BLOG 9 Iran

Mi 04.10. Teheran (km 4765)

Ich bin also gut in Teheran angekommen. Der Flug dauerte nur gut eine Stunde, trotzdem gab es im Flugzeug ein Sandwich zu essen. Nach der Landung zogen die Frauen alle ihr Kopftuch über, bei vielen bedeckte das aber nur die hintere Hälfte des Kopfes und der Haare. Manche Kleider reichen auch nur bis knapp unters Knie. Trotz dieser Kleidervorschriften sind die Frauen aber keineswegs bedrückt. Wenn ich es nicht wüsste und wenn diese Schrift nicht wäre, ich käme nie auf die Idee, dass ich im Iran bin.

Nicht oft steht darunter in lateinischen Buchstaben oder auf englisch  was es bedeutet.

Gleich am Flughafen konnte ich eine iranische Sim Karte kaufen, 5 Dollar, es wird eine Stunde dauern, bis sie arbeitet. Heute morgen hat sie das immer noch nicht getan. Also bin ich in den nächsten Handy Shop gegangen und hab gefragt, ob sie mir helfen können. Das angenehme hier ist, dass fast jeder englisch kann, und gar nicht mal so schlecht. Also ich muss diese Karte erst noch aufladen, und das kostet nochmal 200 000 Rial. Das ist kein Schreibfehler, das sind nur 5 €. Die kleinsten Scheine die ich bis jetzt gesehen habe, sind 10 000, das sind 25 Eurocent, und die größten 500 000, das sind 12,50 €. Die Umrechnerei macht mir noch ein bisschen zu schaffen, und die Menge an Scheinen sprengt jeden Geldbeutel.

In Aserbaidschan habe ich mir1500 Dollar besorgt, das sollte für 3 Monate zum Leben reichen, und auch noch für ein Flug- oder Schiffsticket nach Indien, falls aus Pakistan nichts wird, und auch noch für eine Busfahrkarte, wenn es mir in irgendeinem iranischen Gebirge zu kalt wird. 

Die aserbaidschanischen Grenzer am Flughafen in Baku wissen, dass Europäer, die nach Iran fliegen, einen Haufen Bargeld mitnehmen müssen. Wegen der Sanktionen funktionieren dort unsere Bankkarten nicht, und es gibt auch sonst keine Möglichkeit, sich Bargeld zu beschaffen. Und von diesem Vermögen wollen sie einen Teil haben. Deshalb haben sie einen Zettel aus dem Hut gezaubert, auf dem steht, dass Ausländer, die länger als 10 Tage im Land bleiben, sich registrieren lassen müssen. Bei der Einreise hat mir das niemand gesagt. Kostet 401 Manat. Oder 250 Dollar. Und weil ich heftig protestiert habe und Erklärungen verlangte, haben sie das ganze hinausgezögert, dass ich am Ende froh sein musste, das Flugzeug noch rechtzeitig besteigen zu dürfen. Ich verschärfe meine Reisewarnung! Strauchdiebe und Wegelagerer. 

der gute Mann da am Seil putzt die Fassade.

do 05.10. teheran (km 4790)

Tolle Kunstwerke laufen mir immer wieder über den Weg.

Der symbolisiert für mich die Selfie Generation. Niemand außer mir macht heutzutage noch Fotos, auf denen er/sie nicht selbst im Mittelpunkt steht. Und die können Sie dann selber anschauen, weil kein Mensch mehr diese Bilderflut aushält, schon gar nicht, wenn es immer nur um den Fotografen geht.

Es gibt viele solcher Bäckereien. Vorne stehen die Kunden Schlange, dahinter wird im gleichen Raum das Brot nicht nur gebacken, sondern vom Anfang bis zum Ende komplett hergestellt. Sehr interessant und Appetit anregend. Und sie machen nur eine Sorte, und Jahrhunderte lang kommt keiner auf die Idee, mal irgendwelche kreativen Variationen auszuprobieren, zB. den Geschmack oder das Aussehen zu verändern.

Fr 06.10. Teheran (km 4810)

Unmengen Nässe, die meisten sind mir unbekannt, und schmecken tun sie auch wie aus dem Paradies. Für ein knappes Kilo hab ich umgerechnet 3€ bezahlt. Und alles in allerfeinster Qualität.

Sa 07.10. Teheran (km 4828)

Warum ich immer noch hier bin: Ich habe am Flughafen ein Visum, aber nur für 30 Tage bekommen. Das kann man nun verlängern lassen, 30 weitere Tage, und es hat eine Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, wo. Und dann hab ich es doch nicht gemacht, weil die Verlängerung vom Tag der Antragstellung gilt. Mein Visum reicht bis 3.Nov. und wenn ich es am 5. Okt. verlängern lasse, gilt es auch nur bis zum 5. Nov. Das macht also keinen Sinn. Man kann das in jeder größeren Stadt machen, so kann und muss ich das vertagen. Das nächste Thema ist das Pakistan Visum. Dazu muss ich zur pakistanischen Botschaft, und die in Teheran ist die einzige im ganzen Land. So.

Der Freitag ist hier der heiligste Feiertag der Woche, da hatten sie zu. Am Samstag arbeiteten sie wieder, ich war in aller Herrallahs früh dort, aber Visa machen sie heute keine, morgen ab 09:00 Uhr wieder. 

So treibe ich mich in der Stadt herum, und kenne mich schon richtig gut aus. Wenn man eine Strasse zu fuß geht, merkt man sich viel mehr Details als mit dem Auto, dh. man kennt und erkennt sie auch sofort wieder. 

Die Schlafplatzsuche gestaltet sich hier extrem schwierig. Obwohl ich schon fast 100 km in der Stadt zurückgelegt habe, hab ich noch keinen 2. geeigneten Platz gefunden. Es gibt viele Parks, aber die sind zu gepflegt, da gibt's kein Versteck, außerdem gibt's ein Heer von Parkwächtern die, obwohl sie Abends fast alle zusperren, den Park Tag und Nacht bewachen und mich argwöhnisch beobachten. Auch sämtliche Baustellen oder Privatgärten sind so gut verrammelt, da habe ich keine Chance. So gehe ich halt immer wieder zu dem Platz, den ich am 2. Abend gefunden habe. 

Am 1. Abend bin ich in Teheran angekommen, bis ich den Flughafen verlassen konnte, war es 02 Uhr morgens. Ich hab mich dann von einem Taxifahrer überreden lassen, mit ihm in die Stadt zu fahren (60 km für 20 $), er kennt auch günstige Hotels. Und "günstig" war dann 65 $ für den Rest der Nacht, bis 12 Uhr soll ich das Hotel verlassen, wenn ich nicht noch eine 2. Nacht bleibe. Aber sowas kann und will ich nicht oft machen. Die letzte Nacht habe ich in einem Studentenwohnheim verbracht. Das kam so: auf der Straße sprach mich im Vorbeigehen jemand an, er heißt Habib, lebt und arbeitet die meiste Zeit des Jahres in London als selbständiger TÜV Prüfer. Ihm hab ich von meiner Schlafplatzsuche erzählt, er telefonierte ein paar mal und schon hatte ich einen Schlafplatz. Dieses Studentenwohnheim ist eine Stadt für sich. Ebenfalls mit Hochsicherheitszaun, Wachpersonal und Ausweiskontrolle, Shops zum Einkaufen, Kneipen, Schwimmbad und ich weiß nicht, was noch. Bloß keine Frauen. Diese Frage hat bei meinem Gesprächspartner Heiterkeit ausgelöst. Er nahm mich also, nachdem er für mich einen  Besucherausweis erwirkt hatte, für den ich meinen Pass abgeben musste, mit auf sein Zimmer. In diesem wohnten 3 Studenten, einer davon war diese Nacht nicht da, drum war auf dem Fußboden noch Platz für mich. Es gab ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank und einen Kühlschrank. Der 2. Mitbewohner rollte seine Matratze auf dem Boden aus und ich meinen Schlafsack. Sie teilten ihr Abendessen mit mir, ich steuerte eine Tüte Obst bei. Dann kam noch ein anderer dazu, ich wurde als Freund aus Germany vorgestellt. Dieser 3. Wurde nachträglich als zu systemkonform kritisiert. Ich schreibe jetzt lieber nicht, was die beiden ersten für eine Meinung haben.

So 08.10. Teheran (km 4852)

immer noch!

Das ist auch eine Bäckerei, die backen auch seit Jahrhunderten schon nur diese eine Brotsorte, traditionell, unverändert. Es ist so dünn wie französisches Krepp, Größe etwa DIN A 3, und schmeckt wunderbar. Kosten, ein paar Eurocent. Inzwischen haben sie aber eine Maschine, die alle 4 Sekunden so eine Scheibe ausstößt. Die Bäcker schuften im Akkord, und die Kunden stehen Schlange. Sie kaufen dann einen Stapel von 20 bis 30 Stück.

Pakistan ist jetzt aus meinem Reiseplan gestrichen. Sie geben mir aus Sicherheitsgründen kein Visum mehr. Die politische Lage hat sich in letzter Zeit weiter verschlechtert. Ich muss also vom Iran direkt nach Indien, eventuell über Oman, Direktflüge nach Indien gibt's nur in Teheran. Ich möchte aber doch noch mehr vom Iran sehen und möchte versuchen, mich bis nach Bandar Abbas (ziemlich im Südosten) durchzuschlagen. Ich war dann noch bei der indischen Botschaft, aber die arbeiten heute nicht, wie ich es verstanden habe,  ist  in Indien  Feiertag. Morgen  ab  09 :00 Uhr.

Der iranische Rial: Ich verstehe ihn noch immer nicht. Offiziell ist der Euro ca 40 Rial wert.Ich habe aber für 100 Dollar 4 Millionen bekommen. Nach Adam Riese sind das 40 000 pro Dollar. Heute war ich essen, die Kassiererin zeigte mir 14,50 auf dem Taschenrechner, die iranischen Zahlen sehen genauso rätselhaft aus wie die Buchstaben. Sie wollte aber nicht 14,50, auch nicht 145.000, sondern 160.000. Soviel ich bis jetzt weiß, gibt's den Rial gar nicht mehr. Letzten Dezember war eine Währungsreform, seitdem heißt die Währung Toman (den hatten sie bis 1925), und der ist jetzt um den Faktor 10 mehr wert, das heißt es wurde einfach eine Null gestrichen. Fehlen immer noch 3 Nullen. Vielleicht haben sie die früher schon mal gestrichen, es werden aber immer noch die alten Geldscheine verwendet, wenn ich 4 Nullen abziehe, stimmt's schon fast. Ich habe also ca 4 € bezahlt. 

Mo 09.10. Teheran (km 4880)

Ich war um 08:30  Ortszeit bei der indischen Botschaft, bin auch bald drangekommen, aber sie haben nichts gemacht. Ich musste erst zu einer Agentur, 1 km entfernt, einen Antrag abholen und ausfüllen. Plus eine halbe Stunde, bis ich das Haus gefunden habe. Ich kann ja nicht mal die Hausnummern lesen. Dort haben sie mir diesen Antrag gegeben, ich habe ihn ausgefüllt, aber jetzt muss er von der deutschen Botschaft beglaubigt werden. Genauer gesagt, die müssen bestätigen, dass ich der rechtmäßige Inhaber meines Reisepasses bin. Oder so ähnlich. Die deutsche Botschaft ist 5 km entfernt, es ist inzwischen 11:40 und ich glaube nicht, dass die über Mittag durcharbeiten. Selbst mit einem Taxi bin ich nicht vor 12 dort. Also kann ich auch zu fuß gehen. Um 12:45 war ich dort, und frau sagte mir, sie machen um 13 Uhr wieder auf. Es war aber eine Schlange von 50 Menschen schon da, hinter der stellte ich mich als 51. an. Das dauerte bis 14 Uhr, bis ich endlich drankam, nur um zu hören, dass ich dafür einen Termin brauche, und den kriege ich über ihre Webseite. Diese habe ich auch gefunden, aber keinen Weg zu einer Terminvereinbarung oder -Anfrage. Alles hab ich gelesen, jeden Button ausprobiert, nichts. Ich nehme an, dass die Mobilversion dieser Webseite unvollständig ist. So habe ich diesen Nachmittag auch rumgebracht. Da habe ich beschlossen, dass ich zu blöd dafür bin, und mir professionelle Hilfe suchen muss. Wenn ich mein Smartphone nach Reisebüros in meiner Nähe frage, bekomme ich sofort 5 oder 7 Angebote, das nächste 10 Minuten entfernt. Die haben aber gerade zugesperrt, als ich dort ankamen. Also morgen wieder. So zerrinnt meine eh viel zu knappe Zeit im Iran. Und weil Teheran sicherlich das teuerste Pflaster im Iran ist, schrumpfen auch meine (Dank der aserbaidschanischen Geldgier) eh viel zu knappen Geldreserven. 


Das ist Mahdi, 19 Jahre jung, er studiert in Teheran Elektronik und wenn er den Pferdeschwanz aufmacht, sieht er mir auf meinen uralten Fotos ziemlich ähnlich:

that's me 

Mahdi hat mich vom Fleck weg adoptiert. Wir trafen uns am Sonntag morgens auf der Straße, gingen zusammen frühstücken, er fragte und erzählte von sich alles. Als er 9 Jahre alt war, starb sein Vater bei einem Verkehrsunfall. Der hatte eine Firma und verkaufte, ich hab nicht ganz verstanden welche, elektronische Sensoren. Von da an hat er diese Arbeit übernommen, und seine Familie damit ernährt. Jetzt studiert er nebenbei, was er da macht. Ich habe allerhöchsten Respekt. Dann musste er zur Uni. Wir trafen uns abends wieder und er nahm mich mit nach Hause. Er schläft auch auf einer ausgerollten Matratze im Wohnzimmer auf dem Fußboden, und ich daneben. Heute abend hat er mir seine Freundin vorgestellt, und wir fuhren per online- Taxi (das kostet nur halb so viel) zu ihrer Familie. Er war noch nie dort, und er hatte Panik vor ihrem Vater. Er befürchtete, der würde ihn killen. Ich konnte es ihm sehr gut nachfühlen, ich habe diese Situation beim ersten mal ähnlich empfunden. Der entpuppte sich aber als ein herzensguter freundlicher Mensch und ich erkannte bei ihm auch Unsicherheiten, angesichts der Situation. Wir gingen Kaffee trinken, spielten eine Runde Schach, die ich knapp verloren habe, und ich wurde zum Übernachten auf der Couch eingeladen. 

Nochmal zu Mahdis Vater. Das war eine harte Zeit nach dem Unfall, "aber wir müssen es akzeptieren, es war Gottes Wille."

Ich hab mir nochmal die Liste mit den jährlichen Verkehrstoten pro 100 000 Einwohner angesehen:

Deutschland      4,7

Österreich          6,6 

rkei               12

Georgien          14

Iran                   34

Zum größten Teil liegt das am Fahrstil. Städte sind da immer etwas schlimmer, besonders die großen. Die Studenten sagten, Teheran hat in Wahrheit 16 Millionen Einwohner. 

Ich bin ja schon ein paar mal mit einem Taxi gefahren und ich war jedesmal froh, dass ich es überlebt habe. Das sind die reinsten Kamikaze. Hier gilt das Recht des Stärkeren, des Schnelleren und des Frecheren. Sie schneiden anderen den Weg ab und verlassen sich darauf dass der schon bremsen wird. Sie drängen sich in Lücken, obwohl klar ist dass dann keiner mehr weiterkommt. Viele Fahrer legen den Gurt nur über die Beine und stecken ihn nicht in die Schnalle, sie bezweifeln die Schutzwirkung. Kinder  dürfen schon mal auf dem Schoß des Fahrers mitfahren, oder bei Motorradfahrern auf dem Tank. Schutzhelm ist die Ausnahme. Auch am Zebrastreifen geht es ähnlich zu. Jedes Zögern wird als Fahrerlaubnis gewertet.Sie fahren mich nicht absichtlich zam, aber sie versuchen, sich doch noch vor oder hinter mir durchzudrängeln und wenn ich nicht aufpasse, fahren Sie mir über die Zehen oder die Ferse. Rote Ampeln werden respektiert, aber nicht von Motorradfahrern, und von denen gibt es viele. Die fahren auch auf den Gehwegen und parken, wo sie wollen. Autofahrer kriegen da schon mal einen Strafzettel. Es gibt zu wenig Ampeln, und an solchen Kreuzungen herrscht das reinste Chaos. Das Vertrauen in die Bremsbereitschaft und Bremsfähigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer ist schier grenzenlos. Und die Fußgänger machen es genauso. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit  und Arglosigkeit jonglieren und balancieren sie sich durch diesen Verkehr, kaum einer von ihnen beachtet rote Ampeln.

Und die Polizei schaut diesem Treiben tatenlos zu. Und die Polizeipräsenz ist hier die höchste, die ich je gesehen habe.

Was ich damit sagen will: ich verstehe nicht, wie ein gläubiger Mensch denken kann, dies sei Gottes Wille.

Sa 14.10. Hassanabad (km 4994)

Das ist 50 km südlich von Teheran Mitte, dort war ich von Dienstag abend bis Freitag mittag(in Teheran). Bis dahin wusste ich nicht, dass ich in Teheran eine "Familie" habe. Es ist die Familie meines Schwagers Mahmoud, der hat vor langer Zeit die Schwester meiner Frau geheiratet und er hat den Kontakt geknüpft. Hier leben seine Schwester und ein Bruder mit ihren Familien und die haben mich aufgenommen wie ein Familienmitglied, das aus dem fernen Almanya zu Besuch gekommen ist. Es gab Essen wie in einem 5 Sterne Restaurant und Betreuung fast rund um die Uhr. Einer der Söhne, Mehrad, 16 Jahre jung, zog am Donnerstag mit mir den ganzen Tag durch die Stadt, und zeigte mir ein paar der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. 

den Azadi Tower,

einen Basar, sowas habe ich bisher noch nicht gesehen,

und den Sommerpalast vom letzten Schah von Persien.

ganz links in dem roten Behälter das sind frische Pistazien, die kann man auch ungeröstet kaufen und essen. 

So 15.10 In der Wüste (km 5024)

Am Mittwoch habe ich übrigens mein Indienvisum bekommen (die Beglaubigung ging dann auch ohne Termin). Nicht ausgehändigt, aber die Zusicherung. Sie brauchen noch bis zum 23. Oktober, dann kann ich es mir bei der deutschen Botschaft abholen. Ich habe nun beschlossen, gleich weiterzugehen/laufen, und am 23. mit Bus oder Zug zurückzukommen, mein Visum abzuholen und wieder zum letzten Ausgangspunkt zu fahren. So verliere ich vielleicht 2 Tage, wenn ich warte, 10. Ich könnte es mir auch nachschicken lassen, aber dazu bräuchte ich eine Adresse in Isfahan, ich denke, das ist zu unsicher. Bis Bandar Abbas sind es vermutlich 1700 km und ich habe noch knapp 50 Tage, das wird knapp.

Hinter diesem Hügel habe ich einen optimalen Schlafplatz gefunden. Er besteht aus einer Mischung aus Sand und Lehm, mit ein paar Granitplatten drin. Vorne ist die Autobahn. 

Die Übertragung dieses Bildes hat jetzt ewig gedauert. Text geht schneller. Ich vertage die anderen Bilder auf morgen, in der Nähe von Ghom geht es hoffentlich besser. 

Gestern stoppte ein Mann sein Auto vor mir auf der Autobahn. Nicht dass ich mir Sorgen gemacht habe, er war groß und stark, bärtig und sah schon wild aus. Wir konnten kaum kommunizieren, aber wir haben uns verstanden, er umarmte und küsste mich (auf die Wange) und fuhr weiter.

Heute ist mir das Wasser ausgegangen, obwohl ich mich bei der letzten Gelegenheit mit 5 Liter eingedeckt hatte (das war gestern). Ich fragte den Fahrer eines Autos, das grad am Straßenrand parkte, ob er Wasser für mich übrig hat. Er war sehr alt, noch älter als ich, aber er verstand mich nicht, oder er wollte mir keins geben, obwohl ich ihm die leere Wasserflasche vor die Nase hielt. Seine Frau zückte aber eine Thermoskanne und füllte meine Flasche mit kaltem Wasser. Herrlich. Ihr seht, ich komme auch in der Wüste nicht um. 5 km später war eine Raststätte, da konnte ich meine Vorräte wieder auffüllen. 

Di 17.10. Wüste (km5091)

in Wirklichkeit ist jetzt Mittwoch Mittag. Ich hole schnell nach, was ich vorgestern und gestern machen wollte. Ich bin am Ortsanfang von Ghom, das ist die Google Übersetzung. Wenn die Iraner mit unserem Alphabet schreiben, schreiben sie Qom.

Noch ein paar Bilder aus der Wüste:

Das ist ein Sandstein, ich schätze, der wurde vom Wind so bearbeitet. 

Das ist nicht ganz so wüst wie ich es mir vorgestellt habe, ein bisschen was wächst hier noch, meistens.

eigentlich sind es nur 2 Arten von Disteln, die hier noch existieren können. Die hier,

und diese

Und davon können, ich weiß gar nicht, sind es Schafe oder Ziegen, noch leben.

Wissenschaftler meinen, diese Wüste ist von Menschen gemacht. Wälder abgeholzt, nicht nachhaltige Landwirtschaft und andauernde Überweidung seit Jahrtausenden haben das Land fertig gemacht. Wegen der fehlenden Pflanzendecke verdunstet kaum Wasser und es regnet so gut wie nicht mehr. Ein Teufelskreis.

Hier gibt es einen ausgetrockneten Salzsee, 5 bis 10 km Durchmesser, das ist der Randbereich. Unter der Sand/Lehm Kruste wachsen Salzkristalle, natürlich hab ich gekostet.

Näher zur Mitte, knirscht beim drübergehen wie gefrorener Schneematsch. Sieht auch so aus.

in der Mitte wird Salz abgebaut, es gibt Straßen und Fahrspuren, sicherheitshalber bin ich nur dort gegangen.

noch ein Beweisfoto, dass ich auch wirklich da war (war etwa 20 km Umweg). 

Als ich schon am Rückweg war, hat mich ein Arbeiter aufgehalten und mich gewarnt, es ist gefährlich, über das Salz zu gehen, da gibt es nasse Löcher, die sieht man nicht und trotzdem kann man darin versinken. Aber die LKW Fahrer wissen offensichtlich, wo es geht, und auf den Spuren kann mir doch nichts passieren. Wenn da ein LKW versinkt, dann sieht man doch das Loch. Und sie würden eine Absperrung machen. Jedenfalls ist mir jetzt klar, was auf den gelben Schildern am Wegesrand stand. Leider nur in Farsi (so heißt die iranische Sprache). Deshalb war ich auch der einzige freche Neugierige.

Mi 18.10. Ghom (km 5121)

Als ich schon die Autobahn erreicht hatte, haben mich 2 Polizisten aufgehalten, und mich ebenfalls vor dem Salzsee gewarnt. Bei der Gelegenheit wollten sie meinen Pass sehen. Der liegt aber bei der indischen Botschaft, ich habe nur die Kopie davon und vom Visum Das wurde ihnen zu kompliziert, und sie ließen mich weiter ziehen.

Mahdi hat mich in Ghom an einen Freund vermittelt, bei dem kann ich schlafen, konnte duschen, meine schmutzigen Klamotten in der Waschmaschine waschen und abendessen. Und meine Akkus laden. Er hat 2 Kinder und 3 hochwertige Mountainbikes. Er ist sicher kein armer Mann, die Wohnung ist groß, modern und besser ausgestattet, als viele deutsche Haushalte. Wir haben abends, als es schon dunkel war, mit der Tochter ( schätzungsweise 13) einen Ritt auf den Fahrrädern (mit Licht und Sturzhelm) in die Stadt unternommen. Verkehrsdichte und - Mentalität ähnlich wie in Teheran. Wenn man nicht fährt, fahren die anderen, und da hat man keine Chance voranzukommen. Du musst mitschwimmen, dich dem Fahrstil anpassen, und dich mit Gottvertrauen in den Verkehr stürzen. Das heißt, es muß dir egal sein, ob sie dich überfahren oder nicht. Nach meiner bisherigen Erfahrung tut das niemand absichtlich, aber kein Vater in Deutschland würde das seiner Tochter zumuten oder erlauben. Das mit dem Gottvertrauen fällt mir auch schwer, er sagt mir ja nicht, was sein Wille ist. Trotzdem war es ein eindrucksvolles Erlebnis. Die beiden fahren übrigens richtig gut. Und morgen geht es weiter in Richtung Kashan.

Mi 01.11.17 Rosenheim

Am Donnerstag Abend wurde ich in Ghom meiner gesamten Ausrüstung beraubt.