Blog 27 Laos

Do 04.04. Ban Houayxay (km 17.960)

Wenn ich eine Abkürzung suche, führt mich mein Handy manchmal über solche Pfade und in mehr als 99% der Fälle ist alles richtig. Lustig: im Hintergrund sieht man eine tote Bananenstaude über die Mauer hängen.

Ein paar km weiter kam ich tatsächlich zur Grenze, das war dann wieder eine Autobahn. Der Übergang war wieder sehr schnell und einfach, Geld und Simkarte hatte ich in wenigen Stunden. Die Währung heißt Kip. Für einen € bekommt man 10.000 Kip. Am ersten Geldautomat ließ ich mir mal eben eine Million auszahlen. 

Fr 05.05. Naluang (km 17.999)

Den Erstbesten der mich hier ansprach, fragte ich nach einem Platz für mein Zelt und schon hatte ich einen in einem Haus, mit Dusche, Abendessen und Frühstück. 

Sa 06.04. Sod (km18.039/H870m)

1930 gründete Ho Chi Minh die kommunistische Partei Indochinas mit dem Ziel, die Kolonialmächte zu vertreiben. England, Frankreich und Japan stritten sich damals um die Vorherrschaft in ganz Südostasien. Während des 2. Weltkriegs waren die Japaner in Laos, danach wieder die Franzosen und die mussten das Land schließlich 1954 verlassen. Während des Vietnamkrieges war Laos offiziell neutral, Amerika bekämpfte aber auch hier alle kommunistischen Bestrebungen und Verbindungen zu Vietnam und warf insgesamt mehr als 2 Millionen Tonnen! Bomben auf Laos ab. Noch heute zählt das Land zu den am meisten mit Blindgängern verseuchten Gebieten der Welt, mit fatalen Auswirkungen auf die Bevölkerung. Es gibt eine Behörde, die diesen lebensgefährlichen Schrott wegräumt und die Bevölkerung über die Gefahren und Risiken aufgeklärt, der größte Arbeitgeber des Landes. Die bekommt internationale Unterstützung, auch von der UNO, nicht aber von den USA, dem alleinigen Verursacher. 

So 07.04. Kam Pon (km 18.073)

Diese Häuschen haben durchschnittlich 10 qm und darin leben die Familien. Eine laotische Frau bekommt im Schnitt 2,7 Kinder, hier im Norden mehr. 

 Laos ist so groß wie die alte Bundesrepublik Deutschland war, hat aber nur 7 Millionen Einwohner. Und die sprechen 70 bis 120 verschiedene Sprachen, genau wissen sie es nicht, weil oft strittig ist, ob es sich schon um eine eigene Sprache handelt oder nur um einen Dialekt. Ich bin hier im obersten Norden, nur noch 100 km bis zur chinesischen Grenze und die Leute verstehen nicht mal ihre Landessprache, laotisch. Da hilft mir auch der Google Übersetzer nichts mehr, am besten gehts noch mit Pantomime. 

Mo 08.04. Nateuy (km 18.107)

Ich bin schon 13 km weiter südöstlich im Nirgendwo, da sind zwar ein paar Häuser, aber ich kann keinen Ortsnamen finden. Das wären tatsächlich 104 km heute, aber 70 davon wurde ich in einem luftgekühlten protzigen SUV von einem mir unbekannten chinesischen Hersteller chauffiert. Ein freundlicher, übergewichtiger Chinese namens Andy hat mich ein gutes Stück mitgenommen. Er war auf dem Weg von Ban Houayxay nach Hause, nochmal 100 km nördlich der Grenze. Der Weg, den ich mir durch Laos ausgesucht habe, ist etwa 1100 km lang und das ist ein bisschen zu viel für mich in 4 Wochen. Solche Gelegenheiten werde ich wohl noch ein paar brauchen. So viele km wie in den letzten 4 Tagen halte ich nicht auf Dauer durch.  Die Straßen in Laos sind übrigens in einem Top Zustand. Viel besser als in Indien oder Nepal. Und die Verkehrsdichte ist lächerlich. Da kommt durchschnittlich alle 2 Minuten ein Fahrzeug und die Hälfte davon sind Motorräder. 

Mi 10.04. Nam Nga (km 18.148)

Do 11.04. Ban Kabed (km 18.187)

Wenn man sich den Straßenverlauf auf der Karte anschaut, dann ahnt man wie bergig die Landschaft hier ist und so ist sie auch. Nicht hoch, die Straße bewegt sich so zwischen 500 und 800 bis 1300 m. Der höchste Berg von Laos hat nur 2800 m. Aber 90% des Landes sind von Bergen bedeckt. 

Habe ich vor einer Woche noch gehofft dass die Luft in Laos besser wird, schließlich leben da nur halb so viele Menschen pro qkm wie in Thailand, so seht ihr mich nun schwer enttäuscht. Es ist im Gegenteil sogar noch schlimmer, aber hier schaut die Welt nicht hin. Solche abgebrannten Berghänge säumen die Straße, ich schätze zu 20%. Das wird nicht überall so sein, aber entlang der Straßen wächst natürlich der Siedlungsdruck und der Wunsch, mehr landwirtschaftliche Nutzfläche und Platz für Plantagen zu schaffen. Und der einfachste und schnellste Weg dazu ist nun mal die Brandrodung. So haben die Menschen es immer und überall gemacht, seit sie das Feuer beherrschen. Aber wenn uns unser Leben und das unserer Kinder lieb ist, dann müssen wir sofort damit aufhören.

Laos nennt sich demokratische Volksrepublik. Nach Unabhängigkeit 1954 und Vietnamkrieg 1975 übernahmen die Kommunisten in einer unblutigen Revolution die Macht und verboten alle anderen politischen Parteien nach chinesischem Vorbild. Inzwischen haben sie auch hier marktwirtschaftliche Reformen durchgeführt und vom Sozialismus ist weit und breit nichts zu sehen. Laos ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt und der bescheidene Fortschritt kommt bei den Ärmsten überhaupt nicht an. Hier im Norden gibt es noch Tauschhandel, weil die Leute einfach kein Geld haben. Obwohl es eine Schulpflicht gibt, gehen in manchen Gegenden nur 60% der Kinder überhaupt zur Schule und viele brechen sie vorzeitig wieder ab, weil sie in der Landwirtschaft helfen müssen. 80% der Bevölkerung leben davon. Hauptnahrungsmittel ist der Reis und davon gibt es 3000 bis 4000 verschiedene Sorten. Pestizide oder Düngemittel können sie sich hier nicht leisten, die kleinen Bauern produzieren alles in Bioqualität. Ich darf also davon ausgehen, dass ich hier jeden Tag eine andere Reissorte esse und jeden Tag eine andere Sprache höre, und ich merke es nicht mal. 

Fr 12.04. Tongloum (km 18.226)

Mehrmals täglich dieser Anblick, und für die Menschen die dort wohnen und die diese Luft atmen, keines Blickes, keines Wortes und keines Gedankens wert. Sie sind es gewöhnt und wissen nichts über die schädlichen Auswirkungen von Ruß und Feinstaub und Stickoxyden, auf das Weltklima und damit verbunden auf die Zukunftsaussichten ihrer Kinder. Fast jede noch so schäbige Hütte hat einen Fernseher, aber auch damit erfahren sie nichts darüber, wie bedrohlich die Lage inzwischen geworden ist. Da werden sie mit Seifenopern zugedröhnt, es geht ausschließlich um Liebe und/oder Gewalt. Immer gibt es einen Guten, der mit übernatürlichen Kräften für die gerechte Sache kämpft, er nimmt es mit 20 Gegnern gleichzeitig auf, ist unverwundbar und hat immer recht. Die suggestive Absicht solcher Filme geht mir auf die Nerven. Aber ich bin ja gekommen um zu sehen wie es ist. 

So 14.04.Luang Prabang (km 18.256)

Hier ist die Sicht mal gut. Diese Berge sind höchstens 2 Km entfernt.

Ich war gestern Abend schon da, eine junge hübsche Laotin hat mich ein gutes Stück (55km) auf ihrem Moped mitgenommen, das konnte ich nicht ausschlagen. Solche Angebote bekomme ich täglich, aber normalerweise lehne ich ab. So eine Etappe auf dem Motorrad und noch schlimmer mit dem Auto ist für mich eine verlorene Strecke, die bleibt als weißer Fleck auf der Landkarte vor meinem inneren Auge bestehen. Nur wo ich zu Fuß unterwegs war, da war ich wirklich. Diesmal habe ich angenommen, weil ich mich in Luang Prabang um ein Visum für Vietnam kümmern muss. Als Deutscher kann man 15 Tage ohne Visum einreisen, die kann man auch noch mal um weitere 15 Tage verlängern, aber auf meiner geplanten Strecke habe ich 2000 Km vor mir. Dann gibt es das e-Visum für normalerweise 30 Tage, aber angeblich kann man auch mehr bekommen. Und das kann bis zu 3 Tage dauern. Werch ein Iltum! Ab heute ist das laotische Neujahrsfest. Sie haben dasselbe Datum wie wir, aber aus mir unverständlichen Gründen ist Neujahr (Songkran) am 14.04. Und das feiern sie 3 Tage lang, aber Schulen und Behörden machen eine Woche lang dicht. Ich habe zwar ein offenes Reisebüro gefunden, die können aber in der Woche auch nichts machen. Ich habe nun beschlossen, in dieser Zeit bis zur nächsten größeren Stadt, nach Phonsavan zu gehen / zu laufen (260 km) und es dort noch mal zu versuchen. 

In der Stadt ist heute die Hölle los. Überall laute Musik, alles ist auf der Straße, und sie haben einen Heidenspaß, jeden der vorbeikommt mit Wasser zu übergießen. Da musste ich mein Handy in die Kiste packen, die ist noch dicht. Ich selbst bin tropfnass und keiner auf der Straße ist noch trocken und nüchtern. Bei der Hitze hier (40 Grad) ist das Wasser nicht unangenehm. So viele überlaute Motorräder mit gehörschädigender Lautstärke habe ich bisher noch nicht gesehen und gehört. Mir scheint, sie haben zur Feier des Tages den Schalldämpfer ausgebaut, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und die Passanten mit dem sonst unterdrückten puren Sound zu beglücken. Und die so Beglückten / Geschädigten freuen sich darüber. Auch die Polizei schaut zu, für sie ist Laos jetzt im Ausnahmezustand. 

Es gibt in Thailand einen Mondkalender, nach dem das Neujahrsfest festgelegt wird. Der hat zwar schon lange keine offizielle Bedeutung mehr, aber überall in Asien wo es Buddhisten gibt, feiern sie dieses"Songkran" 3 Tage lang und weil es so schön ist, feiern alle anderen mit. Auch die Touristen. 

Mi 17.04. sehr lückenhaftes Internet! 

Jetzt wärs grad möglich, aber ich möchte noch ein paar km machen. Und ob es dort wo ich dann bin auch noch geht, weiß ich nicht. 

Mi 17.04. Pho Kham (km 18.338 /H 1400m)

Es geht. Ich habe noch 7 km zurückgelegt, bin hier kurz hinter Pho Kham und habe mein Zelt in einem kleinen Wald aufgeschlagen, 100 m südlich einer extrem staubigen Straße. 10 m weiter ist ein abgebrannter Abhang. Der Wind kommt von Süden, so bin ich vor dem Staub geschützt und der Abhang stinkt nicht mehr verbrannt. In Chiang Mai (Thailand), habe ich gerade gelesen, ist so ein Feuer außer Kontrolle geraten und nun brennt ein riesiges Gebiet, bedroht Häuser, Farmen, Fabriken und Tempel. Und jetzt fordert der General publikumswirksam, die Brandstifter zu ermitteln und zu bestrafen. Bei den tausenden kleinen Bränden sagen sie nichts, obwohl die das gleiche Gefahrenpotential haben. Mich wundert, dass dabei so wenig Katastrophen passieren. 

Kurz hinter Luang Prabang haben sie mich an einem Polizeiposten aufgehalten und mir erklärt, ich könne hier nicht zu Fuß weiter gehen. Ich muss einen Bus nehmen. Einer der Polizisten konnte gut englisch, so habe ich eine Diskussion mit ihm gewagt. Auf meine Frage nach einer Begründung stellte sich heraus, dass sie Probleme mit den Bergvölkern haben, die dort im Südosten leben. Nun konnte ich ihn mit meinen Erfahrungen mit solch widerspenstiger Bevölkerung beeindrucken. Ich erklärte, dass diese Menschen zwar oft Probleme mit der Obrigkeit haben, aber nicht mit mir. Und ich nicht mit ihnen. Und immer waren diese Leute besonders freundlich zu mir. Natürlich hatte er nicht die Kompetenz, mich einfach gehen zu lassen, aber er telefonierte mit seinem Vorgesetzten, der redete via Telefon auch mit mir, dann musste er einen noch höheren Kollegen fragen, schließlich durfte ich gehen.

Heute bin ich erneut an einem solchen Polizeiposten vorbei gekommen. Die haben immer noch Neujahr gefeiert. Sie haben mich mit Wasser übergossen, dann musste ich mit ihnen Bier trinken und Grillhühner essen. Bevor ich Probleme mit dem Alkohol bekam, habe ich mich wieder verdünnisiert. 

Fr 19.04. Phou Khoun (km 18.390 / H 1400)

... Laos ist nun abgebrannt, Maikäfer flieg.

Warum machen die das? So viele Plantagen können sie gar nicht anpflanzen, so viele Arbeiter findet man nicht in Laos (und so billig findet man sie nirgendwo). 

So schlimm ist es nicht überall, aber die Schadstoff Belastung der Luft scheint mir höher als in Thailand zu sein. Vorgestern hat es nachts heftig geregnet und geblitzt (mein Zelt hielt dicht, aber der Wind hat es fast platt gemacht. War aber kein ernsthaftes Problem). In der Früh wieder wolkenloser Himmel. Ein Vorbote der kommenden Regenzeit. Die Luft war 10 mal besser, aber nur für einen Tag. Ich hatte mich zu früh gefreut, am Abend loderten und qualmten wieder die ersten Feuer. Solche Gewitterregen sind ja meist lokal begrenzt und der Wind verteilt den Smog von außerhalb bald wieder gleichmäßig über das Land. Es braucht schon mehrere solcher Schauer und öfter, dann hört auch die Zündelei auf, dann brennt es nicht mehr so gut. 


Sa 20.04. Phonsavan (km 18.417)

Ich schätze, dass die Hälfte der brandgerodeten Wälder völlig sinnlos abgebrannt werden. Es ist eine lange Geschichte, warum tropische Böden viel weniger Nährstoffe enthalten als die in gemäßigten Breiten und auch weniger Kapazität haben, Nährstoffe zu speichern. Um so wichtiger ist es, dass die Pflanzenreste auf und in der Erde verrotten und so die Nährstoffe wieder an die neuen Pflanzen abgeben. Die Asche enthält zwar auch noch die meisten davon, aber der Boden kann sie in der konzentrierten Form gar nicht alle aufnehmen, außerdem müsste es dazu erst mal regnen. Das tut es aber so gut wie nicht und bis zur Regenzeit hat sie der Wind weggeblasen. Nun siedeln sich unter den neuen, schlechteren Bedingungen wieder die ersten genügsamen Pionier Pflanzen an, hauptsächlich irgendwelche Schilfarten. 

Vor 50 Jahren hatte Laos 2 Millionen Menschen, heute sind es 7. Wenn die Bauern damals eine begrenzte Fläche abgebrannt haben um sie für landwirtschaftliche Zwecke, meist für den Eigenbedarf zu nutzen, haben sie sich auch an Fruchtwechsel und Brachzeiten gehalten. Trotzdem war der Boden irgendwann ausgelaugt, sie mussten ihn aufgeben und ein neues Feld "roden". Irgendwann hat der Urwald die Lücke wieder geschlossen, so hielt sich der Schaden in Grenzen. Für viele Kleinbauern hat sich seitdem nichts geändert, wenn man ihnen diese Bewirtschaftungsform nun verbietet, bedroht das ihre Existenz. Aber das macht nur einen Bruchteil der Feuer aus, den Rest muss man sofort verbieten. Den Europäern schlage ich Sanktionen gegen solche Länder vor, die gestaffelt mit jedem Feuer größer werden. Gilt auch für China, Indien oder Brasilien. Sonst werden unsere Bemühungen, CO2 zu sparen, nichts helfen. 

Mo 22.04. Phonsavan (km 18.447)

Das Ph wird als P gesprochen und nicht als F. Phonsavan ist ein großes Dorf mit 60.000 Einwohnern. Aber ich habe jetzt mein Vietnam Visum. Noch nicht ganz, es ist ein e-Visum, die Bestätigung bekomme ich in 2-3 Tagen per E-Mail. Mein Laos Visum läuft noch bis 04.04. an diesem Tag beginnt das Vietnam Visum.

Heute habe ich mir wieder mal neue Laufschuhe gekauft, für umgerechnet 18€, das waren die billigsten bisher, die haben jetzt die Nummer 8. Ich kann sie ohne Probleme sehr lange nutzen, durchschnittlich über 2000 km, bis die Sohle durch ist (diesen Neuen traue ich aber nicht so viel zu). Durchschnittlich laufe ich noch knapp 10 km pro Tag, den Rest gehe ich. Hier in den Bergen  noch weniger weil schwieriger. Deshalb halten die Schuhe auch länger. 

Viele Läden schmücken sich mit den Bomben aus dem Vietnamkrieg, eine sarkastische Folklore. Ich hoffe sie haben diese Mordinstrumente wenigstens entschärft. Ich habe schon einige entsetzlich entstellte Menschen gesehen. 

Ich glaube, die Regenzeit ist da, Hurra. Letzte Nacht hat es wieder heftig geregnet und heute tagsüber 2 mal getröpfelt. Und die Luft ist deutlich besser, zumal der Regen auch mit mehr Wind verbunden ist. Und es ist nicht mehr so heiß. 

Di 23.04. Nak Ho (km 18.469)

Auch hier wurde die natürliche Vegetation abgefackelt. An der Abbruchkante kann man genau erkennen, dass der Humus nur höchstens ein paar Millimeter dick ist. Das darunter ist Lehm.

Ich bin auf dem Weg zur "Ebene der Tonkrüge". Bin schon fast da, aber jetzt ist es finster und hier ist wieder ein Tempel wo ich umsonst übernachten kann. 

Weil das Vietnam Visum so flott ging, habe ich jetzt noch 12 Tage in Laos zur Verfügung, bis zur Grenze brauche ich 5. Also habe ich beschlossen, mir wohl oder übel doch ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Diese Krüge sind nicht aus Ton, sondern aus Sandstein gehauen, verschieden groß und bis zu 6 Tonnen schwer. Wie sie dorthin gekommen sind und wozu, wer sie angefertigt hat und wofür, das weiß kein Mensch. Das Alter schätzen sie auf 1500 bis 2000 Jahre. Vielleicht erfahre ich morgen mehr. 


Fr 26.04. Thuang (km 18.520/H 1140)

Es sind tatsächlich Krüge, aber sie sind weder aus Ton noch aus Sandstein, sondern aus einem wesentlich härteren Fels gehauen. Und sie liegen auch nicht in der Ebene, sondern auf Hügeln in der Ebene. Und es soll an die 90 solcher Krugsammelplätze geben. 

Der Mensch hinter diesem Krug ist Stefan, ein Archäologe mit Leib und Seele aus Deutschland. Ich habe ihn auf dem Weg dorthin kurz vor dem Ziel getroffen. Wir sind nun schon 3 Tage zusammen und ich bin von ihm schwer beeindruckt. Er war schon überall auf der Welt, sogar in der Antarktis, sagt aber, er braucht noch 258 Jahre um alles zu sehen was ihn interessiert. Er geht auch das meiste zu Fuß oder trampt und trägt sein Gepäck. Er redet ohne Punkt und Komma, aber es ist so spannend, dass ich gar nicht genug davon kriegen kann. Er kommt gerade aus China und Vietnam und dort hat es ihm wesentlich besser gefallen als in Laos. Nach seinem Urteil sind die Krüge tatsächlich aus einem Stück gehauen und ausgehöhlt und zwar mit Eisen-Werkzeug. Das erkennt er an den Bearbeitungsspuren. Ich denke es ist eine Lebensaufgabe für einen Menschen, so einen Krug mit Hammer und Meißel auszuhöhlen. Morgen wollen wir zusammen nach Muang Khoun gehen. Diese Stadt wurde von den Amerikanern im Vietnamkrieg mit Bomben dem Erdboden gleich gemacht und war vorher die Hauptstadt der Provinz. Seit 1970 etwa ist es Phonsavan. Dort wurde die Hauptstraße erst 2004 asphaltiert und erst 2006 bekamen sie Strom. 

So 28.04. Phonsavan (km 18.600)

Mein heutiges Ziel: ein kleines Kloster auf einem Hügel nahe Phonsavan. In der Nähe liegt die "jar site 1", das ist ein weiterer Krugsammelplatz. Den will ich mir morgen auch noch anschauen. Heute morgen habe ich Stefan wieder verlassen, er will sich noch mehr in Muang Khoun ansehen, dann dorthin wo ich herkomme, nach Luang Prabang und dann weiter nach Thailand. Ich muss langsam zurück nach Phonsavan und dann nach Vietnam. Hinter Muang Khoun gab es auch solche Krüge, schwer zu finden, keine Wegweiser, Google kennt den Platz auch nicht. Das hat aber den Vorteil, dass dort noch kaum Touristen waren. Die lassen ihren Müll auch dort überall fallen wo sie grad stehen und haben auch keine Skrupel, die Krüge zu Mülleimern zu degradieren. Bevor Stefan ein Foto macht, muss er immer erst allen Müll penibel wegräumen. Wissenschaftliche Fotos mit Müll gehen gar nicht. Und hier waren die Krüge aus einem anderen Stein. Am ersten Platz wo wir waren, waren sie aus Gneis, und hier aus einem Konglomerat mit Quarz. Obwohl dieser Stein wohl kaum weicher ist, waren die Krüge wesentlich stärker verwittert. Stefan ist sich sicher, dass sie älter sind. Er führt schon seit Jahren einen Kampf gegen die etablierte Archäologenschaft, weil er überzeugt ist, dass deren Altersschätzungen immer viel zu kurz sind. Auch hier rechnet er mit 500 Jahren mehr. 

Mo 29.04. Phonsavan (km 18.615)

In diesem Kloster fand ich einen Mönch der deutsch spricht. Er hat in der DDR studiert und es hat ihm sehr gut gefallen. Vor allem die deutschen Mädchen. Khong heißt er. Während wir heute morgen Kaffee tranken kam der Bürgermeister von Phonsavan um ihn zu erinnern, dass er und seine Kollegen das Kloster verlassen müssen. Und das macht er jeden Tag. Sie müssen umziehen in ein anderes Kloster in Phonsavan, weil dieses hier umgebaut wird zu einem Museum. 

Diese Baustelle sieht man auf dem Bild von gestern nicht, weil sie genau dahinter liegt. Auf dem Betonsockel steht in ein paar Monaten der größte Buddha von Laos. Total vergoldet (nicht echt), die Einzelteile liegen schon überall herum.

Die jar site 1 ist die größte und interessanteste die ich bisher gesehen habe. Jetzt glaube ich nicht mehr, dass diese Krüge von irgendwo hergeschafft wurden, sie wurden an Ort und Stelle bearbeitet. Dort liegen nämlich noch jede Menge unbearbeitete Felsbrocken herum, aus dem selben Material. 

Mi 01.05. Muang Kham (km 18.666 / H 600)

Das ist die Werbetafel einer Gaststätte und darauf steht, dass sie das Fleisch dieser Tiere zum Verzehr anbieten. Ich musste schon mal Hund essen und wäre nie darauf gekommen. Ich hielt es für Lammfleisch. Nachdem sie mich aufgeklärt hatten, konnte ich es nicht mehr essen. Es hat mich gewürgt. Auch Frosch habe ich mal probieren müssen, mit dem selben Ergebnis. Mein Kopf spielt da nicht mit.

Die Kinder in Laos können lebendige Insekten essen wie wir Kirschen oder Beeren. 

Fr 03.05. M. Nonghet (km 18.730 / H 1400)

Es regnet jetzt und hier fast jeden Tag, dankenswerterweise meistens Nachts. Das trocknet dann tagsüber wieder und Abends kokeln immer wieder irgendwo einige Feuer. Aber nicht mehr so viele, die Luft ist nun schon deutlich besser. Die Temperatur liegt zwischen 20 (Morgens) und 35 Grad.

Ich bin 15 km vor der vietnamesischen Grenze, morgen ist mein Visum für Laos zu Ende. 

12:30 Uhr: ich bin an der Grenze, aber die machen eineinhalb Stunden Mittagspause. So nutze auch ich die Zeit für ein Mittagessen und just während ich in der Gaststätte sitze, regnet es, und zwar heftig. Drüben gibt es nur ein kleines Dorf und dann lange nichts, da weiß ich nicht, wann und wo ich eine neue Sim Karte bekomme. Eine halbe Stunde später scheint wieder die Sonne.