BLOG 26 Thailand

Mi 06.02. Mae Sot (km 16.523/H 350m)


 Die letzten Tage hatte ich wieder kein Internet, mein Datenvolumen war aufgebraucht, und der Weg so dünn besiedelt, dass es auch keine mobile shops gab. Erst am letzten Tag in Myawaddy, aber da hat es sich auch nicht mehr gelohnt. Der Grenzübergang nach Thailand war fast so einfach wie in Europa. Karte ausfüllen, Stempel in den Pass, fertig. Kostet nix, für 30 Tage. Simkarte war genau so einfach, hatte aber ein neues Problem zur Folge. Die Jimdo Leute wollten wohl wissen, ob das alles noch in Ordnung ist, haben meine Administrator App gesperrt und verlangt, dass ich mich mit meinem Passwort einlogge. Natürlich habe ich inzwischen den Notiz Zettel verschlampt, aber dank Reinmunds Hilfe habe ich es jetzt wieder. Und jetzt geht auch meine Creator App wieder. 


Turmkarst heißen solche geologischen Formationen, diese Berge liegen in einer flachen Landschaft, als ob sie wie Warzen aus dem Boden gewachsen oder vom Himmel gefallen wären. Sie sind aber das Ergebnis von Erosion. Ich habe das zum ersten Mal so im Südosten von Myanmar gesehen, man findet das auch auf Bildern von China. Auf mich wirkt die ganze Südostasiatische Ecke wie eine Provinz von China. Das darf man nicht laut sagen, es könnte chinesische Expansionsgelüste befeuern. Aber die Menschen sehen so aus, sogar die Landschaft, die Sprache klingt so, sie haben alle autoritäre Staatsformen. Myanmar ist eine Militärdiktatur, die demokratisch gewählte Regierung war nur eine Show Einlage, damit mehr Touristen kommen. Die Präsidentin Aung San Suu Kyi nennt sich nur Regierungsberaterin und ist die Tochter eines Generals, hat sich mit den herrschenden Generälen arrangiert, eine win win Vereinbarung aller Beteiligten. 

Der zweite Weltkrieg hat auch hier gewütet, da haben die Japaner die Briten vertrieben, die sich das Land 1945 wieder zurück holen konnten, bevor sie es 1947 in die Unabhängigkeit entließen. Seitdem haben sie eine Militärdiktatur. Zuerst haben sie den größten Teil der Inder vertrieben, indem sie religiöse Konflikte zwischen Hindus und Buddhisten angezettelt haben, jetzt sind die Muslime dran, und als nächstes die Christen, wie man aus militärischen Kreisen hört. Sie beschlagnahmen den Besitz der Vertriebenen und bereichern sich so.

Ich habe zuletzt öfters gehört, dass mein Lebenswandel hier (in Myanmar) illegal ist, Birmesen dürften keine Ausländer beherbergen, diese dürften nur in Hotels übernachten. Auch Mönche in den Klöstern sagten das und fragten mich, wie ich das mache. Ich sagte, ich frage nicht, so wissen sie es nicht, so habe ich keine Probleme. Darauf lächelten sie nur und ich durfte bleiben. 

Do 07.02. Taksin Maharat Nationalpark (km 16.563)

Hinter mir liegt eine hügelige Strecke mit Höhen zwischen 100 und 500 m und das geht auch morgen so weiter. Nach meinem letzten Bergausflug in Myanmar (ein Tag rauf, ein Tag runter) hatte ich eine Woche lang Muskelkater (ein notwendiges Übel, das aber keine Einschränkungen erzwingt). Hier sind es viele kleinere Aufs und Abs, in der Summe genau so viele Höhenmeter, aber durch die vielen Abwechslungen schonender.

Ich möchte mal etwas zu meinem Barfuß Projekt schreiben. Im Himalaya habe ich damit aufgehört, weil die Straßen zu schlecht waren, oder es hat geregnet (dann weicht die Haut an den Fußsohlen auf und das macht sie empfindlich), oder es war zu kalt, oder ich hatte es vergessen. Etwa ein viertel Jahr lang. Danach musste ich wieder mit einer halben Stunde täglich anfangen, davor war ich bei durchschnittlich eineinhalb Stunden. Diesmal ging es aber etwas schneller aufwärts, seit Nepal gehe ich wieder eineinhalb Stunden täglich. Ich kann auch zwei oder zweieinhalb Stunden, aber das tut meinen Fußgelenken nicht gut. Die sind an die Dämpfung der Schuhsohlen gewöhnt und ohne - bekommen sie Probleme. Ich denke ich muss mich erst mal daran gewöhnen und kann dann neue Steigerungsveruche machen. Inzwischen ist es so, dass ich ohne Barfuß zu gehen auch Probleme in den Füßen selbst bekomme, ich nehme an, dann ist die Dauerbelastung für meine Fußmuskulatur zu groß. Beim Barfuß gehen werden doch auch andere Muskeln im Fuß angeregt oder anders belastet. Ich muss zugeben, am Anfang, wenn die Fußsohlen noch sehr empfindlich sind, macht es nicht wirklich Spaß. Man braucht schon einen eisernen Willen um das durchzuhalten. Ich wußte, dass das Problem mit der Dauerbelastung kommen wird und je eher ich anfange etwas dagegen zu tun, desto besser. Man ist versucht, jeden schmerzenden kleinen Stein zu verfluchen, ich habe mich für jeden solchen Schmerz bedankt weil ich wusste, dies ist für meine Abhärtung erforderlich, also muß ich es wollen, akzeptieren und begrüßen. Inzwischen sind die kleinen Steine kein Problem mehr, die größeren schon. Wenn ich mich mit Leuten vergleiche, die überhaupt keine Schuhe haben, dann bin ich immer noch absoluter Anfänger. 

Fr 08.02. Tak (km 16.604)

Genaugenommen bin ich 10km südlich von Tak. In Myanmar habe ich die Klöster als Unterkunft entdeckt, und hier in Thailand funktioniert das genauso. Ideal für low budget Reisende wie ich einer bin. Manchmal bekomme ich auch etwas zu essen, in einer Qualität wie in guten Restaurants, nur zweimal hintereinander wurde ich abgelehnt, das war vor 2 Wochen in Kyaikto. Ich nehme an, es gibt dort zu viele Touristen und mit denen haben sie schlechte Erfahrungen gemacht. Ein paar Mal habe ich versucht ihnen Geld zu geben, aber das wurde immer abgelehnt. Manchmal geben sie mir noch Reiseproviant mit. Einmal wollten sie mir Geld geben, aber das habe ich abgelehnt. Manchmal bekomme ich ein eigenes Zimmer, mit oder ohne Bad, manchmal ein eigenes kleines Häuschen das aus nur einem Raum besteht, manchmal einen Saal, manchmal muss ich den mit anderen Mönchen oder Pilgern teilen, manchmal habe ich ihn für mich allein. Und eine Waschgelegenheit gibt es immer, für mich und für meine Klamotten. 

So jung können Mönche sein. 

So 10.02. Kamphaeng Phet (km 16.671)

Heute schlafe ich zur Abwechslung mal wieder in der Wildnis, im Schutz von Bambus. 

Mo 11.02. Khlong Khlung (km 16.704)

Solche lustigen Ortsnamen gibt es hier. 

Thailand hat wie Großbritannien eine Monarchie, aber keine demokratisch gewählte Regierung, sondern wie Myanmar eine Militärdiktatur. Anders als dort interessiert sich die Polizei aber überhaupt nicht für mich. Hier können sich die Touristen völlig frei bewegen, und das lohnt sich volkswirtschaftlich. Der Tourismus ist der größte Wirtschaftsfaktor in Thailand.

Die Währung heißt Bath, ein Bath ist 3,2 Eurocent wert, das heißt für einen Euro bekommt man 32 B. 

Der König heißt Vajiralongkorn, sein Vater / Vorgänger war König Bhumibol. Auch alles lustige Namen. 

Die herrschenden Generäle halten sich in der Öffentlichkeit dezent zurück, der König ist ihre Marionette und wird als Kultfigur präsentiert. Und wie überall auf der Welt tut das einfache, ungebildete Volk was es tun soll und liebt und verehrt seinen König. 

Die  Bevölkerung ist zu 95% buddhistisch, aber die Religion spielt hier nicht so eine dominante Rolle wie überall zwischen der Türkei und Myanmar, es gibt hier auch nicht so viele Klöster wie im Nachbarland. 

Wenn ich sage, dass ganz Südostasien chinesisch dominiert ist, dann liegt das natürlich daran, dass ich die feinen Unterschiede nicht sehe. Genauso würde ein Asiate der nach Europa kommt denken, ganz Europa wäre von Deutschland dominiert. In Wahrheit sind wir europäisch dominiert und sie asiatisch. 

 

Di 12.02. Solokbat (km 16.733)

Tiny houses made in Thailand. Das ist keine amerikanische Erfindung, das gab es früher bei uns auch, in Asien ohne Unterbrechung bis heute. 

Die Klöster erfüllen hier eine wichtige soziale Aufgabe, die nach europäischem Verständnis eigentlich Aufgabe des Staates wäre: den Menschen eine Überlebensperspektive zu geben, medizinische Unterstützung und Schulbildung zu organisieren. Man kann dort vieles lernen. Lehrer, Arzt, Landwirt, Koch, ich weiß nicht was noch. Dort laufen aber auch Dumpfbacken herum, die nicht mal ihre eigene Sprache lesen und schreiben können. Die schlechte Nachricht: auch das ist wieder nur ein Privileg für Männer. Ich habe in Asien noch kein Frauenkloster gesehen. Frauen sind hier keine Menschen, sie sind Sklaven. Sie werden in die Sklaverei hineingeboren, von Geburt an bis zum Tod bestimmen Väter, Brüder, der Ehemann, sogar der Schwager über ihr Leben. Die Gesellschaft sieht da keinen Handlungsbedarf. Und ungebildete Frauen, die nichts anderes kennen, wissen auch nicht, was  oder wie sie es ändern sollten. Vor 40 Jahren etwa sagte meine Mutter, sie sei gegen dieses neumodische Zeug wie Gleichberechtigung von Männern und Frauen, was mich damals schon fassungslos machte, was ich ihr auch mit drastischen Worten klarzumachen versucht habe, umsonst, sie konnte es nicht verstehen. Ich habe sie damit nur gekränkt und beleidigt. 

Mi 13.02. Nong Baen (km 16.764)

Do 14.02. Nakhon Savan (km 16.782)

Wer glaubt, das ist doch ewig lange her, sowas gibt es heute nicht mehr, zumindest nicht in Deutschland, den muss ich enttäuschen. Heute haben wir nur andere Themen, z.B. den Klimawandel. Und obwohl wir seit 20 Jahren gesichert wissen, dass wir nicht so weiter machen können / dürfen, machen wir einfach so weiter. Die Erkenntnisse haben keinen Einfluss auf unser Verhalten, wenn, dann bei nur sehr wenigen und in viel zu geringem Ausmaß. Nur die Dümmsten der Gesellschaft bestreiten immer noch den Zusammenhang zwischen unserem Kohlendioxid Ausstoß und der Klimaerwärmung, was aber noch lange nicht zu irgendwelchen Verhaltensänderungen führt. Es gibt sogenannte Kippelemente in der Entwicklung des Klimas und da stehen wir unmittelbar davor. Z.B. die Eisschmelze auf Grönland und in der Antarktis oder das Auftauen der Permafrostböden im Norden von Sibirien. Wenn da der Stein erst mal ins Rollen kommt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Dann wird dort sehr viel mehr CO2 und Methan freigesetzt als wir jemals produziert haben und jemals einsparen könnten. Und dann ist Schluß mit lustig. Die Temperaturen könnten auf 250 Grad Celsius ansteigen, die Meere verdampfen, der Sonnenwind bläst den Dampf ins Weltall davon. Keine Phantasie, die Venus hat es uns vorgemacht. Dort ist immer noch sehr viel Wasserdampf in der Atmosphäre, aber die Oberflächen Temperaturen liegen zwischen 400 u. 500 Grad. Sie ist ja auch näher an der Sonne. Außerdem lässt sich das berechnen, seit wir den Zusammenhang zwischen CO2 Gehalt in der Atmosphäre und Temperatur aus Bohrkernen des antarktischen Eises der letzten 400.000 Jahre kennen. 

So, wer sich jetzt noch mit dem Gedanken trägt ein neues, größeres, stärkeres, schnelleres Auto zu kaufen, der soll mal darüber nachdenken, was wohl Greta dazu sagen würde. Und ich verspreche Euch, in 2 bis 5 Jahren denken alle Kinder so. Und dann braucht Ihr schon ein dickes Fell, Euch nicht in Grund und Boden zu schämen, wenn Ihr diese Dreckschleuder aus der Garage holt. Der Himmel hat uns dieses Kind geschickt, begabt mit einem analytischen Verstand, nicht fähig, die offensichtlichen Tatsachen zu verdrängen und den Kopf in den Sand zu stecken. Behindert sind die, die das können. Diese Behinderung hindert sie daran, ihr eigenes Leben und das der gesamten Welt zu erhalten. Ich schäme mich für meine Kollegen, Männer aus meiner Generation, die sie kritisieren oder sich über sie lustig machen und möchte mich für sie bei Greta entschuldigen. Auf sie zu hören ist unsere und Eure letzte Chance. 

Sa 16.02. Chi Nam Rai (km 16.861)

Natürlich wissen wir nicht konkret, wann was passieren wird. Aber dass diese Erde für uns unbewohnbar wird, wenn wir so weiter machen, ist inzwischen schon sicher. Es ist in höchstem Maße naiv und unverantwortlich, jetzt noch auf Zeit spielen zu wollen. In 5 Jahren kann es zu spät sein. Muss nicht, aber kann! Deshalb dürfen jetzt auch finanzielle Erwägungen keine Rolle mehr spielen. Die Kosten verdoppeln sich von nun an mit jedem Jahr, in dem wir nichts tun. Das ist eine exponentiell wachsende Kurve, die schon sehr bald ins Unendliche wächst.

Leute, wacht auf, eure Hütte brennt und ihr wollt seelenruhig weiterschlafen? Und weiter Öl ins Feuer gießen? Die Flammen werden schon bald so weit anwachsen, dass sie niemand mehr löschen kann.

Ich kann das Gequatsche von unserer Vorbildfunktion nicht mehr hören. Wir sind die Bremser und Miesmacher beim Klimaschutz. Selbst Indien hat ehrgeizigere Ziele in Sachen Energiewende als wir. Costa Rica will bis 2020 alle CO2 Emissionen auf null bringen und wir wollen noch bis 2038 Braunkohle verheizen? Pfui Teufel! Sie sagen, wir können das Klima nicht alleine retten. Das stimmt, aber wir sind nicht alleine und wir haben als eines der schmutzigsten Länder die verdammte Pflicht bei den ersten dabeizusein, die damit aufhören. 

So 24.02. Bangkok (km 17.096)

Plötzlich konnte ich mein Handy nicht mehr einschalten und unterwegs fand ich keinen mobile shop der es reparieren konnte. Erst hier in Bangkok.

Hier hat mich auch ein junges Pärchen von der Straße aufgelesen und mit nach Hause genommen, weil ich wieder 3 Tage auf das Smartphone warten musste. Sie gehören zur christlichen Minderheit und haben mich heute in ihre Kirche mitgenommen. Na ja. 4 Stunden Predigten, Gospels und meine Vorstellung. Zwischendurch bin ich ein paar mal eingeschlafen, ich habe ja kein Wort verstanden. Ein Mittagessen war auch noch dabei. 

Thailand hat eigene Gasfelder und verkauft dieses Gas spottbillig an Tankstellen. Das führt zu solchen Konstruktionen. Der Vorteil, Gas verbrennt wesentlich sauberer als Diesel. Trotzdem fährt die Mehrheit der Trucks mit Diesel. Der elektrische Strom wird zu 60% aus Erdgas hergestellt. 

Haben sich Indien und China noch vor 10 Jahren strikt geweigert, irgendwelche Umweltschutz Maßnahmen auch nur in Erwägung zu ziehen, hat China seinen CO2 Ausstoß in den letzten Jahren reduziert und das trotz eines Wirtschaftswachstums von 6-7 %. Die Zuwachsraten bei den Erneuerbaren - sind gigantisch und stellen unsere kläglichen Bemühungen weit in den Schatten.

Indien hat angekündigt, die Stromproduktion aus Kohle bis 2026 zu beenden und durch Erneuerbare zu ersetzen. Deutschland ist zwar ein winzig kleines Land, spielt aber beim Energieverbrauch in der Liga der Großen mit, steht an 7. Stelle und steigert seinen CO2 Ausstoß munter weiter. Und beim pro Kopf Verbrauch liegen wir hinter den USA an 2. Stelle. 

Damit wollte ich zeigen wie sich die Zeiten ändern und wir uns auch gefälligst ein bisschen mehr anstrengen sollten. Trotz USA und Trump und alledem. Auch unsere werten Kommentatoren hören sich an, als wären sie von der Kohlelobby gekauft. Das alles geht vorbei, schneller als die es sich vorstellen können, trotzdem verlieren wir dadurch mehr Zeit als wir noch haben und uns leisten können. Unsere Kinder werden es ihnen danken. So wie ich nicht verstand wie meine Eltern mit dem Naziregime sympathisieren konnten, werden sie es nicht verstehen wie wir uns an der Umweltzerstörung beteiligt haben. Und auch wir werden nicht behaupten können, wir hätten nicht gewusst was wir tun. Nur diesmal ist es noch schlimmer, diesmal steht das Leben der gesamten Menschheit, nein alles Leben auf dem Planeten Erde auf dem Spiel. 

Mi 27.02. Bangkok (km 17.151)

Diese Skyline im Hintergrund, das ist nur im Zentrum von Bangkok so.

Bangkok ist ein teures Pflaster im asiatischen Vergleich. Thailand ist schon doppelt so teuer wie Indien, Nepal oder Myanmar, aber hier in der Metropole kostet alles nochmal das doppelte. Ein Mittagessen z.B. 40-100B (1,30-3€), ist für den europäischen Normal Urlauber immer noch spottbillig. Man findet aber auch Restaurants mit mitteleuropäischem Preisniveau, aber dort bekommt man bei Qualität und Service absolute Spitzenklasse. Das ist nur was für verwöhnte Touristen. Dort findet man aber auch Thais, die aus der reichen Oberschicht und das sind gar nicht mal so wenig. 

Fr 01.03. Bangkok (km 17.203)

Sa 02.03. Bang Pa In (km 17.235)

War gar nicht so einfach, eine Audienz zu bekommen. Ein Prachtexemplar, nicht wahr? 

Ich bin wieder unterwegs nach Norden, mein nächstes Ziel ist Chiang Mai. Jetzt fragt ihr euch sicherlich, was ich dann in Bangkok wollte. Nun, ich wollte noch mehr von Thailand sehen. In Chiang Mai bekomme ich Besuch aus Deutschland, aber erst Mitte März, so hatte ich Zeit für diese Rundreise.

Und dann träume ich schon lange von einer Entlastung, vor allem beim Laufen. Meine Idee: ich mache ein Dreirad aus meinem Anhänger und im Vorderrad sitzt in der Nabe ein E-Bike Motor. Ich bin über eine Teleskop Stange mit dem Vorderrad verbunden, so kann ich lenken und wenn ich die Stange auseinander ziehe, kommt über einen Schieberegler wachsende Spannung zum Motor, und die Karre beschleunigt. Allerdings muss er auch bremsen können, wenn die Teleskopstange sich zusammenschiebt. Es gibt E-Bike Motoren die auch rekuperieren können, das heißt, sie wandeln Bremsenergie in elektrischen Strom um und laden damit die Batterie. Weil das aber nur ein Bruchteil dessen ist, was er verbraucht, brauche ich noch eine Solaranlage. In jeder größeren Stadt habe ich in letzter Zeit nach einem E-Bike Laden Ausschau gehalten aber nichts gefunden. Bangkok, hoffte ich, wäre ein geeignetes Pflaster dafür, war es auch. 2 verschiedene Läden fand ich, in einem davon hätte ich die meisten Teile dafür kaufen können, nur von Rekuperation hat der gute Verkäufer noch nie was gehört. Vermutlich muss ich mal irgendwo etwas länger bleiben und die Teile übers Internet bestellen. Aber interessant war es auf jeden Fall. Die thailändischen E-Bikes sind gebaut wie ein Mofa. Der Motor sitzt im Vorderrad und man kann über einen Drehgriff Gas geben. Das Hinterrad ist angetrieben wie bei jedem normalen Fahrrad. Und es kann deutlich schneller fahren als 25 kmh. Ich konnte eins ausprobieren, da war leider kein Tacho dran. Es hatte den schwächsten Motor mit 250 Watt, aber es ging ab wie eine Rakete. Schon bei wenig Gas hat das Vorderrad durchgedreht, zumindest bei niedriger Geschwindigkeit. Das ist also keine ideale Bauweise und in bergigem Gelände völlig unbrauchbar. Bei meinem Anhänger bin ich bei der Gewichtsverteilung so flexibel, dass es kein Problem sein wird. 

Mo 04.03. Chong Khae (km 17.268)

Da fehlen jetzt etwa 80 km, die gehen auf das Konto eines freundlichen Handwerkers (Elektriker), der mich mit seinem Auto mitgenommen hat. Am Ende der Fahrt in Singburi gabs noch Kaffee und Bananen und Mangos als Wegzehrung. Ausnahmslos jeder der mich kennenlernt, wird zwangsläufig ein Fan von mir. 

Jetzt ist Montag früh und ich sitze in einem Zug. Ich habe eine Fahrkarte gekauft nach Uttaradit, das ist 300 km weiter nördlich. Diese Strecke fehlt mir voraussichtlich, um rechtzeitig zu meinem Date in Chiang Mai zu kommen. Die Mitte und der Süden von Thailand sind sowas von flach und eben, das wird auf die Dauer ganz schön langweilig, zumindest für Menschen die Berge kennen- und liebengelernt haben. Im Norden wird die Landschaft wieder bergig, deshalb mache ich das mit dem Zug lieber gleich. Hoffentlich ist es dort auch etwas kühler. Hier erreichen die Temperaturen zu Mittag schon wieder 40 Grad und fallen auch nachts bis zum frühen Morgen nicht mehr unter 30. Das bedeutet, ich höre nie auf zu schwitzen, auch im Schlaf nicht. Doch, manchmal gönne ich mir einen Kaffee in einem Cafe mit Aircondition. Der kostet dort zwar das Doppelte, aber das ist immer noch fast nix. Wenn man reinkommt erstmal saukalt, wenn man rausgeht, haut die Hitze einen fast um. Das ist meine einzige Chance zum Abkühlen. 


Mo 04.03. Uttaradit (km 17279 / H 75m)

 Am Eisenbahn Streckennetz kann man die finanzielle Potenz eines Landes sofort erkennen. Thailand hat zwar nur wenige Eisenbahn Linien, aber die sind gut in Schuss. Der Zug rollt ruhig über die Gleise, kaum Rütteln und Schütteln und Hopsen, fast wie zuhause. 

Di 05.03. Wat Ban Mae Phuak (km 17.318 / H 175 m)

Wat heißt Kloster. Die Übernachtung dort ist so einfach und angenehm, dass ich keine andere Bleibe mehr suche. Und immer kostenlos. Wenn ich ihnen Geld anbiete, dann lehnen sie es ab. Die Landschaft wird tatsächlich hügeliger. Obwohl ich noch nicht viel höher bin, ist die Temperatur deutlich kühler. Nein, das bilde ich mir nicht bloß ein. Jetzt ist es 21:30 Uhr und ich schwitze nicht mehr. 

Mi 06.03. Ban Mae Pan (km 17.350 / H 140)

Die Nacht ist dann so kühl geworden, dass ich nach schätzungsweise 6 Wochen zum ersten Mal wieder meinen Schlafsack benutzt habe.

Die Höhenunterschiede nehmen langsam zu, obwohl die Talsohlen noch nicht viel höher sind. Mein höchster Punkt war gestern 350m und heute schon 500. Bei den Tagestemperaturen kann ich keinen Unterschied feststellen, aber die Nächte sind kühler, immerhin. Das bedeutet auch weniger Moskitos 

In echter Lebensgröße, aus Holz. 

Fr 08.03. Lampang (km 17.423 / H 330m)

In Bangkok habe ich außer dem was ich bisher geschrieben habe auch noch mein Visum verlängert. Der Erste Monat war kostenlos, der Zweite kostet knapp 1900 Bath, etwa 60 €. Diesmal wollten sie es genauer wissen was ich mache. Ich sage immer die Wahrheit und das macht keine Probleme.

Ja und dann habe ich noch ein Weißbier getrunken. 

Genauer: zwei Drittel von einem (0,33 l). Wenn man monatelang keinen Alkohol trinkt, dann spürt man die Menge ordentlich.

Ein Freund aus Rosenheim hat mir geschrieben, dass ein Sohn von einem anderen Freund von ihm dort eine Kneipe hat und selber Bier braut. Das hat sich aber mittlerweile als sehr kompliziert erwiesen, die Verwaltung beschließt einfach, dass man dafür eine Lizenz benötigt und die kriegt nicht jeder (ich vermute eine Preisfrage). Also ein klarer Vorteil für die großen. Momentan importiert er die verschiedensten Sorten aus Deutschland. 

Sa 09.03. Mae Tha (km 17.462)

So 10.03. Lamphun (km 17.491)

Mit meinen westlichen Augen und Ohren betrachtet ist Asien eine sehr homogene Masse. Indien gehört da noch nicht so ganz dazu, das ist uns Europäern nicht nur geografisch etwas näher. Wie in China ändert sich auch hier in Thailand die Bedeutung der Worte mit der Tonhöhe. Selbst wenn ich einen Ortsnamen schriftlich in lateinischen Lettern (die verwenden sie oft parallel zu ihrer Schreibweise) vor mir sehe und jemand spricht ihn aus, kann ich meistens keinen Zusammenhang erkennen. Sie haben ganz andere Buchstaben, die durch unsere nur sehr vage oder gar nicht erklärt werden. Das ist die gefühlt 200. Sprache der ich begegne und ich habe es aufgegeben, irgendetwas davon behalten zu wollen. Dafür ist die Kontaktzeit einfach zu kurz. Nach ein paar Tagen oder Wochen ist alles wieder ganz anders. Neues Land, neue Sprache, neue Kultur, neues Essen. Aber wie gesagt, die feinen Unterschiede sehe ich nicht und höre ich nicht. 

Mo 11.03. Chiang Mai (km 17.512 / H 300 m)

Vor ein paar Tagen bin ich an einem Elephant Park vorbeigekommen. Jetzt bin ich schon über ein Jahr in Asien und habe noch kein einziges Großwild gesehen. Elefanten, Tiger, Leoparden, Nashörner, lebendige Schlangen, nichts. Ich habe 225 Baht Eintritt bezahlt und dieselbe Enttäuschung erlebt wie überall, wo man für den Eintritt bezahlen muss. In Wirklichkeit war das halb Zoo, halb Zirkus. 

Gut, ich glaube nicht, dass man einen Elefanten zu irgend etwas zwingen kann. Aber man kann ihm seine Freiheit billig abkaufen, weil er die Spielregeln nicht durchschaut. Gilt auch für die Zuschauer.

Die dürfen dann auch noch die Leckerli kaufen und während der Betteleinlage an die Elefanten verfüttern, um sie zu korrumpieren. 

Beim Großwild und bei Menschenaffen im Zoo wird mir immer besonders deutlich bewusst, dass es sich hier um Freiheitsberaubung handelt. Ein Geschäftsmodell für das die Tiere mit ihrer Freiheit bezahlen. Dafür gibt es genauso wenig Rechtfertigung wie für die Sklaverei: gar keine. Genetisch sind wir mit Ihnen fast identisch, warum sollen sie nicht auch die gleichen Rechte haben (bloß weil wir ihre Sprache nicht verstehen und sie unsere nicht? Das ist im Grunde nur unser Problem). Deshalb bin ich ja auch Vegetarier. 

Do 21.03. Chiang Rai (km 17.642 / H 400)

Mein Besuch aus Deutschland, die Rosi, war von der Jack-fruit genau so begeistert wie ich, als ich sie zum ersten Mal sah. 

Inzwischen waren wir auf dem Doi Inthanon, dem höchsten Berg von Thailand, 2565 m. Wanderwege gibt es nicht, dafür eine Teerstraße bis zum Gipfel. Wenig Verkehr, ein paar Radfahrer, aber keine Fußgänger außer uns. Oben ein kleiner Tempel mitten im dichten Urwald, deshalb aber leider keine Sicht nach unten. Der Berg ist ca. 100 km von Chiang Mai entfernt (südwestlich), das haben wir mit Bussen gemacht und das waren 2 fast Tagesreisen. Am ersten Tag kamen wir bis Chom Tong, dort probierten wir, ob die Klöster auch Frauen akzeptieren und es war überhaupt kein Problem. Wir bekamen ein Zimmer mit Dusche und morgens Frühstück und noch eine Menge Wegzehrung. Die zweite Etappe ging nach Khun Klang, 1300 m hoch gelegen, aber für den Berg war es an diesem Tag zu spät. Wir fanden einen wunderschönen Campingplatz, mitten in einem Pinienwald. 

Wir waren vermutlich die einzigen Gäste. 

Diesen Hund musste ich vor einem Rivalen beschützen, dafür hat er die ganze Nacht unser Zelt bewacht und uns am nächsten Morgen noch bis zum ersten Kaffee begleitet.

Das Zelt und unser Gepäck ließen wir am Campingplatz zurück, weil schon klar war, dass wir erst abends zurück kommen und nochmal da übernachten. Dafür haben wir es am nächsten Tag bis nach Pai geschafft. Das liegt 135 km nordwestlich von Chiang Mai und soll ein wunderschöner, noch ursprünglicher Ort sein. So preisen ihn die Reiseführer an und ein Deutscher, der teilweise dort lebt, hat ihn auch so beschrieben. Alles Quatsch! Soviel Touristen habe ich in ganz Asien noch nicht gesehen und so teuer war es noch nirgends in Thailand. Die Stadtmitte ist ein einziger Weihnachtsmarkt. Ich stelle fest, je mehr Touristen es in einem Ort gibt, desto schöner wird es für sie, desto mehr andere Touristen kommen. Und ich fürchte, die sind nicht an dem Land interessiert, die interessieren sich nur für sich selber. Ja, es gibt viele schöne Frauen dort, und für sie ist die Jagd nach Aufmerksamkeit das wichtigste, und möglichst viel Fleisch zu zeigen. Und das tun sie ohne Rücksicht auf kulturelle Gepflogenheiten, immer und überall. Für die Männer ist das wichtigste, möglichst viel Fleisch zu sehen, altersunabhängig und sie glotzen sich die Augen aus dem Kopf. So werden alle ihre Bedürfnisse erfüllt, und es war am Ende ein gelungener Urlaub. Etwas anderes darüber hinaus sehen zu wollen, fehlt ihnen die Fantasie. 

Das Klischee, dass deutsche Männer in Wahrheit als Sextouristen nach Thailand kommen, kann ich nur bestätigen. Nicht alle, aber viele, zu viele. Wir haben nicht nur hier in Chiang Rai ältere, europäisch aussehende Männer gesehen mit jungen Thai Frauen oder Mädchen, ein für uns schockierender Anblick. Es gibt tatsächlich Männer, die eine Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht verstehen und nicht akzeptieren. Ihnen werden die deutschen Frauen zu anstrengend und zu kompliziert, hier finden sie was sie sich wünschen, eine Frau die nicht widerspricht, die ihre Traumrolle als Patriarch anerkennt, wenn auch nur für Geld. Dass er nicht mit ihr reden kann ist nebensächlich.

Wir blieben 2 Nachte, haben uns den Pai Canyon angesehen, war ganz nett, aber längst nicht so spektakulär wie sie ihn anpreisen. 

Fr 22.03. Chiang Rai (17.657)

Heute haben wir uns den Singha Park 12 km außerhalb der Stadt angeschaut, eine der top ten Sehenswürdigkeiten dort. Jemand fragte uns was wir denn dort wollen, da ist nichts. Tatsächlich war da nichts außer einem kitschigen Riesendrachen, ein paar Baggerweiher und dazwischen ein relativ gepflegter Rasen. Und ein überteuertes Cafe. Meine Skepsis gegenüber Reiseführer kriegt hier reichlich Nahrung. 

Do 28.03. Phayao (km 17.776)

Chiang Mai hat einen wirklich schönen und prunkvollen Bahnhof. Einzige Bahnstrecke ist Richtung Bangkok, hier ist Endstation. 

Wir blieben auch in Chiang Rai 2 Nächte und haben immer ein Kloster gefunden. Wenn man offen ist für Unbekanntes und gut mit Überraschungen umgehen kann und will, dann sind die Klöster eine ideale kurzfristige Bleibe. Am Samstag fuhren wir wieder nach Chiang Mai, dort hatten wir ein Zimmer in Lindas Guesthouse (findet man im Internet) für 150 Baht pro Tag, dort waren wir vor eineinhalb Wochen auch schon. Die Besitzerin heißt Thedda und ist eine sehr nette Deutsche. Sie macht das schon seit 30 Jahren, ist etwa meine Generation und hat in ihrem Leben eigentlich alles richtig gemacht. Hat sich wie ich auch immer für die Menschen eingesetzt, für Gleichberechtigung, Demokratie, Menschen in Not, Umweltschutz, Frieden, gegen Atomkraftwerke und - Waffen. Klar ist das Ergebnis enttäuschend, aber ich sehe keine Alternative. Vielleicht finden wir bessere Wege, das alles durchzusetzen, aber die Ziele bleiben die selben.

Am Dienstag abend flog Rosi wieder nach Hause. Ich blieb noch eine Nacht und startete am Mittwoch früh in Richtung Laos. Der kürzeste Weg führt wieder über Chiang Rai, aber es gibt da eine lange Straßenbaustelle und ich wollte mich nicht dieser Staubbelastung aussetzen. Drum bin ich erst mal 80 km mit dem Bus gefahren, bis Mae Khachan, doch leider habe ich mich verschätzt und die Baustelle kommt erst später. Aber von hier gibt es eine Alternative weiter östlich, das bedeutet zwar 30 km mehr, aber das kann ich mir jetzt leisten. Ich muss Thailand am 04.04. verlassen, das sind also ab morgen noch 7 Tage und 160 km. Vielleicht mache ich noch mehr Umwege. Die letzten 2 Tage waren sehr ländlich und gottverlassen. Das assoziiert jeder Europäer mit besserer Luft, hier in Thailand ist das Gegenteil der Fall. Vielleicht habt ihr es in den Nachrichten gehört oder gelesen, der Norden von Thailand hat zur Zeit die schlechteste Luft seit Menschengedenken. Und je weiter ich aufs unbewohnte Land komme, desto schlimmer wird es. Die Thai fackeln das Stroh der abgeernteten Reisfelder ab und auch das Unterholz in den Wäldern. Sinn und Zweck dieses Verfahrens versteht auch kein Thai, wenn er kein Großgrundbesitzer ist. Und wie in einem Land der 3. Welt werden auch hier Leute, die etwas verändern und verbessern wollen, einfach abgeknallt. Es reicht schon für einen Mord, wenn man sich über Ungerechtigkeiten und Betrug beklagt.

Heute bin ich wieder in einem Kloster und darf in einem Prunksaal schlafen. Letzte Nacht war ich in der Wildnis, zwischen Bananen Plantage und Dschungel, gut versteckt (für Menschen). Die sagen zwar, hier gibt es keine Tiger, aber restlos überzeugt bin ich nicht. Aber ich glaube nicht, dass sie mein Zelt zerstören um mich zu fressen, weil sie mehr Angst vor mir haben als ich vor ihnen. Weil sie mich nicht sehen können und nicht wissen wer da drin ist. Nach ein paar ängstlichen Nächten wird man schnell mutiger und Angst wird auf Dauer langweilig. Und auch diesmal haben sie meinen Mut bestärkt und mich nicht gefressen. 

Fr 29.03. Ban King Kaeo (km 17.815)

Eine Gottesanbeterin im buddhistischen Kloster! Sie kam geflogen und setzte sich auf eine Schüssel, ist ca. 5 cm lang und silbergrau.  Hier bin ich einem intellektuellen Mönch in die Hände gefallen, der will mir seine Lebensweisheiten näher bringen und ich muss mindestens 3 bis 4 Tage bleiben. Er kann erstaunlich gut englisch, spricht das R aber konsequent als L aus. Hier bekam ich auch Abendessen und wieder ein kleines Häuschen, aber extrem schmutzig. 

Einen Moment lang tat es ihm leid, dass er nicht machen kann was ich tue, aber er besann sich schnell wieder auf seine "eigentliche" Aufgabe, die ist, sich um seinen Tempel zu kümmern. Vor 3 Jahren hätte er vermutlich zu mir gesagt, meine Aufgabe sei es, meinen Mitmenschen als Schreiner zu dienen. Nun schließe ich daraus, wir haben durchaus Möglichkeiten, auf unsere Bestimmung oder Schicksal Einfluß zu nehmen. In Thailand gibt es schon seit Jahren ein mysteriöses Mönchsterben. Mein Professor lebt seit 5 Jahren allein in diesem Tempel.

Am nächsten Morgen zeigte er mir einen weiteren wichtigen Teil seiner täglichen Arbeit, indem er mich einfach mitnahm. Es begann um 06:45. Er hängte mir eine orangefarbene Umhängetasche an die Schulter und wir zogen los, ins Dorf. Er selbst hatte einen Kochtopf mit Deckel vor dem Bauch, den verdeckte er mit seiner ebenfalls orangefarbenen Kutte. Diese besteht nur aus einem rechteckigen Tuch, das er sich so um den Körper wickelt, dass es am Oberkörper nur über einer Schulter hängt. Seine Flipp Flops zieht er aus, diesen Weg muss er barfuß gehen. Das Dorf ist sehr klein, wir gehen durch bis ans andere Ende, 200 m, kehren um und beim 2. Haus beginnt seine Arbeit. Ein Mann und eine Frau kommen mit einer Plastiktüte aus dem Haus, sie haben offensichtlich schon auf ihn gewartet. Sie übergeben ihm ihre Tüte, die verschwindet wie beiläufig in seinem Kochtopf, sie knien sich vor ihm auf den Boden, die Frau schützt ihre Knie dabei mit ihren Flipp Flops. Alle falten die Hände wie wir das von der katholischen Kirche kennen und der Mönch beginnt einen eintönigen Gesang. Auch ich verhalte mich so, bleibe aber stehen und versuche, möglichst ernsthaft auszusehen, was nicht so schwer ist, weil diese Zeremonie nur eine Minute dauert. Noch 3 solcher Stationen habe ich durchzustehen und überall dasselbe Schauspiel. Seine "Kunden" sind durchweg alte Leute über 50, wer sich nicht hinknien will oder kann, darf auch stehen oder sitzen. In den Plastiktüten ist Essen: Reis, Gemüse, Fleisch, Süßes. Zwischendurch leert er seinen Topf wieder aus und verstaut die Beute in meiner Tasche, die nächsten sollen nicht sehen, wieviel er schon verdient hat, heute muss es schließlich für uns beide reichen. Das ganze dauerte 15 Minuten, ein gut bezahlter Job. Dafür hat er aber eine Menge unbezahlter Arbeiten zu erledigen. Zurück im Kloster darf ich frühstücken, er noch nicht, er muss, glaube ich, erst noch den Hof kehren. Bevor ich gehen darf, zeigt er mir noch das Pfauen-sanctuary. 

Das ist ein Platz im Wald, wo die Leute Futter hinbringen, Körner, Essensreste. Die Pfauen sollen so davon abgehalten werden, die Felder zu plündern. Sie sind nämlich riesig groß und entsprechend gefräßig, zudem treten sie oft in Gruppen oder Familien Verbänden auf und können ganz schöne Verwüstungen anrichten. Dafür fressen oder vertreiben sie Schlangen, haben auch keine Angst vor der Kobra und warnen vor Großkatzen. Dieser Futterplatz ist durch ein Sichtschutz Gewebe geschützt, das hat Gucklöcher durch die man sie beobachten kann. Leider war an diesem Morgen keiner da. 

So 31.03. Ban Huai Khrai (km 17.850)

Dieser Monk gab mir zum Abschied noch einen Großteil unserer Beute mit, mehr als ich an einem Tag essen kann. Er hat immer noch mehr als er essen kann und verfüttert die Reste an seine Katzen. Er war 54 Jahre alt und seine Lebensweisheit gipfelte in dem Credo: don't worry, be happy. Ja, damit lebt es sich für das elnzelne Individuum unter den gegebenen Umständen leichter und ich kann diesen Wunsch nach persönlichem Glück und Zufriedenheit verstehen. Aber ich denke, Thailand braucht eine Revolution. Die besitzlose Mehrheit lebt unter sklavenähnlichen Bedingungen in bitterer Armut und bekommt keine medizinische oder soziale Hilfe. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft aberwitzig weit auseinander. Wie überall in der Welt ist Geld mit Macht verbunden, die Reichen können tun und lassen was sie wollen und bestimmen über das Leben der Anderen. Und die sind traditionell zu Schafen erzogen oder werden mit Gewalt eingeschüchtert und lassen sich alles gefallen. 

Ich habe abends die Reste meines Essens an Hunde verfüttert. Länger ist es in der Hitze nicht haltbar. 

Mo 01.04. Bun Rueang Nuea (km 17.882)

Waldbrand nachts hinter dem Kloster. Die Berge brennen hier Tag und Nacht. Angeblich nur das Unterholz, wertloses, störendes Gestrüpp. Allein, mir fehlt der Glaube. 

Ich habe schon viele solcher abgebrannter Wälder gesehen. Wenn das Unterholz nicht allzu dicht ist, können große Bäume das Feuer tatsächlich überleben. Nächsten Monat beginnt die Regenzeit, jetzt ist also die trockenste Zeit des Jahres, deshalb die Brandrodungen jetzt. Und es ist die billigste Methode, Platz zu schaffen für irgendwelche Plantagen. Und die schlechteste, weil dabei zuviel Nährstoffe und Kleinlebewesen vernichtet werden und der Boden deshalb schnell unfruchtbar wird. Warum das Feuer nicht unkontrollierbar anwächst, verstehe ich nicht.

Sichtweite am Tag: manchmal nur 500 Meter.

Und warum diese Praktiken nicht verboten werden, verstehe ich sehr gut. Die Reichen kennen sich, sie haben alle Macht, sie sitzen auch in der Regierung. Da hackt keine Krähe einer anderen ein Auge aus. Kosten zu sparen vermehrt den Reichtum und dafür opfern sie alles: die Gesundheit der Menschen, auch ihre eigene und die ihrer Kinder, viele Lebensjahre, den Boden, das Klima, den Planeten. Dabei sind sie eh stinkreich. Das thailändische Königshaus ist mit 26 Milliarden Euro! das reichste der Welt.

Alles vom Volk gestohlen. Wozu brauchen sie noch mehr?

Der letzte demokratisch gewählte Präsident bevor das Militär wieder mal putschte, war ebenfalls Milliardär. Zwischenzeitlich hat mal seine Schwester eine Wahl gewonnen, jetzt hat wieder das Militär das Sagen. Letzte Woche waren wieder mal demokratische Wahlen, es wird bis Mai dauern bis das Ergebnis klar ist, aber es gibt weder demokratische Parteien, noch - Ideen. In Thailand gab es noch nie eine Demokratie, die Menschen wissen gar nicht was das ist. Was soll dabei sinnvolles herauskommen? Die Kandidaten kämpfen nur um die Macht um sie dann zu missbrauchen. Wer etwas sinnvolles tun will, der lebt nicht mehr lange. 

Di 02.04. Chiang Khong (km 17.916)

Hier bildet der Mekong die Grenze zwischen Thailand und Laos und der heißt hier einfach nur Khong. Gesehen habe ich ihn noch nicht. Die Brücke mit der Grenze ist weiter südlich, aber es soll hier eine Fähre geben. Visum bekommt man drüben "on arrival" für 30 Tage, ähnlich wie bei der Einreise nach Thailand. Sobald ich dann eine laotische Simkarte habe, melde ich mich wieder mit einer neuen Seite. 

Das ist schon ein paar Tage her. Wie früher auf der Osterinsel gibt es auch hier einen Wettbewerb, wer die schönsten und größten Figuren herstellen kann. Nur handelt es sich hier nicht um Menschenköpfe sondern um Gockelhähne. Macht euch keine Sorgen, das muss man nicht verstehen. 

Am Montag früh 02:00 Uhr hat ein Satellit ein Foto von Nordthailand gemacht und darauf sind 3088 offene Feuer zu sehen. Immerhin wird darüber berichtet und so kommen die Politiker doch langsam unter Druck, etwas dagegen zu tun. Thailand hat sogar einen Grenzwert für Feinstaub, der liegt bei 50 PM2,5 (damit sind 50 Milligramm Partikel der Größe kleiner als 2,5 Mikrometer pro Kubikmeter Luft gemeint). Die gemessenen Werte erreichen hier zur Zeit bis zu 700 PM.

Jetzt ist es 09 Uhr und die Sonne ist so gedämpft, dass sie kaum Schatten erzeugt. 

Mi 03.04. Chiang Khong (km 17.938)

Ich bin immer noch in Thailand, aus der Mekong Überfahrt ist nichts geworden. Es gibt hier einen internationalen Hafen und Passagierfähren, aber nur für Thais und Laoten. Alle anderen Ausländer müssen über die Straße und die neue Brücke, 10 km südlich von hier. Ich habe alles gelesen was ich im Internet über diesen Grenzübergang gefunden habe, dazu hat keiner was gesagt. Obwohl ich nicht an meinem Plan gezweifelt habe war mir das Risiko bewusst, drum war ich auch schon einen Tag vor Ablauf meines Visums da und Geld habe ich auch noch. Ich hätte es ja trotzdem noch heute geschafft, wenn ich nicht so viel Zeit in Chiang Khong vertrödelt hätte, aber wozu? Außerdem ist es mir lieber, wenn ich nicht so spät in Laos ankomme, ich habe ja nach jedem Grenzübertritt einiges zu tun: Geld, Simkarte und vor allem die Orientierung.

Jetzt bin ich wieder in einem Kloster, liege im Zelt unter einem offenen Vordach und schreibe. Draußen tobt ein Gewitter, heftige Windböen, aber nur ein paar Regentropfen. Hoffentlich reicht es, um den Smog wegzublasen.