Blog 30 Malaysia / Singapur

Fr 19.07. Jitra (km 21.168)

Es war wieder alles sehr einfach. Ich kann ohne Visum, nur mit Einreise Stempel im Pass, 3 Monate bleiben, umsonst. Will ich aber gar nicht. So muss ich mich aber nicht stressen, ich denke ich werde in 4 bis 5 Wochen in Singapur sein.

Ich musste meine Uhr nochmal um eine Stunde vordrehen. Eine meiner Meinung nach völlig falsche Zeitzonen Wahl. Die Sonne geht so erst um 07:10 auf und um 19:40 unter. Das bedeutet, sie erreicht ihren höchsten Punkt erst um 13:25. Selbst am östlichsten Ende von Malaysia auf Kalimantan (Borneo) bloß 40 Minuten früher. Ja die Tageslänge bzw. - kürze dauert hier nur 12einhalb Stunden. Ich bin jetzt wieder am 6. Breitengrad, das ist die gleiche Breite, die ich letztes Jahr an der Südspitze von Sri Lanka erreicht hatte. 

So 21.07. Guar Chempedak (km 21.222)

Das Flohproblem welches ich befürchtet hatte aber überzeugt war, es mit List und Tücke gelöst zu haben, ist wieder da. Ich weiß nicht, ob sie von den Toten auferstanden sind oder ob einige überlebt haben oder ob es neue sind, jedenfalls hat sich ihre Population erholt und sie sind letzte Nacht wieder massenhaft über mich hergefallen. Zum Glück war heute wieder eine ausreichend lange wolkenlose Phase, da konnte ich sie gleich dem nächsten Sonnenbad aussetzen. 

Montag früh: Puh, diese Flöhe sind schon eine harte Strafe und ich weiß nicht mal wofür. Habe wieder wenig geschlafen, sie machen mich wahnsinnig. Ich spüre wirklich, wie sie mich anspringen, ihr krabbeln auf der Haut und wenn sie zubeißen. In Wirklichkeit ist alles eingebildet, Phantomschmerzen. Sie sind tot. Das Sonnenbad hat gewirkt. Aber die Bisse der letzten Nacht schmerzen und jucken immer noch als wären sie neu. Erst jetzt, am nächsten Morgen, kann ich feststellen, es sind keine neuen dazugekommen. Ich muss diese Sonnenbäder vermutlich länger fortsetzen. Wer weiß, wo die ihre Eier verstecken, aus denen der Nachwuchs strömt. 

Di 23.07. Butterworth (km 21.285)

Ja, der Ort heißt so und liegt im Nordwesten von Malaysia. Direkt davor im Meer liegt die Insel (Pulau) Pinang und nochmal 200 km weiter kommt schon Sumatra, die zweitgrößte Insel von Indonesien, nach Borneo. Das Meer dazwischen ist die Straße von Malakka. Die letzten Tage habe ich wieder in buddhistischen Tempeln geschlafen. Die sind zwar seltener zu finden als in Thailand weil hier nur 20% der Bevölkerung Buddhisten sind, außerdem hat Malaysia insgesamt viel weniger Menschen, aber es gibt sie doch auch (die Tempel). Und über das Internet findet man alles. Manchmal kann ich es immer noch nicht fassen, wie einfach das alles heutzutage geht. Ich komme ja noch aus einer ganz anderen Zeit.

Ich habe auch mal in einer Moschee gefragt ob ich da mein Zelt aufstellen darf, aber die haben so kategorisch abgelehnt, dass ich mich nicht nochmal getraut habe.

Meine Flöhe müssen jetzt täglich in den Backofen, ich habe auch keine neuen Beißwunden mehr, aber die alten schmerzen und jucken immer noch, nach mittlerweile 3 Tagen. Wenn man sichs wie ich nicht verkneifen kann zu kratzen, dann hört das vermutlich nie auf. 

Mi 24.07. Georgetown (km 21.297)

Heute hatte ich fast einen Ruhetag. Ich bin mit einer Fähre nach Pinang rüber gefahren und habe mich hier zur Abwechslung wieder mal in ein Hotel einquartiert. Der Ticket Verkäufer am Fährterminal fragte mich aus, weil ich ja eine auffallend komische Gestalt bin, und dann wollte er kein Geld von mir. Er meinte, ich kann einfach so auf das Schiff gehen. Hat auch funktioniert, niemand wollte ein Ticket sehen.

Hier gibt es eine Menge Touristen, das Hotel hier ist voller Backpacker. Einige von ihnen müssen jobben, um ihre Reisekasse aufzubessern, und sie arbeiten 50 Stunden die Woche für einen Hungerlohn von 300,-€ im Monat. Ich habe vor, die Insel in den nächsten 2 Tagen zu umrunden. Ich habe angenehme Erinnerungen an Qeshm, vielleicht können einige sich erinnern, das war im Iran, eine Insel im persischen Golf, genauer gesagt in der Straße von Hormus, dort wo die Iraner jetzt die entführten Schiffe verstecken. Ich vermute, so ein Abenteuer wäre jetzt nicht mehr möglich. 

Fr 26.07. Bayan Lepas (km 21.354)

Das ist die Nordküste. Fast nur steil und felsig. Ich gehe im Gegenuhrzeigersinn, die Insel misst in Nord-Süd Richtung etwa 30 km, in Ost-West Richtung 20. Jetzt bin ich an der Südküste, dies hier ist eine Großstadt, bisher habe ich noch nichts vom Meer gesehen. Auch nicht im Osten, dort führt die Straße über die Berge, die sind aber nicht sehr steil und hoch, der höchste Pass war 220 m hoch. Dort in der Wildnis, wo es nur noch Durian Farmen gibt, haben sie mich im einzigen Tempel weit und breit abgewiesen. Also musste ich mal wieder im Dschungel übernachten. Ist auch kein Problem für mich. Übrigens stinkt die ganze Insel penetrant nach Durian. Die sieht so ähnlich aus wie die Jackfruit, hat aber größere und spitzere Noppen. Auch innen ist sie ähnlich konstruiert, schmeckt aber ganz anders und stinkt erbärmlich. Wie Stinkkäse. Viele lieben und begehren sie, manche hassen sie, ich stehe dazwischen. Sie reißt mich nicht vom Stuhl, aber der Gestank ist schon heftig. Und sie wird sauteuer verkauft. 20 Ringgit das Kg, das sind etwa 4,50 €. Das ist etwa das 10fache von dem, was andere Früchte durchschnittlich hier kosten. Verstehe ich nicht. Vermutlich ist die Nachfrage größer als das Angebot. Durian Farmer müsste man also dort sein. Heute schlafe ich in einer Moschee. Die haben hier sogar ein Gästezimmer. Zwar kein Bett, ich habe meine Isomatte auf dem Teppichboden ausgebreitet, mein Leintuch drüber und das Moskitonetz. Aber das wichtigste und das beste ist die Dusche. 

Sa 27.07. Perai (km 21.385)

Seit meiner Abreise aus Deutschland arbeite ich an einem Problem, ich weiß nicht wie es heißt und woher es kommt und warum, ich habe es solange wie ich zurückdenken kann. Aber vielleicht kennt der eine oder andere das auch. Am Beispiel der Moscheen kann ich es gut erklären. Wenn ich einmal abgewiesen wurde, dann traue ich mich lange nicht mehr, nochmal zu fragen. Wenn ich es dann doch wieder tue, kostet es mich mehr Überwindung, ich muss da gegen irgendwelche inneren Widerstände ankämpfen. Und wenn ich Glück habe und es klappt, dann ist alles vergessen und geheilt. Denke ich, doch bei der nächsten negativen Erfahrung ist es sofort wieder da. Als ob ich alle anderen dafür mitverantwortlich machte. Dies muss man eindeutig als Behinderung sehen. Ich weiß, dass es ungemein nützlich ist, über die eigenen Probleme zu reden oder zu schreiben, das hilft sie zu verstehen und wenn man erstmal einen Namen dafür hat, ist die Lösung nicht mehr weit. Sich ins stille Kämmerlein zurückzuziehen, so wie ich es immer gemacht habe, ist der schlechteste und langwierigste Weg. 

Mein Rückweg von der Insel auf die Halbinsel war nicht schwieriger, aber länger als ich dachte. Im Norden gibts eine Fähre zwischen Butterworth und Georgetown, in der Mitte und im Süden gibt es 2 lange Brücken. Die südliche soll mit ca 20 km die längste von ganz Asien sein. Die wollte ich nehmen, ich habe es als Herausforderung betrachtet. Aber schon nach 2 km stoppte mich die Polizei und brachte mich zurück auf die Insel. Dass ich das nicht will hat sie überhaupt nicht interessiert. Ich kann einen Bus nehmen. Sie brachten mich zur nächsten Bushaltestelle und verabschiedeten sich freundlich, nicht ohne noch ein paar Selfies zu machen.

Es gibt aber keinen Bus der nur über die Brücke fährt oder mich drüben aussteigen lässt, das ist alles nur Fernverkehr. Ich kann nach Kuala Lumpur fahren. Der Nahverkehr fährt nicht über die Brücke. Ich muss also nach Georgetown fahren, mit der Fähre rüber und dann mit einem Bus in die Nähe vom anderen Ende der Brücke. Danke, das kann ich auch zufuß machen, ist halt eine Tagesreise mehr.

So hab ich das auch gemacht. 

Di 30.07. Terong (km 21.480)

Mi 31.07. Bagan Panchor (21 507)

Die Moscheen sind jetzt fast mein Lieblings-Übernachtungsplatz geworden, wenn nur nicht diese schrecklichen "Gesänge" wären. Und die sind weltweit die selben. Das ist kein Singen, das ist ein heulen und wimmern, da kollabiert jedes musikalische Harmonie Bedürfnis. Die Buddhisten sind nur ein bisschen besser, die Hindus haben wenigstens ordentliche Melodien. Dafür sind die Buddhisten in der Lautstärke zurückhaltender. Am schlimmsten waren darin die Türken, dort musste ich mir manchmal die Ohren zuhalten, wenn ich an einer Moschee vorbei kam, deren Lautsprecher grad dröhnten. Aber doch, das ist auch in Indien vorgekommen. 

Sa 03.08. Taman Semesti (km 21.605)

Hier am Festland sind die Durian (links) nicht so teuer wie auf Pinang, liegt sicher auch am Tourismus. Rechts das sind Jackfruits, sehr kleine Exemplare. Ein Straßenverkäufer überredete mich zu einer Pause und brachte mir so eine kleine Durian. Das war jetzt der 2. Versuch und diesmal hat sie mir schon besser geschmeckt. Vielleicht gewöhnt man sich daran, oder es kommt daher, dass ich jetzt weiß wie gesund sie sind. Demnach handelt es sich auch bei der Durian um Superfood. Diese hatte aber auch noch große Kerne, so dass der nutzbare Fruchtfleisch Anteil sehr gering war, ich schätze unter 10%. Ich habe die Hälfte davon geschafft und nachdem er meine Geschichte kannte, kostete die noch 2,50 Ringgit (10 Eurocent). Ich fühle mich manchmal betrogen von den Verkäufern, aber oft werde ich gesponsort, so wie hier. Ich denke, das gleicht sich aus. Wenn ich mich betrogen fühle, protestiere ich nur selten, nur wenns mir sehr krass vorkommt. Die Asiaten sind so bescheiden, ich gönne ihnen die Freude, wenn sie an mir mal das doppelte verdienen und das ist immer noch so wenig, dass ich mich schäme, darum zu streiten.


Mit dem Flohproblem kämpfe ich immer noch, bzw mit den Folgen. Das sind mittlerweile 30 Tage. Spätestens nach dem 2. Angriff von ihnen habe ich sie aber erfolgreich ausgerottet. Und jetzt habe ich eine Allergie gegen das Zeug, das ich mir zur Vorbeugung auf die Haut geschmiert habe. Das hatte Anfangs eine Ähnlichkeit mit den Flohbissen, sah so aus und fühlte sich auch so an, dass ich es erst nicht glauben konnte. Und dann habe ich auch noch ein einziges Exemplar von Floh gefunden, das aber wahrscheinlich gar nichts mit mir zu tun hatte. So habe ich den Glauben an die Allergie Diagnose verloren und diese Insektizide weiter benutzt. Obwohl ich schon lange keine Flöhe mehr gesehen habe, und ich die Sonnenbäder lange fortsetzte, blieben die Symptome bestehen, deshalb ging ich nochmal in eine Klinik. Hier in Südostasien muss man immer in eine Klinik, wenn man einen Arzt braucht. Ich kam an eine junge Ärztin und die sagte auch sofort Allergie. Weil auch mein Bauch links und rechts vom Nabel betroffen war, dachte ich schon an Gürtelrose, aber das hat sie kategorisch ausgeschlossen. Sie verschrieb mir auch wieder eine Salbe und Tabletten und ich glaubte wieder fest und ohne jeden Zweifel an die Richtigkeit ihrer Diagnose und an die Wirksamkeit der Medikamente (alles zusammen knapp 10 €). Was kann ich auch anderes tun? Der Plazebo Effekt ist erwiesen, wenn man glaubt, dass es hilft, dann hilft es auch, wenn man es nicht glaubt, dann nicht. Und was soll ich sagen, es hilft hervorragend. Schon nach der ersten Anwendung. Das mach ich jetzt seit 2 Tagen, und heute habe ich festgestellt, dass mein Schweiß die Symptome wieder befeuert, aber nur da, wo die Pusteln noch nicht ganz weg sind. Ich soll ja die Salbe nur 2 mal täglich auftragen, aber mein Schweiß spült sie ja weg, so werde ich es morgen mittag zusätzlich machen. Und vorher den Schweiß abwaschen. Dann schätze ich, sie sind übermorgen weg.

Ich hatte schon Depressionen von den vielen negativen Gedanken die mir durch den Kopf gingen, fühlte mich schwach und krank und als ich vorgestern mit der neuen Diagnose, den Medikamenten und neuer Hoffnung aus der Klinik kam, war alles wie weggeblasen und ich fühlte mich euphorisch und voller Tatendrang, ich hätte Bäume mit bloßen Händen ausreißen können. Meine Stimmung hat einen sagenhaften Einfluss auf mein Wohlbefinden und meine Leistungsfähigkeit. So deutlich habe ich das noch nie erlebt (oder einfach nicht verstanden). 

Di 06.08. Kuala Selangor (km 21.698)

Jetzt weiß ich endlich, wo das Palmöl herkommt. Es gibt 1000 verschiedene Palmenarten. Diese trägt sehr ölhaltige Früchte in dicken Büscheln zwischen den Blättern. Ich habe eine gekostet, reines Öl. Und es gibt hier fast nur noch Palmöl Plantagen.

Meine Allergie ist noch immer nicht ganz weg, aber es wird jeden Tag besser. Ein Ruhetag würde helfen, aber jetzt lohnt es sich nicht mehr, morgen verschwinden die letzten Pusteln.

Heute bin ich wieder mal abgewiesen worden, als ich nach einem Schlafplatz gefragt habe, und siehe da, es hat mir nicht das geringste ausgemacht. Ich habe mit ihnen diskutiert und dabei erfahren, dass es bei größeren Moscheen schwierig ist, weil die strengere Sicherheitsregeln haben. Einer brachte mich daraufhin zur nächsten kleinen Moschee und hier bekam ich sogar ein Zimmer mit Klimaanlage. Wunderbar, das beschleunigt meine Genesung (jetzt ist ja mein Schweiß das letzte Problem, deshalb entzünden sich die Pusteln immer wieder).

Sieht so aus, als hätte ich eines meiner größten Probleme, das ich mein ganzes Leben lang streng gehütet und verheimlicht habe, allein durch die Veröffentlichung gelöst. Als Kleines Kind ist man ja von der elterlichen Fürsorge abhängig und wenn das mal nicht wunschgemäß klappt, dann kann das beim Kind schon existenzielle Ängste auslösen. Vielleicht gab es bei mir mal einen krassen Vorfall oder mehrere, das wird sich wohl nicht mehr aufklären lassen. Ist ja auch egal. Ich möchte meinen Eltern posthum keine bösen Absichten unterstellen. Überfordert waren sie mit Sicherheit so manches Mal. Ich habe noch 3 ältere Geschwister und je nach dem, wann dieser Vorfall war, 3 Jahre später waren wir schon 6, zum Schluss schließlich 9 Kinder. Ich habe mich oft über irrationale Ängste anderer lustig gemacht (z.B. der Archäologe und die Mäuse), das waren alles nur Annäherungsversuche an meine eigenen. 

Mi 07.08 Bukit Kuching (km 21.715)

Diese Früchte heißen überall in Südostasien Rambutan. Durchmesser etwa 3 bis 5 cm. Die Schale kann man mit den Daumennägeln öffnen, den Kern muss man vorsichtig behandeln, er zerbröselt leicht und schmeckt greislig. Aber das Fruchtfleisch ist supergut. Ich kenne keinen Vergleich in Europa. 

Sa 10.08. Kuala Lumpur (km 21.760)

KL ist die Hauptstadt von Malaysia und hat wohl über 8 Millionen Einwohner. Das ist die für mich bisher schrecklichste Stadt, durch die ich mich quälen muss. Ich bin erst im Nordosten und komme kaum vorwärts. Außer den Autobahnen gibt es keine brauchbaren Straßen. Es gibt tausend Stadtviertel oder genauer - tausendstel, und alle sind angelegt wie Inseln. Sie sind von den Autobahnen umzingelt und die sind meist 4 bis 8 spurig, haben keine Gehwege, nicht mal Randstreifen. Meistens haben sie (die Stadttausendstel) nur einen Eingang der auch der einzige Ausgang ist. Es ist also unmöglich, abseits der Autobahnen von einem Viertel ins nächste zu gehen und wenn es doch mal geht, dann ist der Weg 3 mal so lang, da kapituliert sogar google maps und führt mich ausschließlich über diese höllischen Autobahnen. Und ich will zur Botschaft von Indonesien, um ein Langzeit Visum zu beantragen. Indonesien ist von Nordwesten bis nach Südosten etwa 8000 km lang. Mein Weg wird zwar kürzer, aber ich rechne mit einem halben Jahr. Und diese Botschaft liegt östlich der Stadtmitte, das sind auf den Highways noch 25 km. Ich fürchte, ich komme dort nicht lebend an. Man stelle sich den Mittleren Ring in München vor, ohne Gehweg, ich muss also auf der rechten Seite, da Linksverkehr, meistens auf der Fahrbahn gehen und die Verkehrsdichte ist höllisch. In den Augen der Kraftfahrer bin ich auf der falschen Seite, das ist in Asien eben so, ich bin also für sie ein illegales Hindernis. Und manche wenige glauben mich für mein Fehlverhalten bestrafen zu müssen und fahren absichtlich nah an mir vorbei. Sie wollen mich nicht töten, sondern nur vergrämen, aber das ist immer noch das kleinere Übel im Vergleich mit der linken Seite. Diese Hölle von hinten, das geht gar nicht. Und dann gibt es noch jede Menge Baustellen, da wird es manchmal so eng, dass weder ich, noch die Lastwagenfahrer wissen, wie das gehen soll. Ich weiß schon, ich sollte einen Bus nehmen, ich überlegs mir noch. Inzwischen habe ich sowas wie einen Ehrenkodex, der mir das verbietet, oder eine Trotzhaltung.


Seit 2 Tagen wohne ich in einem Hotel mit Klimaanlage, meine Allergie stagniert, es will einfach nicht ganz verschwinden. Wenn ich keine Lösung für ein Problem kenne, dann muss ich eben experimentieren, und ich glaube, ich brauche eine schweißfreie Auszeit. Hier im Hotel ist es deutlich besser geworden, ich entscheide morgen, wann ich weitergehe. 

So 11.08. KL

So sieht es in meinem Tausendstel aus. Ich bin auch noch einen 3. Tag hiergeblieben um mich auszukurieren und zu regenerieren. Jetzt glaube ich, ist es aber genug (sicher wissen kann ich es nie). Ich habe nichts gemacht, nichts unternommen und nichts angeschaut. Habe überhaupt keinen Bock auf diese Straßen und die Sonne. Morgen werde ich versuchen, mit einem Bus zur Botschaft zu fahren. 

Mo 12.08.KL

Nein, ich bin noch nicht zur Botschaft gefahren, ich habe mich doch noch nicht aus meinem Hotel getraut. Meine Allergie Symptome werden zwar besser, aber ich habe Zweifel, ob das schon ausreicht. Ich möchte keinen Rückfall riskieren. Ich muss mich vorsichtiger ausdrücken: vielleicht morgen. 

Fr 16.08. Seremban (km 21.854)

Die letzten Tage konnte ich plötzlich und mir vollkommen unerklärlich meine Webseite nicht mehr öffnen. Ich habe dann heute den Reinmund zu Hilfe gerufen und der wusste natürlich die Lösung. Jetzt geht es wieder, aber ich erzähle besser der Reihe nach. 

Ich bin dann tatsächlich am Dienstag aufgebrochen und ein Stück mit einem Bus gefahren. Es gibt in Kuala Lumpur auch kostenlose Busse! Die Botschaft lag im Südosten, und nach einer Fahrzeit von über einer Stunde kreuz und quer sagten sie mir, wir hätten die Endstation erreicht. Und die lag 5 km Luftlinie entfernt südlich vom Ausgangspunkt. Entfernung von hier bis zur Botschaft: 24 km. Das hat also eigentlich nichts gebracht, außer dem Vorteil, dass ich hier bessere und gehbare Wege fand. Und je näher ich zum Zentrum kam, desto besser wurden sie. KL ist also innen hui und außen pfui. 

Sogar jede Menge überdachte Gehwege haben sie hier. Das Zentrum ist dermaßen neu und modern, das könnte auch London oder Paris sein. Und der Rest ist zu 75% Baustelle. Und die Preise sind doppelt so hoch wie auf dem Land, also die Hälfte vom mitteleuropäischen Preisniveau.

Ich kann jetzt sagen, Malaysia ist bis jetzt die Nummer eins in Südostasien, was Entwicklung und Modernität angeht. Hier kann fast jeder englisch und die wenigen, die behaupten sie könnten es nicht, verstehen es aber. Platz 2 teilen sich Thailand und Vietnam, Laos liegt etwa mit Myanmar auf Platz 3 und Kambodscha ist das Armenhaus auf Platz 4. Trotzdem sind die sozialen Unterschiede und Ungerechtigkeiten genau so krass wie in ganz Südostasien, nein wie überall auf der Welt. In Mitteleuropa ist es geringfügig besser, hier haben sich die Menschen schon etwas mehr Schutz vor dem Raubtier-Kapitalismus erkämpft. Gewerkschaften sind in Asien so gut wie unbekannt. Und wenn sich die Leute nicht organisieren und ihre Kräfte bündeln, dann haben sie eben nichts zu melden und so können die Arbeitgeber machen was sie wollen. Auch der Staat gehört ihnen und da wird natürlich überhaupt nichts reguliert.


Die indonesische Botschaft habe ich erst am Mittwoch erreicht. Das Visum dauert 7 Werktage, also bis übernächste Woche. In Singapur, sagten sie mir, gehts in einem Tag. Daraufhin habe ich mein Vorhaben sofort abgebrochen und mich auf den Weg nach Singapur gemacht. Immer Richtung Südosten. Die Außenbezirke sind verkehrstechnisch ähnlich beschissen wie der Nordwesten, teilweise wirklich lebensgefährlich. Für die Autos bauen sie 6 spurige Highways, teilweise zweistöckig, für die Fußgänger tun sie nullkommanichts. Ich finde das demütigend und beleidigend. Wer kein Auto hat ist wertlos. Ich hoffe, der Ein- oder Andere der Verkehrsplaner wird selber irgendwann überfahren.

Hier in Seremban gibt es einen Sikh Tempel (Gurdwara), den habe ich sofort angesteuert und war erfolgreich. Ich habe ein Zimmer mit Klimaanlage, bekam dieses Abendessen:

Ich liebe indisches Essen: Reis, Chapati, Kürbis,

Blumenkohl, das in der Mitte glaube ich ist Grünkohl, und rechts Bohnen. In der kleinen Schüssel süßer Pudding mit Gemüse, was das für Körner sind weiß ich nicht, sie sind weich. Dass mir jedes Essen so gut schmeckt, kommt auch daher, dass ich viel Energie verbrauche und mein Magen bekommt nicht so viel wie er will, ich nehme sonst ziemlich schnell zu und das kommt nicht in Frage. Ich bestimme was ich tue und was ich denke. 

Zum Nachdenken 

Sa 17.08. Rantau (km 21.882)

Ich habe tatsächlich keine Angst mehr vor einer Absage, dadurch hat sich mein Verhalten schon sehr verändert. Ich gehe jetzt noch viel offener und freundlicher mit den Menschen um als ich es eh schon gemacht habe, und genauso erwidern die Leute das. Ich kann jetzt völlig hemmungslos Fragen stellen, was mir mein ganzes Leben lang schwer gefallen ist und worum ich andere immer beneidet habe. Ich empfinde dies als enorme Bereicherung und Vereinfachung und Verschönerung meines Lebens. Ich hoffe, dass irgendjemand dies versteht. Ich behaupte immer dass ich diese Reise mache, weil ich die Welt sehen will, aber das ist nicht der einzige Grund. Langsam wird mir klar, dass ich mir damit eine Therapie verordnet habe, ohne mir diesen Zusammenhang bewußt zu machen. Auch die sportliche Herausforderung hat mich sehr gereizt und ich bin überzeugt, dass diese Aktion trotz aller Belastungen und Risiken sehr gesund für mich ist. Man kann beispielsweise mit radikalen Veränderungen der Lebensweise Krebs heilen oder verhindern, in meinem Fall vorbeugen (will ich glauben).

Heute schlafe ich in einem Hindu Tempel. Hier gibt es mehrere davon. Im ersten haben sie abgelehnt, dies ist der zweite Versuch gewesen und hier bekam ich sogar wieder ein Zimmer. Hier ist zwar alles extrem heruntergekommen und schmutzig, und hier gibts auch wieder schwule Mönche. Das interessiert und stört mich auch überhaupt nicht, solange sie mich nicht belästigen, aber das tun manche ziemlich hemmungslos. Ich möchte nicht sexistisch sein, aber ich glaube, diese religiösen Männergesellschaften sind der ideale Sehnsuchtsort für Schwule. Und wie die meisten Menschen gehen sie davon aus, dass alle anderen die selben Wünsche und Bedürfnisse haben wie sie selbst. Welch ein Irrtum. 

Mo 19.08. Batang Tiga (km 21.954)

Meine Allergie Probleme sind weg. Die Salbe, die mir die Ärztin verordnet hatte, verlor mit der Zeit immer mehr an Wirkung, ich vermute wegen der hohen Temperaturen in meiner Box. Also kaufte ich mir eine neue, sicherheitshalber mit einem anderen Wirkstoff (nicht dass irgendwas resistent wird). Und siehe da, 2 Tage später war alles gut. 

Mangostin, oder so ähnlich. Das Fruchtfleisch ist noch viel zarter als bei der Rambutan, es zergeht auf der Zunge. Nur die beiden größten Stücke haben harte Kerne, die der anderen kann man mitessen. Sie sind etwas kleiner als durchschnittliche Äpfel. 

Mi 21.08. Muar (km 22.014)

Lansi. Die haben durchschnittlich 3 cm Durchmesser und gehören wie die Rambutan zu den Seifenbäumen. Jetzt bin ich schon so lange in Asien und kann immer noch fast jeden Tag neue Früchte entdecken. Im Vergleich dazu haben wir in Mitteleuropa doch nur eine mickrige Auswahl.

Ich bin jetzt am +2. Breitengrad. Knapp südlich von Singapur, auf Sumatra werde ich dann den Äquator überqueren. Dies ist jetzt mein 2. Sommer in den Tropen und es ist nicht so schlimm wie letztes Jahr in Indien. 1. habe ich mich doch schon ein bisschen akklimatisiert und 2. eile ich jetzt der Sonne voraus nach Süden. Seit Nordvietnam ist der Abstand etwa konstant geblieben. Letztes Jahr bin ich mit der Sonne senkrecht über mir nach Norden gezogen. Aber in Indonesien wird sie mich irgendwann überholen, das ist dann wieder die heißeste Phase. 

Do 22.08. Kampung Mohamed Noor (km 22.053)

Ich muss nochmal in die Klimadebatte eingreifen: ja, auch ich denke, wer jetzt noch mit einem fetten SUV durch die Gegend fährt, verprasst unsere Überlebenschancen und hat die Kritik, die er/sie sich jetzt anhören muss, verdient. Auch ich finde ihr Verhalten egoistisch, dumm und rücksichtslos. Warum sollen wir so etwas tolerieren? Unabhängig davon, ob er/sie an einen menschengemachten Klimawandel glaubt oder nicht, keine/r kann sich mehr rausreden, er/sie hätte es nicht gewusst. Bald schon muss der Tag kommen, an dem jegliche CO2 Emission verboten wird.

Jeden Tag gibt es neue Hiobsbotschaften, was die Entwicklung im Klimawandel betrifft. Das zeigt doch, dass wir den Ernst der Lage noch immer unterschätzen. Und Leugnen sollte wie beim Holocaust verboten werden, damit man Leute wie das Trumpeltier wenigstens nach seiner Amtszeit zur Rechenschaft ziehen kann. Die leugnen nämlich, um sich weiter ungeniert bereichern zu können. Ein "nach mir die Sintflut" sollten wir auch nicht länger tolerieren. Ich gebe zu, langsam wird es ungemütlich. So oder so. Die Folgen des Klimawandels wie die Schutzmaßnahmen dagegen. Wer jetzt noch an ein "weiter so" denkt, hat es nicht kapiert und wird scheitern. Hoffentlich nicht wir alle mit ihm.

Zum Schutz des Regenwaldes muss ich sagen, es scheint mir der Gipfel der Heuchelei zu sein, den Brasilianern Geld für den Schutz zu geben und gleichzeitig ihre Futtermittel zu kaufen, die sie auf den brandgerodeten Flächen anbauen. Ich fordere ein sofortiges Importverbot. 

Fr 23.08. Simpang Rengam (km 22.096)

Da gibt es immer noch Leute wie diese Vollkoffer von der AFD, die mich und alle die so denken wie ich, für bescheuert erklären, die alle Bemühungen zum Klimaschutz für ein sinnloses und zu teures Experiment halten und fordern, dieses sofort zu beenden. In diese Schublade stecke ich auch Trump, Broder, Tichy und Konsorten.

Bisher habe ich noch kein überzeugendes Argument gehört, das ihre Behauptungen stützen könnte. Sie beschränken sich meist eh nur auf Behauptungen und tun so, als wüssten sie es besser als die Wissenschaftler. Doch auch ihr Vorschlag ist ein Experiment, eine Wette auf ein Hirngespinst. Und die werden sie verlieren. Ich wünschte ja sie hätten recht und alles ist nur ein böser Alptraum, der schon bald wieder vergessen ist. Die Realität sieht leider anders aus. Wer wie ich auf so lange Erfahrungen mit dem Klimawandel zurückblicken kann, der weiß dass es vor 60 Jahren (ich kann es selbst immer noch nicht fassen) noch ganz anders war. In Oberbayern, im Landkreis Traunstein, auf durchschnittlicher Höhe, da waren -25 bis -30 Grad Celsius im Winter völlig normal. Und im Sommer gab es Hitzefrei wenn die Temperatur ausnahmsweise mal über +30 Grad stieg. Und die Alten starben an Hitzekollaps.

Die Naturgesetze gelten unerbittlich und wenn wir mit der CO2 Reduktion zu langsam sind, das heißt zu spät kommen, dann wars das eben. Auch das Leben auf diesem Planeten war schon immer ein Experiment und es ist unverzeihlich, das jetzt so leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Selbst wenn die Behauptungen unserer Gegner gleichwertig mit den Aussagen der Wissenschaft wären, wenn es also 50 zu 50 % stünde, würde das nicht das geringste ändern. Ein 50 % iges Todesrisiko gilt es zu vermeiden. Woher nehmen die bloß ihre Gewissheit? Die einzige mir einleuchtende Erklärung ist: die sind schwachsinnig. 

Sa 24.08. Bukit Batu (km 22.126)

Eine Palme mit Bananenblättern, die noch dazu flach aufgefächert aus dem Stamm wachsen. Ob sie auch Bananen gebären habe ich bisher noch nicht gesehen. 

Die Bundeskanzlerin hat bei ihrer Vereidigung geschworen, ich habe genau hingehört, dass sie zum Wohle des Volkes arbeiten und Schaden von ihm abwenden werde. Und was tut diese Regierung nun gegen den drohenden Untergang der Menschheit und damit auch ihres Volkes? Bremsen, verzögern, blockieren, verharmlosen, leugnen, sich lustig machen. Nach den letzten Wahlen haben sie versprochen, die Sorgen um den Klimawandel nun endlich ernst zu nehmen. Die CO2 Steuer hätten sie binnen weniger Tage oder Wochen auf den Weg bringen können und sie verschleppen dieses so wichtige Lenkungsinstrument bis zum Sankt Nimmerleins Tag. Es soll ja intelligentere Lösungen geben, aber was ist daran intelligent, die Lösung nochmal ein Jahr hinauszuzögern? Oder noch länger.

Beispiel Energiespeicher: es gibt so viele gute und schöne Vorschläge, Versuche und Prototypen die ihre geniale Tauglichkeit längst bewiesen haben, dafür braucht man keine teuren Lithium Ionen Akkus. Das Problem ist nur: sie bestrafen solche Energiespeicher mit einer Doppelbesteuerung. Es gibt ja mittlerweile und Gottseidank Zeiten, da bringen Wind und Sonne mehr Energie, als das Netz verkraftet. Dann müssen z.B. Windräder abgeschaltet werden und dafür müssen wir, die Verbraucher Schadensersatz zahlen. Diese Energie müsste aber gespeichert werden für Zeiten, wo Wind und Sonne nicht genug Strom liefern. Unter den gegebenen Bedingungen kann aber niemand einen solchen Speicher finanzieren und bauen. Er muss den Strom, den er in den Speicher einfüllt versteuern als wäre er ein Verbraucher. Und wenn er ihn (den Strom) dann wieder ins Netz zurück gibt muss er ihn nochmal versteuern, als wäre er ein Stromproduzent. Dabei handelt es sich um ein und denselben Strom, der nur zwischengelagert wurde. Das halte ich für eines der größten Hemmnisse bei der Energiewende und ist dümmer als die Gags der Schildbürger. Und das Problem ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Dieser Zustand wird bewusst beibehalten, um die Wende zu blockieren. Das ist keine Verschwörungstheorie. Diese Politiker haben Freunde in der Wirtschaft, die daran verdienen und sich eines Tages mit einem lukrativen Jobangebot revanchieren. Das ist die übliche Praxis. 

Ja, auch ich empfehle, solche Parteien zu zerstören, indem wir sie nicht mehr wählen. Laßt euch bloß nicht vom bayerischen Obermarkus einwickeln, der, seit er Kreide gefressen hat, versucht die Grünen mit Showeinlagen beim Umweltschutz zu überholen. Im Grunde ihres Herzens verstehen sie es nicht, wollen sie es nicht und tun sie es nicht, was jetzt nötig wäre zu tun.

Natürlich muss jeder Einzelne dazu beitragen und seinen CO2 Ausstoß verringern. Doch es wird nicht reichen, 20 oder 30 % weniger Energie zu verbrauchen. Wir haben das Problem mittlerweile so lange verschleppt, dass jetzt 80 bis 100 % nötig sind und zwar sofort. Nochmal 5 Jahre diskutieren geht nicht, auf gar keinen Fall. Und wenn die Amerikaner ihren Blödmann nächstes Jahr wieder wählen, dann gute Nacht. 

Mo 26.08. Johor (km 22.191)

Johor ist wieder so eine Horrorstadt wie Kuala Lumpur. Besteht nur aus getrennten und abgekapselten "Dörfern", Sackgassen, die man nicht durchqueren kann. Jedes solche Dorf hat Schule, Klinik, alle Geschäfte die ein/e Malaysianer/in braucht. Um durch die Stadt zu gelangen bleiben nur die Autobahnen dazwischen, und die sind nicht für Fußgänger gebaut, sondern für Autos. Hier kann man die schöne neue Welt erleben, wie sie sich jemand erträumt, der innerhalb einer Generation vom Mittelalter in die Zukunft katapultiert wird. Da ist das Auto ein realer Gott. Darüber hinaus gibt es nichts, wovon man noch träumen kann. Wozu soll da noch jemand zu Fuß gehen? Ist doch nicht nötig. Tut auch keiner mehr freiwillig. Auto, Auto, Auto! Und wer sich keins leisten kann, begnügt sich halt mit einem Motorrad. Und das in einer Zeit, wo der Planet stirbt und wir mit ihm.

Das sind hier nur die Luxus Hotspots, deshalb ist der durchschnittliche pro Kopf CO2 Ausstoß in Malaysia immer noch deutlich niedriger als z.B. in Deutschland, aber wenn das Fass voll ist, müssen schon alle beim Energieverbrauch sparen. Sonst wird es wohl nicht reichen. Aber was Asien betrifft, da sehe ich dunkelschwarz. Langsam setzen sich auch bei mir Pessimismus und Fatalismus durch. Morgen komme ich nach Singapur, und dort stelle ich es mir noch schlimmer vor. 

Singapur

Di 27.08. Jurong West (km 22.205)

Das ist ein westlicher Stadtteil von Singapur. Hier wohnt Jack, er hat mich gleich nach dem Grenzübergang abgeholt. Er kam mit dem Fahrrad und bis zu ihm nach Hause sind es noch ca. 20 km. Gut die Hälfte der Strecke saß ich auf seinem Gepäckträger. Er wohnt wie 80% aller Singapurianer in einem Hochhaus, morgen werde ich nachzählen wie hoch es ist, wie viele Stockwerke es hat. Er wohnt im 4. Was ich bis jetzt gesehen habe, ist alles viel pieker und feiner und größer (ich sage absichtlich nicht schöner) als beispielsweise in München oder Wien oder Hamburg. Diese Betonarchitektur, die Phase haben wir schon hinter uns, ist nicht schön. Außerdem fallen bei der Herstellung 60% Gewichtsanteile CO2 an. Das bedeutet, pro Tonne Zement 600 kg. Man muss den Zement nicht verbieten, man kann die Herstellung auch reformieren, so dass sie CO2 neutral wird, aber dazu müsste die Politik nachhelfen, was von diesen Pennern wiederum nicht zu erwarten ist (es macht einen Unterschied ob man ein Penner ist oder nur so heißt). 

Singapur hat 5,5 Millionen Einwohner, 1,5 davon sind Gastarbeiter.

Es gibt 2 Straßen nach Singapur, eine im Norden und eine im Nordwesten. Zwischen Malaysia und Singapur ist ein natürlicher Kanal, der macht die Stadt zur Insel. Die Brücke im Norden, so hab ich sie mir vorgestellt, ist aber keine Brücke sondern ein Damm. Und darauf liegen Pipeline, Eisenbahn und Autobahn. Letztere hat 4 Fahrspuren für Autos und je Seite eine für Motorräder. Die habe ich zum Gehen auserwählt und niemand hat gesagt, dass ich das nicht dürfte. Aber es wahr kein Vergnügen, der Verkehr ist auch hier höllisch. 

Das ist Jack. Unterwegs zeigte er mir einen Soldatenfriedhof, auf den Wänden sind die Namen von 24.000 gefallenen Soldaten aufgeschrieben. Diese Tragödie geschah 1941 - 42, da haben die Japaner den Briten die Insel abgerungen. Nach der japanischen Kapitulation übernahmen wieder die Engländer und die entließen die Stadt zusammen mit Malaysia und den seitdem zu Malaysia gehörenden Ostprovinzen auf Borneo 1963 in die Unabhängigkeit. Es gab aber von Anfang an Streit und schon 2 Jahre später (1965) stieg Singapur aus der Gemeinschaft aus und machte sich unabhängig. Die Malaysier waren ihnen einfach zu blöd (oder zu arm?). 

Mi 28.08. Sentosa

Ist eine kleine Insel gleich an der Südspitze von Singapur, so nah, dass man über eine Brücke (diesmal wirklich Brücke) zu Fuß rüber gehen kann. Dieser Weg wie auch die Insel ist wie Disneyland gebaut, ein einziger Vergnügungspark. Ich war noch nie in Disneyland, drum fand ich einige Attraktionen doch gelungen und interessant. Jack fuhr mit mir auf seinem Moped in die Südstadt, weil dort die indonesische Botschaft residiert. Das Visum ist nicht so einfach zu bekommen. Ich brauche ein Weiterreiseticket (den Flug nach Australien, ich suche noch nach einer Alternative) und einen indonesischen "Sponsor", so nennen sie ihn, das ist ein Bürge, der für mich haftet, falls mir das Geld ausgeht. Aber da gibt es Tricks, ist alles schon kommerzialisiert. Einige Reisebüros versprechen eine Lösung, die funktioniert wie eine Art Versicherung. Das probiere ich morgen aus.

Danach hat mir Jack Sentosa gezeigt. Im Westen der Insel gibt es noch Reste der Festung, von der aus eine bunt zusammen gewürfelte Truppe von Engländern Indern und Australiern eben damals vergeblich versucht hat, den japanischen Angriff abzuwehren. Diese Festung haben sie zum Museum gemacht und das war noch das interessanteste auf Sentosa. 

Soviel echtes Grün macht den Beton erträglicher.

Das Wohnsilo von Jack hat übrigens 17 Stockwerke, das macht eine Höhe von ca. 50 m. Und dort steht eines neben dem anderen. Die meisten Gebäude sind hier Hochhäuser. In jeder Straße gibt es ein Parkhaus, verschiedene Spielplätze, Partyhäuser, Grillplätze, überall ausreichende und perfekt gestaltete Gehwege. Wenn Singapur eine der teuersten Städte der Welt ist, dann liegt das aber nicht an den Nahrungsmittelpreisen. Das Essen ist billiger als in Deutschland. Alle KFZ müssen für die Straßenbenutzung eine Art Maut bezahlen und die wird wie bei unserem Toll Collect System automatisch gemessen und eingezogen. Dafür gibt es kleine elektronische Geräte, die muss auch jedes Moped haben, so haben sie für jedes Fahrzeug ein lückenloses Bewegungsprofil. Aber Angst vor Über-Überwachung haben wir nur in Deutschland. 

Und gebaut wird wie überall in Asien 10 mal mehr als in Deutschland, als ginge es ewig so weiter mit dem Wachstum. Sie wissen nicht, dass die Grenze, ab der es nicht mehr geht, längst überschritten ist, umso härter wird es dann am Ende. Und auch hier kann dann keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. Die Informationen sind da und alle, die Augen und Ohren haben können sie sehen und hören, wenn sie das wollen. Wenn nicht, ist das auch eine Entscheidung, für die sie verantwortlich sind . 


Do 29.08. Singapur Flughafen (km 22.225)

Inmitten der Flughafen Gebäude steht eine Glaskuppel, sie nennen sie das "Juwel". Ich dachte sie wäre von oben gesehen rund, aber gerade habe ich im Smartphone entdeckt, es ist oval. Durchmesser 200/150m, Höhe 50m (ungefähr). In der mitte hat das Dach eine Delle mit einem großen Loch, durch das stürzt ein Wasserfall 50 m tief in den Keller. Soll der größte indoor Wasserfall der Welt sein. Der Keller hat allein schon 2 Etagen, darüber sind nochmal 5, alle kreisförmig um einen Innenhof mit eben diesem Wasserfall, dessen Wände sind terrassenförmig angelegt und darauf wächst ein echter Urwald. Toll, wenn man sich keine Gedanken über den Beton machen muss.

Und der ganze Glaspalast ist voll mit Shops und Gastronomie, wie man es von größeren Flughäfen gewohnt ist. Und auch hier sind die Preise niedriger als in westlichen Flughäfen. Ein Espresso z.B. 4,50 Singapur Dollar, ungefähr 3,-€.

Ja was mach ich denn am Flughafen? Ich fliege morgen früh nach Sumatra, und zwar nach Medan. Das liegt an der Nordost Küste ziemlich weit oben, dort bekommt man auch ein Visum und dort will ich meinen Indonesien Trip starten.