegen kommende musste auf den Seitenstreifen ausweichen und ich in den Straßengraben, was hier zum Glück leicht möglich war. Und weil ich aufgepasst habe.

Ich hab Ondrej zu den Wölfen und Bären befragt und er sagt die gibt's hier nicht. Wenn überhaupt, dann vielleicht weiter oben, auf den höheren Bergen. Wo Menschen sind, hauen die sofort ab.

Die verhalten sich also dem Menschen gegenüber so, wie wir uns dem Tyrannosaurus Rex gegenüber verhalten würden. Sie schätzen die Gefahr realistisch so ein, dass nicht Sie für uns, sondern wir für sie wirklich gefährlich sind, dass der Mensch potentiell in der Lage ist, nicht nur den einen oder anderen von ihnen zu töten, sondern die ganze Spezies auszurotten. Und ich soll Angst haben vor ihnen? Lachhaft. Aber der Straßenverkehr macht mir Angst.


27.05. Bistretu Nou (km 1274)

Das ist jetzt schon der Süden von Rumänien. Seit 3 Tagen ist auf der anderen Seite der Donau Bulgarien. 

Vorgestern Nacht hatte ich Besuch, schätzungsweise 1 Million Ameisen:

Ich hatte ein paar gebrauchte Klamotten zum Lüften aufgehängt, und morgens diese Überraschung. Und sie haben das Feld keineswegs kampflos geräumt. Abschütteln ging nicht, die haben sich so festgekrallt, und die, die doch den Halt verloren haben, flogen durch die Luft und landeten auf mir, in meinen Haaren, und bald waren sie unter meinem T-Shirt in den Ohren, den Schuhen, ein Alptraum. Ich hab schon erwogen, ihnen  die Klamotten zu überlassen, hab mich dann aber doch für den Kampf entschieden. Mit einem Zweig von einem nahen Gebüsch konnte ich sie runter fegen. War aber nicht so leicht, viele haben sich so festgekrallt oder -gebissen dass ich sie in Stücke reissen musste. Zuerst das Hinterteil, dann die Rumpfmitte und zum Schluss den Kopf. Zwischendurch musste ich mich selber immer wieder von den Biestern befreien, der Kampf hat mich 2 Stunden gekostet, aber ich habe ihn gewonnen. Und das beste, die Klamotten haben anschließend frisch und sauber geduftet, fühlten sich aber immer noch schmutzig und klebrig an, das ist also kein Ersatz für waschen. 

Die Ernährung hier ist schon ganz anders, als noch in Serbien. Bäcker gibts nur in den größeren Städten, auf dem Land gibts nur noch Tante Emma Läden, die den Namen nicht verdienen. Oft sind sie von außen nicht mal als solche erkennbar.Sie haben ein mickriges Warenangebot und davon sind 80% junkfood. Also Süßigkeiten und gesüsste Getränke, die ganze Palette, die es bei uns auch gibt. Cola, Fanta usw. Habt ihr schon mal Bier in Plastikflaschen gesehen?

Ich habs probiert, ist genießbar und kostet umgerechnet 66 Cent. Ein Kaffee kostet meist 22 Cent, das ist ein Lei. 

Das Müll Problem wird immer schlimmer, je weiter ich nach Südosten komme. Da wird das Zeug einfach Lastwagenweise in die Pampa oder in einen See gekippt oder aus dem Autofenster geworfen, dass ich oft nicht aus dem Staunen komme.

Gestern hat mich ein Pferdefuhrwerk zum mitfahren eingeladen. Anlässlich meines Geburtstages hab ich mir das Vergnügen gegönnt. Mein Gefährt hinaufzuheben habe ich mir erspart, ich saß ganz hinten und hab ihn mit einer Hand festgehalten,  also als 2. Anhänger nachgezogen. So konnte ich sehen, wie schnell das Pferd trabte. 11 bis 12 kmh. Bis uns nach 5 km ein Polizist stoppte, ich nehme an, er meinte das sei nicht erlaubt. Ich bin dann wieder selber weitergelaufen