BLOG 23 Nepal

Mi 26.09. Daijee (km 12.627/H 200m)

Der Grenzübergang war fast so einfach wie in Europa. Inder brauchen kein Visum für Nepal, für sie ist es noch einfacher. Das ganze Prozedere hat bei mir etwa eine Stunde gedauert, jetzt habe ich ein Visum für 90 Tage, hat etwa 100€ gekostet. Alternativ gab es auch Visum für 30 Tage, aber das schien mir zu knapp. Gleich nach der Grenze fand ich ein Hotel für 300 nepalesische Rupies, von denen bekommt man zur Zeit 137 für einen Euro, macht also 2,10€ pro Nacht. Bei den Preisen kann ich es mir öfter leisten, drum habe ich es heute gleich wieder gemacht. Auch das Essen scheint mir noch etwas billiger als in Indien zu sein, aber ich muß das noch etwas länger beobachten, um verlässliche Angaben machen zu können. Ansonsten hat sich außer der Sprache (Nepali) nicht viel geändert. Man sieht öfter Menschen mit chinesischen Augen, das für mich auffallendste Merkmal. Seit 2008 ist Nepal eine parlamentarische Bundesrepublik und nennt sich säkular, bis dahin war es eine Monarchie. Die Übergangsphase war ziemlich blutig. Über die Lage der Frauen findet man widersprüchliche Angaben. Seit einer Verfassung von 1990 sind Männer und Frauen rechtlich gleichgestellt, trotzdem kann die Staatsbürgerschaft nur vom Vater auf die Kinder übertragen werden, das bedeutet, wenn der seine Kinder nicht anerkennt oder entsprechende Dokumente verliert oder unbekannt ist oder sonstwie abhanden kommt, dann sind die Kinder staatenlos. Das betrifft 25% der Bevölkerung! Jedes Jahr werden 20000 Mädchen verkauft, auch ins Ausland, zu welchen Zwecken dürfte wohl klar sein. Auch die Diskriminierung von Menschen der unteren Kasten (das ist die Hälfte der Bevölkerung) ist verboten und trotzdem gang und gäbe.

Analphabeten sind 35% der Männer und 55% bei den Frauen. Trotzdem gibt es viele Menschen die Englisch sprechen können, auch manche Frauen. Und trotzdem verhalten sich die Frauen hier erkennbar freier und ungezwungener als in Indien. Sie sind weniger verschleiert, wirken angstfreier, sprechen mehr mit den Männern, auch mit mir. Aber gleich in der ersten Stadt begegnete ich einer Demonstration, ein Passant erklärte mir auf Anfrage, es handelt sich um einen Protestzug wegen einer Vergewaltigung. Die Teilnehmer waren etwa zu gleichen Teilen Männer und Frauen. Also es gibt noch viel zu tun und es tut sich auch was. 

Ich habe den Eindruck, hier gibt es noch mehr Kühe als in Indien und sie sind auch hier mehr als gleichberechtigt mit den Menschen (80% der Bevölkerung sind Hindus). Wenn sie (die Kühe) sich auf der Straße im Schatten der Bäume versammeln wollen, gibt es niemanden der sie daran hindert. Ich habe das zwar nicht beobachtet, aber ich bin mir sicher, wenn eine Kuh die Grenze überqueren will, kann sie es ungehindert und unkontrolliert tun. Übrigens auch alle anderen Tiere wie Hunde, Affen, Vögel sowieso, warum nicht wir Menschen? Ich finde das mehr als hirnrissig. 

Fr 28.09. Masuriya (km 12.693)

Ein Nepalese hat mir erzählt, das mit den Kühen ist erst in den letzten paar Jahren so schlimm geworden, sie sind jetzt eine richtige Plage. Ein indischer Bauer zeigte mir stolz seine Rinder, eine Kuh und ein Fellow, das ist eine Wasserbüffel Kuh. Die geben ihm je 2-3 Liter Milch pro Tag (mitteleuropäische Kühe müssen das 10fache leisten). Auch so ein Beispiel indischer Bescheidenheit. 

Hier fühlen sie sich am wohlsten, deshalb heißen sie Wasserbüffel. Aber die meisten von ihnen kennen diesen Luxus nicht. 

Sa 29.09. Lamki (km 12.727)

Immer noch gehen nicht alle Kinder in die Schule, obwohl die kostenlos ist. Immer noch halten viele Eltern Schulbildung für überflüssig und nutzen lieber die Arbeitskraft ihrer Kinder, oder sie müssen es aus blanker Not tun. Die in die Schule gehen, können meist erstaunlich gut englisch und wenn ich sie nach ihrem Alter frage, kommen meist ebenso erstaunliche Antworten. Sie sehen viel jünger aus und sind viel kleiner als Kinder in Mitteleuropa. Die Erwachsenen sind auch kleiner. In Deutschland gehöre ich mit meinen Einmetersiebzig zu den kleineren, hier in Nepal und auch in Indien zu den größeren Menschen. Hier brauche ich Kleidergröße XL, in Deutschland zwischen S und M. Die Erwachsenen altern viel schneller, die Lebenserwartung beträgt nur mickrige 68 Jahre, und auch die Zipperlein fangen viel früher an. Aber es bessert sich gerade rapide. Starben 1950 noch von 1000 Kindern 340 in den ersten 5 Lebensjahren, sind es heute noch 3. Die heutigen Probleme führe ich hauptsächlich auf die Ernährung zurück. Qualität spielt überhaupt keine Rolle, das einzige was zählt ist der Preis. Dabei gibt es bei Obst und Gemüse alles was man sich denken kann und was das Herz begehrt (mein Herz). Wer nicht weiß, wie wichtig Obst und Gemüse für die Gesundheit ist, begehrt es auch nicht. Und das billigste Essen kommt aus den Fritteusen. Die Zutaten sind ok. Jedes Obst oder Gemüse wird in Teig gewickelt und frittiert, die Füllungen sind oft reichlich, das Problem ist das Fett. Auch da kommt natürlich nur das billigste in Frage, ich vermute Palmöl, dann wird es viel zu hoch erhitzt, so geht es schneller. Wenn das Öl qualmt und raucht, dann ist es zu heiß, dann entstehen Tod und Teufel, unter anderem auch die krebserregenden Transfettsäuren, aus Kohlenhydraten werden Nitrosamine und jedes Jahr fügt die Wissenschaft neue Grauslichkeiten hinzu. Hinzu kommt, dass sie dieses Öl natürlich nicht freiwillig austauschen, es wird anschließend zum Braten verwendet. Theoretisch könnten sie das beste und gesündeste Essen produzieren, aus Not und Unwissenheit geschieht das nicht.  P

Mo 01.10. Chisapani (km 12.740)

Ganz recht, nur 13 km gestern, heute 0,2. Fühle mich krank, eine Erkältung, deshalb habe ich gestern Nachmittag das erste Hotel gebucht das ich fand. 800 R ist zwar nicht viel, übersteigt aber schon mein Budget. Heute früh fühlte ich mich schon besser, aber nicht gut genug für die nächste Etappe, das sind 20 km Wald. Jeder Wald mit mehr als 5 km Durchmesser ist hier ein Naturschutzgebiet, ein Wildtierreservat und große bunte Schautafeln zeigen, was es da gibt: Tiger, Leoparden, Elefanten und Nashörner. Häuser kann ich dort nicht entdecken. Weil ich mich für einen 20 km langen Weg ohne Zwischenstop noch nicht fit genug fühle, habe ich ein anderes Hotel bezogen, für 500 R. Ich gönne mir noch einen Ruhetag. Auch hier heißen viele Gaststätten Hotel, manche haben Zimmer, die meisten nicht. Wenn man hier jemanden fragt, bekommt man so gut wie immer eine falsche Antwort. Einer wollte mich zum Hotel Paradise schicken, klingt auch nicht billiger, aber schon nach 200 m fand ich diese Lodge. Und wenn Lodge oder Guesthouse draufsteht, dann haben sie auch Zimmer. 

Mi 03.10. Chisapani

Jetzt bin ich schon 3 Tage in diesem Dorf, ich verlängere von einem Tag auf den nächsten in der Hoffnung, morgen geht es wieder. Den Wirtsleuten ist es recht, ich bin hier der einzige Gast, obwohl es mehrere Zimmer gibt. Aber heute stehen die Anzeichen besser, dass es morgen wieder geht.

Do früh: ja, es geht heute wieder. Aber gehen kann ich trotzdem nicht. Ich habe inzwischen herausgefunden, dass dieser Wald vor mir und auch viele noch kommende und teilweise noch viel größere, auch tagsüber nicht ungefährlich sind. Leoparden und Tiger sind zwar hauptsächlich nachtaktiv, das heißt wenn sie Hunger haben, machen sie schon mal eine Ausnahme und verschmähen eine leichte Beute auch am Tag nicht.

Ich versuche es per hitchhiking, wenn mich keiner mitnimmt, hier ist eine Bushaltestelle. 

Do 04.10.Bhurigaun (km 12.750)

Der Wildpark war einfach. Viel leichter als ichs mir vorgestellt habe. Da gibt es eine Polizei Kontrollstelle, sagte man mir unterwegs, da wusste ich, das läuft so wie in Sri Lanka. Die überreden einen Fahrer mich mitzunehmen, ich brauche mich um nichts zu kümmern. Dort muß jedes Fahrzeug anhalten, sich einen Zettel abholen und etwas bezahlen. Gleich der erste hatte ein groß genuges Fahrzeug und sie waren nur zu zweit mit wenig Gepäck unterwegs. Das einzige was wir sahen waren ein paar Antilopen, eine kleine Art ähnlich unserer Rehe und Elefantenkot auf der Straße. Sieht aus wie von Pferden, bloß 10 mal größer. Nach 14 km kam wieder ein Schlagbaum, da warfen sie mich wieder raus 

Hängebrücke über den Karnali River, am anderen Ende der Wildpark. 

Fr 05.10. Bansgadhi (km 12.787 / H 150 m)

Das ist der Babai River, die Straße ist hier gleichzeitig ein Staudamm, weil sie da Wasser für einen Kanal für die nächste Stadt (Kohalpur) abzweigen. Aber dieser Fluss hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. 

Das da unten ist ein geschätzt 4 m langes Krokodil. Diese Staumauer ist natürlich ein schweres Hindernis für alle Flussbewohner. Die kleineren schaffen es von Norden über die Dammkrone und rutschen dann auf der Südseite runter, über die zur Zeit ein dünner Wasserfilm läuft. Von hier versuchen es auch viele, in diesem Film gegen die Strömung den Damm zu überwinden, ein aussichtsloses Unterfangen. Die kleinen Fische können so schnell zappeln, dass sie gegen die Strömung ankommen. Sie schaffen es vielleicht 5 m, dann wird es immer steiler und sie rutschen wieder zurück. Das Krokodil da unten ist clever genug sich in die beste Position zu bringen, es braucht nur noch das Maul aufzumachen und die Fische und von der anderen Seite auch andere Tiere rutschen manövrierunfähig genau hinein. Es gibt auch andere Krokodilarten, teilweise noch größer, die hatten einen langen Entenschnabel und Riesen Wasserschildkröten. Die habe ich bisher ausschließlich in die Karibik verortet. Die tauchen nur sehr kurz auf zum Luftholen und sind dann sofort wieder weg. Das war zu kurz zum Fotografieren.

Und Fische habe ich gesehen, halb so groß wie das Krokodil. 

Sa 06.10. Kohalpur (km 12.805)

Nicht zu Verwechseln mit Kolhapur, einer Großstadt im Südwesten von Maharashtra. 

Krokodile gehören mit den Vögeln zu den Archosauriern, zu denen auch die Dinosaurier gehörten. Dies hier ist der Gangesgavial. Hat den Namen schon mal jemand gehört? Ich nicht. 

Di 09.10. Kohalpur (km 12.828)

Meine Erkältung ist zurück gekehrt, genauer gesagt nur der Husten. Ich huste wie ein Kettenraucher im Endstadium. So kann ich unmöglich weitermachen, ich muß das auskurieren und solange bleibe ich jetzt hier. 

Die Geldbeschaffung ist hier schwierig. Ich muss jedesmal 5 - 10 Geldautomaten abklappern, bis ich einen finde, der die gewünschte Kohle rausrückt. Ich habe eine Mastercard und die meisten, ATM heißen sie hier und in Indien, sind damit nicht kompatibel. Normalerweise steht an der Tür, mit welchen Karten sie können, aber das ist noch lange keine Garantie. Ich muss also immer schon lange bevor es zu Ende ist, für Nachschub sorgen. Was das Preisniveau angeht, das Essen kostet hier umgerechnet genau so viel oder wenig wie in Indien, etwa ein zehntel von Mitteleuropa, Hotel Übernachtungen auch, die Hälfte von Indien, meistens 4€, man kann aber auch Hotelzimmer für 30€ finden. Das ist dann schon Luxus pur mit mitteleuropäischem Standard. Das Essen ist auch in billigen Hotels oft sauteuer, das doppelte bis vierfache, aber zugegeben, die Qualität ist auch besser. 

Frisches Obst und Gemüse am Markt: Bananen und Gemüse 0,30€ per Kg, Äpfel 0,50, der Rest dazwischen, Chillies nix. Meist geben sie zum Schluß eine Handvoll gratis in die Tüte. 

Neulich kaufte ich mal wieder Socken, gute Sportsocken, 1€.

Die Nepalesen sagen, die Preise wachsen ihnen über den Kopf, sie haben 10% Inflation, die Löhne halten aber nicht mit. 

Mi 10.10. Shamsherganj (km 12.848)

 Beim Abendessen bin ich mit einem Mann ins Gespräch gekommen, der schon seit 20 Jahren als LKW Fahrer in Saudi-Arabien arbeitet. In Nepal würde er 100€ im Monat verdienen, dort bekommt er das vierfache. Er hat mich zu einer günstigen Unterkunft geführt (300 R) und dabei ein nagelneues Fahrrad neben sich hergeschoben, es kommt aus Indien, die sind besser als die nepalesischen, Neupreis 50€.

Das Einzige was Nepalesen wirklich interessiert, ist mein Familien Status. Ob ich verheiratet bin, wie viele Kinder ich habe, was die machen, wieviel die in Deutschland verdienen und was sie selbst tun können, um auch so einen gutbezahlten Job in Deutschland zu bekommen. Wenn es einfacher wäre und sie könnten, würden nicht eine Million sondern eine Milliarde Menschen nach Deutschland kommen, um sich hier einen Job zu suchen. Da habe ich auch schwere Bedenken ob das gutgehen würde. 

Indisches Kunsthandwerk. 

So 14.10. Namai (km 12.945)

Meine Simkarte war schon wieder leer, ich hatte in der ersten Stadt nach der Grenze 5 Gigabyte für 6€ bekommen, das hat etwa für 18 Tage gereicht. Jetzt beim Nachladen gab es nur 4 Gigabyte für 3€. 

Das ist der Ost-West Highway, die einzige durchgehende Verbindung in Längsrichtung, gut 1000 km lang. Hier gibt es viele lange gerade Etappen, hauptsächlich durch den Dschungel. Tagsüber soll es meist ungefährlich sein, aber nachts raten alle ab, dort zu Fuß zu gehen. Alle anderen Straßen, z.B. in den Himalaya nach Norden, sind in viel schlechterem Zustand, viel einsamer und damit gefährlicher, was die Tiger betrifft. Kein Land für Fußgänger. Bisher habe ich noch kein Großwild gesehen. Ich muss meinen Weg so planen, dass ich immer eine Ortschaft habe zum Übernachten, die Abstände können bis zu 20 km lang sein.

In Bhutan soll das noch viel schlimmer sein, das Land ist viel dünner besiedelt, viel weniger Verkehr, viel mehr Urwälder, erst recht kein Land für Fußgänger. Ich glaube, das lasse ich aus. 

Mo 15.10. Mourighat (km 12.965)

Ich muss auf meinem Weg viele Hände schütteln. Und immer wieder kommt es vor, dass jemand meine Hand dann nicht mehr loslassen will. Bereits nach einer Sekunde fange ich an, mich unwohl zu fühlen und wenn es mir in der zweiten Sekunde nicht gelingt, mich sanft zu befreien, dann werde ich fuchsteufelswild, löse die Verbindung gewaltsam, beschimpfe den Übeltäter und suche schleunigst das Weite. Der lacht meistens darüber und kann meine diesbezügliche Phobie nicht verstehen. Ich verstehe das selbst auch nicht. Ist es Angst, die Kontrolle über meine Hand zu verlieren oder komplett vereinnahmt zu werden, keine Ahnung. Ähnlich ist es mit dem Glotzen. Wenn ich irgendwo stehen bleibe und den Deckel meiner Box aufmache, kommen sie im Laufschritt aus allen Himmelsrichtungen um zu gaffen. Und dabei rücken sie mir bis zu einen halben Meter auf die Pelle. Ich habe das Gefühl, nicht mehr frei atmen zu können und empfinde dies als grobe und unverschämte Belästigung und komme mir vor wie ein Zirkusaffe. Oft versucht jemand irgend etwas anzufassen. Bei Kindern kann ich es ja noch verstehen, aber viele Erwachsene sind genauso ungezogen. Ich schlage ihre Hand unterschiedslos weg um klar zu machen, dass ich das überhaupt nicht mag. Ich kann dann den Inhalt der Box nicht den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen lassen. So schnell ich kann schließe ich den Deckel wieder und flüchte, oft zornig und wütend. Ich würde niemanden so behandeln und deshalb glaube ich ein Recht darauf zu haben, auch nicht so behandelt zu werden. Aber hier ist das alles lächerlich. 


Di 16.10. Shivapur (km 13.000)

Zwischendurch mache ich manchmal eine Pause und esse etwas Obst und Gemüse. Buswartehäuschen sind da die einfachste Lösung, die haben immer ein Dach das Schatten spendet und Sitzbänke und durchschnittlich jeden km findet man eines. Das sind auch beliebte öffentliche Versammlungsplätze und oft sitzen da Leute und unterhalten sich oder telefonieren oder spielen mit ihren Smartphones. Ich wähle immer eines das leer ist, damit ich meine Ruhe habe. Aber kaum sitze ich, strömen sie aus allen Richtungen herbei um mir beim Essen zuzuschauen, mich vollzuquatschen und zu fotografieren. Fast niemand fotografiert mich einfach so, immer nur als Selfie. Ihre eigene Präsenz auf dem Bild ist ja das wichtigste. Unter solchen Bedingungen zu essen, ist für mich die schlimmste Folter. Und dann muss ich blödsinnige Anweisungen befolgen: lächeln, schau her, aufstehen, für ein Video den Mist wiederholen, den ich ihnen schon gesagt habe. Heute habe ich jemandem nach dem zehnten Foto gesagt, dass ich keine Lust mehr habe und ihn gefragt, was machst du denn mit all diesen stupid fotos? Sie zeigen doch alle das selbe. Die Antwort war für mich unverständliches Bla Bla. 

Mi 17.10. Gorusinge (km 13.024)

Do 18.10. Murgiya (km 13.058)

Fr 19.10. Ramapur (km 13.093)

Zur Zeit sind die höchsten hinduistischen Feiertage des Jahres in Indien und Nepal. 10 Tage lang überall fast tote Hosen. Wie Weihnachten in Europa. Die meisten Shops, Schulen und Banken sind zu, auch die Gastronomie, sogar die Bankautomaten sind zu 50% im Schlafmodus oder vergittert und das nun schon seit 4 Tagen. Viele kleinere Orte haben oft nur einen, noch kleinere (die meisten) gar keinen und wenn die arbeiten, dann behaupten sie entweder, meine Bankkarte wäre invalid oder der Vorgang wird meist kommentarlos terminiert. Ich habe schon angefangen mir ernsthafte Sorgen zu machen. Heute war mein Barvermögen schon auf 1500 NR geschrumpft und ich brauche hier durchschnittlich 700 pro Tag, das sind etwa 5€ trotz häufiger Hotel Nutzung. Und heute hat es wider Erwarten nach dem gefühlt 15. Versuch plötzlich geklappt. Sie spucken eh bloß höchstens 10.000 NR aus, die höchsten Scheine sind 1000er, das sind 7€. Wenn man irgendwo mit einem 500er bezahlen will, verdrehen sie oft die Augen und können nicht herausgeben (oder wollen nicht), sie gehen dann zum Nachbarshop, um zu wechseln.

Happy Dussehra. 

Sa 20.10. Bardighat (km 13.119 / H550)

Ich bin schon 8 km weiter, mitten im Dschungel. Bis ans andere Ende hätte ich noch bis nach 18:00 Uhr gebraucht und um 17:30 wirds jetzt hier finster. Das heißt, dann wird es gefährlich. Aber hier gibt es eine kleine Ansammlung von Gaststätten und Hotels, da konnte ich Abendessen und fand einen trockenen Zeltplatz. Im Freien wird mein Zelt so etwa in der 2. Nachthälfte vom Morgentau außen immer ziemlich nass, dann verliere ich morgens zuviel Zeit, bis es wieder trocken ist. Ein Dach genügt, auch wenn es aus Blech oder Stroh ist und alles bleibt trocken. Ich hatte wieder einen platten Reifen, der hat mich die fehlende Zeit gekostet. Derselbe Reifen war schon 2 Tage vorher platt, aber da ging ich in eine Motorradwerkstatt und ließ ihn dort flicken. Es hat zwar nur 50 Rupies gekostet, dauerte aber genau so lange wie wenn ich es selbst mache. Und dann ist es dasselbe Problem wie mit der Hygiene. Beim Zuschauen hatte ich ernsthafte Zweifel, ob das gutgeht. Ich habe nichts gesagt, vielleicht ist meine penible Art zu arbeiten ja manchmal übertrieben, vielleicht kann ich ja noch was dazu lernen. Sie machen alles am Boden, sandig und schmutzig. Nach dem Flicken kontrollierte er nochmal in einem Wassereimer, ob nicht noch mehr Löcher sind und ob seine Flicken dicht halten. Dann packte er den Schlauch wieder auf die Felge unter den Reifen, ohne diese vorher irgendwie zu reinigen. Und weil er noch nass war, blieben auch die Steinchen vom Boden gut haften, das hat er alles mit eingepackt. Und dann mit Druckluft aus dem Kompressor auf gefühlt 8 Bar gepumpt. Spätestens jetzt muss es die Steinchen durch die Schlauchwand drücken. Da musste ich eingreifen weil er mein "stop" nicht verstanden hat und reduzierte den Druck sofort auf etwa ein Bar. Tja, den heutigen Platten hatte ich erwartet, ich wusste nur nicht wann es passiert. Und dann machte ich es wieder auf meine Art. 

So 21.10. Chhatisgarh (km 13.152)

Ich will nochmal auf das Verhältnis zwischen mir und meinen "in mir lebenden Kameraden" eingehen und beginne mit dem "inneren Schweinehund". Diese Bezeichnung ist mir eigentlich zu negativ. Er zeichnet sich durch Schwäche und Bequemlichkeit aus und hat dadurch eine gewisse Schutzfunktion für unseren gemeinsamen Körper. Ich würde ihn deshalb lieber als meinen Beschützer ansehen. Viele Menschen glauben ja, ihr inneres Bauchgefühl würde ihnen eine objektive Wahrheit zeigen die vertrauenswürdiger sei als der eigene Kopf. Dieses Bauchgefühl ist nun der Kanal, über den er mit mir kommuniziert. Ich selbst bin eher der Stürmer, Entdecker und Eroberer, damit wird schon klar, wie wichtig so ein Beschützer für mich ist. Bloß, er ist genau so wenig objektiv wie ich das bin. Wenn ich immer auf ihn hören würde, könnte ich gar nichts mehr machen. Kein Sport, keine Weltreise. Meine Horrorvision: ich würde zu Hause sitzen, fernsehen, immer dicker werden und auf meinen Krebs warten. Ich muss "ihn" also unterdrücken. Und nicht nur ihn, auch den "Esser", der unersättlich ist weil er den Hungertod fürchtet und meint, ich müsste für karge Zeiten vorsorgen und den Angsthasen, der mich vor allen Gefahren dieser bösen Welt beschützen will. Wir alle sind nicht objektiv. Ich habe dabei die schwierige Aufgabe, zwischen all diesen widersprüchlichen Interessen zu moderieren und bin gleichzeitig selbst Partei in diesem Spiel. Wenn einer der Streithanseln sich zum Moderator aufspielt, kann das eigentlich nicht gutgehen. Meine aktuelle Lösung: ich versuche ein gutmütiger Diktator zu sein, der die berechtigten Interessen aller Beteiligten anerkennt und auf dieser Grundlage seine eigenen Entscheidungen trifft. Mir ist klar, mein Risiko hängt davon ab, zu erkennen wann eine Warnung aus dem Bauchraum berechtigt ist und wann nicht, im Zweifelsfall eher vorsichtig zu sein. Aber entscheiden muss ich schon selbst. Wer sonst?

Alles nur meine Theorie. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, wer "ich" nun bin.

Nochmal zurück zum "Schweinehund": ja natürlich war es zu Hause auch schön und manchmal bequemener, aber zu diesem Thema hat der hier nichts zu sagen.


Mi 24.10. Khairahani (km 13.213)

Hier fragte ich beim Abendessen wieder, ob ich hier zelten kann, aber einer der Gäste mit denen ich mich unterhalten hatte, sagte: komm mit mir nach Hause, sei mein Gast und bleibe eine Woche. Ok, zu einem Ruhetag ließ ich mich breitschlagen, auch weil er sagte, er wolle mir die großen wilden Tiere im nahegelegenen Chitwan Nationalpark zeigen, von denen ich nach nun 9 Monaten Indien, Sri Lanka und Nepal noch nichts gesehen habe. 

Do 25.10. Newarpani (km 13.251)

Auch die Nepalesen machen gerne mehr Versprechungen als sie nachher halten. So ist aus den großen Tieren wieder nichts geworden. 

Das ist er, Gobinda mit seiner Tochter. Und wir sitzen am Frühstückstisch. Die meisten Nepalesen frühstücken nicht oder später und trinken erstmal nur einen Tee. Bei Gobinda mag das anders sein, von nichts kommt nichts. Ich habe beobachtet, dass er im Laufe des Tages mehr ißt als ich, obwohl er sich kaum bewegt. Er ist Fernsehtechniker, das heißt, er repariert und installiert Fernseher, auch die neuen Flachgeräte. Vor 3 Monaten hat ihn seine Frau verlassen und einen anderen Mann geheiratet. Ich sagte ihm, dass ich stolz auf ihn bin, weil er so stark war, dass er den Rivalen nicht gekillt hat. Die Tochter lebt meist bei der Mutter, aber er liebt sie (die Tochter) innig und hält regelmäßigen Kontakt mit ihr. Man sieht und staunt, eine ganz normale, moderne Familie. 

Auf den Tellern ist dasselbe, was man auch zu Mittag oder am Abend essen kann: Reis mit Gemüse und Sojabohnen und ein Omelett, das aber nur ein verrührtes Spiegelei ist. Sie essen auch hier lieber mit der Hand, ich bekam unaufgefordert einen Löffel. Das Grüne muss irgendeine Kohlart sein, die Blätter sehen aus wie die von Rettichen und schmecken roh wie Raps, gekocht eher nach Kohl oder Spinat. Und überall ist reichlich Chilli drin. Gobinda ist ein guter Koch. Also wer die Absicht hat mal nach Süd- oder Südostasien zu fahren, der sollte das scharfe Essen frühzeitig anfangen zu trainieren, sonst kann er es nicht genießen und es ist nur eine Qual, und es bleiben nicht viel Alternativen. Ich habe das immer schon geliebt und gerne scharf gegessen und auch vor meinem Start gezielt trainiert, trotzdem waren die ersten Wochen und Monate hart. Das hier übertrifft meine damaligen Vorstellungen bei weitem. Manchmal fällt es mir immer noch schwer, so scharf kann es sein. Und manchmal ist es mir nicht scharf genug, dann schmeckt es langweilig, aber man kann immer ein paar Chillies extra haben. Selbst der Tee ist scharf, aber nicht von Chillies, sondern vom Ingwer. Herrlich. Mit der Hygiene sieht es im privaten Bereich noch schlimmer aus als in der Gastronomie. Also wer mal wirklich aus schmutzigen Gläsern oder Tassen Tee trinken will, der muß nach Indien oder Nepal fahren. 


Sa 27.10. Kulekhani (km 13.307/H 1450m)

Der Himalaya hat mich wieder. Südlich von Kathmandu zieht sich eine Bergkette in Ost-West Richtung, die gilt es zu überwinden. Heute Mittag habe ich den Pass erreicht, der hatte 1900m. Die Nepalesen bauen viel steilere Passstraßen als die Inder, war teilweise ganz schön anstrengend. 

So 28.10. Fakhel (km 13.331/H 1800)

Das war gestern nicht der einzige Pass. Und morgen geht es noch weiter bergauf. Die Straße ist so schlecht und damit staubig, nicht wenig Verkehr, die Diesel Fahrzeuge qualmen wie alte Dampflokomotiven, sicher nicht gut für meine Lunge. 

Meine Muskeln schrumpfen und ich werde immer schwächer, schneller als es meiner Meinung nach altersbedingt normal wäre. Ich nehme an, dass sie sich wegen Eiweißmangel selbst verzehren. Seit ein paar Wochen achte ich deshalb auf den Proteingehalt von dem was ich esse, bei meinem Arbeitspensum habe ich vermutlich einen erhöhten Bedarf. Das auf dem Bild sind Sojabohnen mit Zwiebeln und Chilli. Ein beliebtes Frühstück hier, mit 36% Proteingehalt das höchste in der Pflanzenwelt. Und die Nepalesen wissen das auch. 

Mo 29.10. Dakshinkali (km 13.358/H 1500)

Die Straße stieg heute morgen nochmal auf 1900m an und mit ständigem auf und ab geht es langsam runter nach Kathmandu, das liegt auf 1300 m. Von hier sind es noch 5 km. Abends ist es hier oben schon so kalt, dass ich die Winterjacke auspacken musste. Im Winter gibt es hier auch Schnee, trotzdem wachsen da Bananen. 

Die Staub- und Rußwolke von einem Bus, man sieht ihn kaum dahinter. 

Produkte der lokalen Landwirtschaft, keine Ahnung was das rechts ist. Roh schmeckt es überhaupt nicht, man findet es aber in vielen Gemüse Gerichten. Darüber hinaus gibt es alles, was in Europa auch wächst. 

Do 01.11. Kathmandu (km 13.397 / H 1300)

Bin schon 2 Tage hier, mein nächstes Indien Visum ist bestellt, dauert bis 09.11. Solange behalten die auch meinen Pass, das heißt ich kann danach erst das nächste Visum für Myanmar beantragen. Bangladesch und Bhutan lass ich aus.

Was ich bis jetzt von Kathmandu gesehen habe, ist es eine schöne, aber auch sehr schmutzige, staubige Stadt. Es gibt auch mitten in der Stadt kleinere unasphaltierte Straßen und bei den größeren sind auch nur die Fahrspuren geteert, die Randstreifen sind meist nur aus Erde, nicht mal Kies. Und Straßenreinigung ist in Nepal wie auch in Indien ein Fremdwort. Ich habe noch keine einzige Kehrmaschine gesehen. 

Fr 02.11. Kathmandu (km 13.419)

Der Patan Durbar Square, ein Platz mit 400 bis 700 Jahre alten Königspalästen und Tempeln, drum herum Altstadt. Ein Zentrum von Lilitpur und das liegt südlich von Kathmandu. Dort wohne ich zur Zeit in einem Hotel. Es gibt noch mehr Städte ringsum Kathmandu, die sind alle schon so zusammen gewachsen, dass man die Grenzen nicht mehr erkennt. Trotzdem sind das nicht Stadtteile von Kathmandu sondern eigene Städte. 

Den legendären Kabelverhau gibt es wirklich, in Indien und auch in Nepal.

Die Botschaft von Myanmar hat vom 07. bis 11. Nov. Ferien, ich kann dieses Visum also erst am 12. beantragen. Und wie lange das dann wieder dauert, konnte ich nicht herausfinden. Das wird also ein längerer Aufenthalt in Kathmandu. 

So 04.11. (km 13.460)

Immer noch Patan Durbar Square. 2015 war hier ein verheerendes Erdbeben, viele Gebäude wurden dabei völlig zerstört, überall sind Renovierungsarbeiten im Gange, Häuser müssen gestützt werden. 

Di 06.11. Kathmandu (km 13.498)

Inzwischen bin ich umgezogen, 3,5 km weiter nach Norden am Bagmati river, hier dürfte die Grenze zwischen Lalitpur und Kathmandu sein, da liegt ein Gurudwara Tempel (Sikhs). Die haben auch Zimmer, aber hier kosten die etwas, 500 Rupies pro Tag, das ist nur halb so viel wie in meinem letzten Hotel. Das übersteigt zwar auch mein durchschnittliches Budget, aber eben weniger. Auch das Essen ist in Kathmandu und Umgebung fast doppelt so teuer wie auf dem Land, aber das ist immer noch fast nichts. Z.B. ein Mittagessen zwischen ein und zwei Euro. Überhaupt ist das Essen in großen Städten besser, vielfältiger, Riesenauswahl, für mich eine Verführung der ich nicht widerstehen kann. Aber das kann ich nachher auf dem Landweg wieder einsparen. 

Ein Blick aus meinem Fenster, es ist 8 Uhr morgens und das Leben ist da unten schon in vollem Gange. Es ist recht kühl, 10 Grad, mittags steigen die Temperaturen auf 25 Grad, geregnet hat es schon wochenlang nicht mehr, überhaupt erst einmal, seit ich in Nepal bin.

Kathmandu alleine hat etwa eine Million Einwohner, der gesamte städtische Großraum über 2,5 Millionen. 

So 11.11. Kathmandu (km 13.582)

Ich nehme nicht immer den kürzesten Weg, bei meinen Kilometer Angaben sind auch alle Umwege mit drin. Auch die Kreuz-und-quer-km in den Städten. Hier in Kathmandu mach ich fast 20 km täglich, so lerne ich die Stadt kennen und lieben. Mein Tempel hat mich heute hinauskomplimentiert, so lange Aufenthaltsdauer ist nicht vorgesehen, normalerweise höchstens 3 Tage und ich bin jetzt schon eine Woche hier. Sie wollen eine hohe Fluktuation beibehalten für ihre Pilger. Wie ich schon oft in meinem Leben meist nachträglich gesehen habe, birgt jede Veränderung eine gute Chance zur Verbesserung, so auch diesmal. In nullkommanix fand ich ein Hotel in absoluter Touristen Lage, nochmal schöner und besser als der Tempel, sogar mit warmem Wasser zum Duschen, super freundlichem Personal (natürlich), für 300 Rupies pro Tag. Im Internet findet man auch Hotels für 10.000 und mehr. 

Mein neues Indien Visum konnte ich gestern abholen, die Botschaft von Myanmar macht erst morgen wieder auf. Und wie lange das Visum dort dann dauert, weiß ich noch nicht. Bhutan lass ich jetzt aus, obwohl es mich schon gereizt hätte. Die Bevölkerungsdichte ist dort sehr gering, das heißt große Abstände zwischen den Ortschaften mit nichts als Urwald. Das bedeutet hohe Tigergefahr. Für normale Touristen spielt das keine Rolle, die gehen ja nicht zu Fuß. Außerdem liegt Bhutan komplett im Himalaja und hat nicht wie Nepal noch einen niedrigen und damit wärmeren Randstreifen im Süden, somit ist es dort jetzt schon zu kalt für mich. Bangladesch habe ich noch überhaupt nicht in Betracht gezogen, auch jetzt nicht, auch weil die Grenze von dort nach Myanmar derzeit wegen der Rohingya Flüchtlinge gesperrt ist. Diese flüchten seit einigen Jahren aus Myanmar weil sie dort schwersten Verfolgungen ausgesetzt sind. Manche Beobachter sprechen von ethnischen Säuberungen und Völkermord. In Myanmar sind sie Terroristen und in Bangladesh Verrückte und Geisteskranke. Ein Beispiel, wie wahnsinnig Politik sein kann. Zwischen Nepal, Bhutan und Bangladesh ist nur ein schmaler Streifen, der Indien mit seinen Nordöstlichen Bundesstaaten verbindet. An der schmalsten Stelle sind es nur 17 km, die werde ich passieren. 

Ein anderer Durbar Square in Kathmandu, auch eine der Top ten Sehenswürdigkeiten, bzw. was nach dem Erdbeben noch davon übrig ist. 

An manchen Stellen sieht man mehr Touristen als Einheimische. 

Di 13.11. Kathmandu (km 13.620)

Kommando zurück! Nach einer kurzen Unterhaltung hat es sich der Tempel Boss kraft seines Amtes und seiner Willkür anders überlegt, ich kann bleiben solange ich will, for free, also umsonst. Das Angebot musste ich natürlich annehmen.

Mein neues Visum für Indien erlaubt mir nochmal 90 Tage. Solange werde ich nicht brauchen für die 1000 km von Nepal nach Myanmar, ich denke dass ich so um Neujahr dort bin. Zwischen Indien und Myanmar muss ich nochmal ein Gebirge mit bis zu 3000 m hohen Bergen überqueren, ich hoffe dass es dort nicht zu kalt ist.

Das Visum für Myanmar ist beantragt, 45 US Dollar, Nepal Rupies nehmen sie nicht. OK, geh ich halt zur nächsten Bank und tausche die Rupies gegen Dollar. Pustekuchen, die Banken haben keine Fremdwährungen. Es gibt dafür extra Geldwechsel Büros. Die Botschaft liegt im Südosten von Lalitpur und ich musste bis in die Mitte von Kathmandu gehen, bis ich ein "Exchange Money" fand, das auch geöffnet hatte und die geforderten 45 Dollar hatte. Für die Botschaft war es dann allerdings zu spät, aber heute hat es dann geklappt. Sie erlauben nur 28 Tage, mehr geht nicht, auch keine Verlängerung im Land. Myanmar ist doppelt so groß wie Deutschland, bis nach Thailand sind es je nach Route 1000 bis 1500 km, da muss ich möglicherweise wieder öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Am Heimweg hat mich heute ein Affe angefallen, Körpergröße etwa 40 cm, wegen einer Plastiktüte mit Obst, die ich in der Hand hatte. Mitten in der Stadt. Er sprang mir von hinten auf die Schultern, ich weiß nicht was er dann vorhatte. Ich schüttelte mich so lange und heftig, bis er wieder absprang. Anfassen wollte ich ihn nicht, da hätte er mich vermutlich gebissen. So ging es glimpflich aus. Sie sehen ja recht putzig aus, aber wenn man ihnen zu nahe kommt, nehmen sie eine aggressive Haltung an, fletschen die Zähne, die aussehen wie ein Hundegebiss und fauchen. Wenn man gesehen hat, wie sie untereinander raufen können, dann kriegt man schon Respekt. Sie bewegen sich dabei so schnell, dass man nicht mal mit den Augen folgen kann. Passanten die den Vorfall beobachteten, haben sich köstlich amüsiert, ich war wütend, schnappte mir einen Plastikeimer der grad da stand und bedrohte den Affen damit, der dann sofort die Flucht ergriff. 

Do 15.11. Kathmandu (km 13.656)

Ich habe mein Visum heute nachmittag bekommen, morgen früh breche ich auf. Es gilt 28 Tage innerhalb der nächsten 3 Monate). 

Sa 17.11. Bhakunde Besi (km 13.722/H 1150)

Kathmandu liegt in einem Tal das etwa 1300 m hoch liegt. Ich bewege mich von hier aus nach Ost-Südosten. Nach 15 km fingen die Berge wieder an, aber nichts dramatisches, der höchste Punkt war 1600 m, jetzt gehts wieder bergab einem Tal folgend, bis etwa 500 m und dann ein letztes Mal über einen 1500 m Pass und dann runter ins Terai, so heißt der Streifen Tiefebene der sich zwischen Indien und dem Himalaya über die gesamte Länge von Nepal hinzieht. Dort verläuft auch der Highway 01, den ich bis kurz vor Kathmandu benutzt habe, dort will ich wieder hin. Jede asphaltierte Straße ist in Nepal ein Highway und alle sind nur 2spurig, maximal. 

So sieht die Gegend hier aus, links von mir ein tiefes Tal, rechts Berge. 

Mo 19.11. Bhulkot (km 13.773 / H 700)

Blick zurück nach Bhulkot. Hier geht es wieder ordentlich bergauf an der höchsten Stelle (6 km nach Bhulkot) bleibe ich über Nacht. Morgen gehts wieder runter bis 400 und gleich danach bergauf bis 1400.

Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das ist Futter für Ziegen oder Kühe und das schleppt er Kilometer weit.                                Zur Zeit ist Reisernte. 50% der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird mit Reis bepflanzt, sie schneiden die Pflanzen mit der Sichel ab und legen sie zum Trocknen wieder auf den Boden. Jetzt weiß ich endlich, warum das Dreschen des Getreides dreschen heißt. Sie legen eine Folie aus, darauf liegt ein Holzklotz und auf den schlagen sie einzelne Büschel so lange bis alle Körner raus sind. Dann nehmen sie die Körner, die noch mit allen Schalen der Ähren vermischt sind, mit einer Schüssel und schütten sie langsam aus über Kopfhöhe wieder auf die Folie. Die leichten Schalen landen wegen dem Wind woanders als die Körner. Und alles wird anschließend nach Hause getragen. So erklärt sich, dass 68% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten. Das Reisstroh fressen die Fellows (Wasserbüffel), ich glaube unseren Kühen wäre das nicht zumutbar. 

Mi 21.11. Dhungrebas (km 13.823/H 600)

Die letzten zwei Tage waren wieder ziemlich hart. Ich meine viele Höhenmeter rauf und wieder runter. Auf 1400 m wird es jetzt schon ziemlich kühl hier. 7 Grad habe ich heute früh gesehen, da brauch ich Winter Ausrüstung. Ich habe noch kein Haus mit einer Heizung gesehen, Fenster haben, wenn überhaupt, nur Einfachglas. Wie die Leute den Winter überstehen ist mir schleierhaft. Und hier schneit es auch manchmal im Januar. 

Do 22.11. Bhiman (km 13.847/H 400)

Von nun an gibts vermutlich keine größeren Steigungen mehr bis nach Indien. Dort an der Grenze hat es nur noch 80 m über dem Meer. 

Das ist nicht eine Ausnahme sondern eher die Regel. 

Auch hier wird Unsinn erzählt und nachgeplappert. Gestern fragte einer, ob ich nicht in Indien schlimme Erlebnisse hatte. Weil ich nicht verstand was er meinte, erklärte er dass die Inder alle Räuber und Banditen sind und man dort seines Lebens nicht sicher sei. Hier in Nepal sind die Menschen nett und freundlich, da kann man sich überall sicher fühlen. Ich sagte das ist eine Lüge, Unsinn und Bullsheet. Das soll er ganz schnell vergessen. Ich kann in Sachen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft zwischen Indern und Nepalesen keinen Unterschied erkennen. Und in allen anderen Ländern war es genauso.

Überall war es viel besser als man auch in Europa vermutet. 

Fr 23.11. Yagyabhumi (km 13.887/H 120)

Eine gute und leichte Möglichkeit Übernachtungsplätze zu finden sind die Gaststätten wo man auch zu Abend essen kann. Wenn ich im Vorbeigehen abends einen geeigneten Platz sehe, möglichst noch überdacht damit mein Zelt vor dem Morgentau geschützt ist, gehe ich rein und frage ob ich da bleiben kann. Erst 2 oder 3 mal auf meiner ganzen Reise wurde das abgelehnt, vermutlich hatte der Wirt auch Angst vor seinen Mitmenschen und fürchtete um meine Sicherheit und den Ärger, den er sich damit einhandeln könnte. Einmal dachte einer das sei verboten, aber er war der einzige, der das dachte.

Auch heute fand ich wieder einen solchen Platz und als ich fürs Abendessen bezahlen wollte, nahm der Wirt das Geld nicht an. Er betrachtet mich als Gast und nicht als Kunde. Das passiert auch öfter. Solche Tage sind dann extrem billig. Heute habe ich damit nur 215 Rupies ausgegeben, das sind 1,60€, mit Frühstück, Mittagessen und Tee zwischendurch. Nur damit Ihr eine Vorstellung habt, was Weltreisen wirklich kostet. 

Sa 24.11. Dohatiya (km 13.920)

Ok, so günstig ist es nicht jeden Tag. Heute habe ich mit Hotel und Abendessen selber bezahlen 835 R. ausgegeben das sind 6,20€. Das ist immer noch fast nichts, wenn man das mit normalen Urläuben vergleicht. 

Dieses Bild sagt etwas über den Charakter der Menschen aus. Die Hunde schlafen wo sie wollen. Das findet man immer wieder in Indien und in Nepal. Warum nicht auch in Europa? Wenn die Hunde kein Vertrauen zu den Menschen haben, dann liegt das nicht an den Hunden. Hier (wo ich jetzt bin) gibt es keine bösartigen Menschen. Jedenfalls haben diese Hunde noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht, sonst wäre es sofort vorbei mit dem Urvertrauen.

Und so geht es mir auch. Wenn mir jemand erzählen will, dass es gefährlich ist was ich tue, dann kann ich eigentlich nur lachen. Ok, den Vorfall im Iran habe ich nicht vergessen, aber das war meine einzige Begegnung mit einem schlechten Menschen und ich bin immerhin schon fast eineinhalb Jahre unterwegs. All die strengen Sicherheitsvorkehrungen sind längst vergessen, das kann man nicht durchhalten, wenn es keinen Grund dafür gibt. 

Mo 26.11. Baramjhiya (km 13.988)

Die bequemste Stellung für Inder und Nepalesen. 

Di 27.11. Pashchim Kushaha (km 14.018)

Der Koshi River, nach Donau und Ganges der 3. Megafluss auf meiner Reise. Und das ist nur ein Nebenfluss des Ganges. Leider kann ich nicht mehr sehen, wie der (Ganges) zum Schluß aussieht. 

Mi 28.11. Jhumka (km 14.041)

Kuhscheiße. Die von den Buffalos sieht genauso aus. Das hat hier nichts Negatives. Bisher habe ich nur Frauen gesehen, die diese Arbeit machen, die Männer sind sich dafür zu fein, denke ich. Hier modellieren sie den Kot um gespaltene Bambusstäbe und lassen das ganze an der Sonne trocknen. Alles Handarbeit. Ein begehrter Brennstoff. 

Jetzt bin ich noch genau 100 km von der indischen Grenze im Osten von Nepal entfernt, der Grenzort heißt Kakarbhitta. 

Fr 30.11. Laxmimarga (km 14.069)

Hochwasserrisikogebiet in der Nähe eines Bachs. 

Gestern musste ich wieder mal einen Ruhetag einlegen, ich habe mir wieder irgendwo eine Erkältung eingefangen. Nicht weil es so kalt ist, Kälte kann das Immunsystem zwar geringfügig schwächen, aber meine sportliche Belastung tut das auch. Zur Zeit sind viele Nepalesen erkältet und jeder rotzt und spuckt und hustet um sich und ich muss jeden Tag viele Hände schütteln. Damit habe ich eindeutig ein erhöhtes Infektionsrisiko. Auf dem selben Weg kann man sich auch eine Tuberkulose einfangen. Ich nehme mir vor, mir öfter die Hände zu waschen. 

Noch 74 km bis nach Indien. Normalerweise habe ich immer etwas Bammel vor einer neuen Grenze, was ich natürlich niemals zugeben würde. Aber eine gewisse Angst vor dem unbekannten Neuen sitzt mir doch auch in den Genen. Aber diesmal ist es anders. Ich freue mich sogar schon auf Indien. Es ist mir schon so vertraut, schließlich habe ich die Hälfte meiner Reisezeit und - kilometer in Indien verbracht. Es waren zwar viele verschiedene Bundesstaaten und das waren früher alles unterschiedliche Länder und sie sind auch heute noch ziemlich verschieden, aber in meinem Kopf ist Indien doch eine Einheit. Auch der Unterschied zu Nepal ist nicht größer als zwischen den indischen Bundesstaaten. Ich habe den Nepalesen schon oft empfohlen, ein indischer Bundesstaat zu werden, dann wäre vieles einfacher. Auch Sikkim (im Norden zwischen Nepal und Bhutan) hat das erst 1975 gemacht, ok, nicht ganz freiwillig, die Inder haben schon mit unsauberen Methoden nachgeholfen. Übrigens ist Sikkim das erste Land der Welt, dessen Landwirtschaft zu 100% (offiziell) auf Bio umgestellt hat. Leider ist es dort jetzt zu kalt für mich, sonst hätte ich einen Abstecher dorthin gemacht. Auch empfiehlt mir jeder, unbedingt Darjeeling anzuschauen (in Sikkim), aber die Stadt liegt 2000 m hoch. Gut für den Sommer, schlecht im Winter (gilt nur für mich). 

So 02.12. Kerkha (km 14.102)

Mo 03.12. Birtamod (km 14.121)

Ihr seht, ich komme immer noch kaum vorwärts. Nicht weil es mir schlecht ginge, es ist nur noch etwas Husten und Schnupfen, unterschiedlich stark im Verlauf des Tages, ich schone mich bewusst um mehr Energie in den Kampf gegen die Viren stecken zu können. 

Sie warten sehnlichst aufs Frühstück, streng getrennt nach Rasse und Familienstand. Meine letzte Unterkunft auf einem Bauernhof. Die betreiben nebenbei auch eine Gaststätte, aber zur Zeit ist nichts los. Ich war wie fast immer der einzige Gast. Ich musste nicht im Schweinestall schlafen sondern bekam ein Zimmer mit Bett und einem frischen Leintuch (vor meinen Augen gewechselt), was sehr selten geschieht. Die Wolldecke war aber benutzt, egal, ich schlafe immer in meinem Schlafsack. Die Nepalesen essen immer ziemlich spät abends, 8 bis 9 Uhr, sehr üppig, danach gehen sie schlafen. Weil der Magen im Schlaf nicht arbeiten kann, brauchen sie kein Frühstück. Da trinken sie nur Tee. 

Mi 05.12. Charaali (km 14.132)

Meine Energiesparmaßnahmen reichen immer noch nicht, meine Erkältungssymptome werden nicht besser. Ich habe mich wieder für 2 Tage in ein Hotel einquartiert um es auszukurieren. Morgen probiere ich wieder, Indien zu erreichen. Sind nur noch 11 km. Sobald ich wieder eine Sim Karte habe, gibt es eine neue Seite. 

Dieser Verkehrspolizist hat sich mit mir unterhalten, anschließend hielt er einen Getränke Transporter auf, konfiszierte eine Flasche Wasser und gab sie mir mit auf den Weg. Klarer Fall von Korruption und Amtsmisbrauch. 

Ab hier wird wieder Tee gepflanzt.