BLOG 16 Sri Lanka Nord

Mi 28.03. Colombo (km 7596)

Ich habe mein Indien Visum. Obwohl ich gesagt habe, dass ich erst am 08.04. nach Indien fliege, haben sie jetzt reingeschrieben: Gültig ab 26.03. und von da an 6 Monate. 

Am Bahnhof habe ich erfahren, dass der nächste Zug nach Jaffna erst am Abend fährt, der übernächste morgen früh um 05:35. Den nehme ich. Das heißt, ich bleibe noch eine Nacht in Colombo. 


Die Straße, in der mein Hotel ist. Man stelle sich vor, die hätten alle ein Auto. 

Im Viharamahadevi Park. Solche Bäume sind absolut unumfallbar. 

Die beiden linken Türme sind das World Trade Center of Colombo. 

Die andere Seite ist eckig. 

Do 29.03. Jaffna (km 7605)

Der erste Zug war komplett 1. Klasse und reserviert, der war gestern schon ausgebucht, also mußte ich auf den 2. warten, der fuhr dann um 7 Uhr. In den bin ich todesmutig eingestiegen. Gepäckwagen gab es keinen, also brauchte ich dafür auch nicht zahlen. Ich muss halt zusehen, wie ich mich damit ins "crowd" quetsche. So schlimm wars dann aber gar nicht, und je weiter wir uns von Colombo entfernt haben, desto weniger Leute wurden es im Zug. Die letzte Stunde konnte ich auf einer Bank schlafen. Und ob ich diesmal alles richtig verstanden habe bezweifle ich, aber diesmal kam kein Schaffner, und so werde ich es nie erfahren. Für ca 350 km haben wir knapp 10 Stunden gebraucht.

Morgen gehe/laufe ich noch 25 km weiter nach Nordosten, nach Point Pedro, dort ist das Nordkap. Von dort bis zum Flughafen sind es 345 km, macht zusammen 370, und dafür hab ich aber nur noch 9 Tage Zeit. Mein Rückflug nach Indien ist für den 08.04. gebucht, Startzeit zu Mittag, den Tag kann ich also nicht mehr mitrechnen. Das heißt, wenn ich es zu Fuß schaffen will, muss ich im Schnitt 40 km jeden Tag machen. 

Fr 30.03. Chavakachcheri (km 7655)

Nach dem Schreck habe ich heute 50km gemacht, das war nicht so schwer, ich hab mich ja ein paar Tage ausgeruht. 

Das ist also der nördlichste Punkt von Sri Lanka. 

So sehen dort immer noch viele Häuser aus. Die Überreste vom Tsunami (der war 2004 und dabei sind allein in Sri Lanka mehr als 45.000 Menschen ums Leben gekommen). 

Lange habe ich nichts zum Essen gefunden. Es gibt da null Tourismus, auch nicht für die Einheimischen. Verständlich, dass die Küste jetzt negativ besetzt ist. Dort kann sich noch niemand hinsetzen und die Schönheit der Natur genießen. Außerdem hatten sie 26 Jahre lang Krieg und der endete erst 2009. Vielen Leuten sieht man es an, dass sie immer noch traumatisiert sind.

Plötzlich sah ich eine Menschentraube, dann erkannte ich, dass da ein Tempel war. Als ich näher kam, wurde klar, hier wird Essen verteilt. Ich wollte einfach vorbei gehen, so bedürftig hab ich mich nicht gefühlt, aber sie haben mich nicht gelassen. Sie nahmen mich an der Hand und führten mich an der Warteschlange vorbei zu den Futtertöpfen. Dort drückten sie mir eine Plastiktüte in die Hand, da würde mein Essen eingefüllt. Dreimal hab ich die Tüte zurückgezogen und gegen die Riesenportion protestiert, zum Schluss war es immer noch zu viel. Es gab Reis und Gemüse aus 3 verschiedenen Töpfen, alles sehr scharf. Inzwischen finde ich es schon langweilig, wenn es nicht so scharf ist. Ich hab mir dann einen schattigen Sitzplatz gesucht, mich auf meine Box gesetzt, meinen Löffel ausgepackt und alles aufgegessen. Aber die Hälfte hätte auch gereicht. 

Sa 31.03. PALLAWARAYANKADDU (km 7696)

Gemüsemarkt heute morgen in Chavakachcheri. Die haben eine überdachte Halle! Sri Lanka gehört zusammen mit Malaysia zu den reichsten Ländern Südasiens. Das erklärt das, im Vergleich zu Indien, deutlich höhere Preisniveau. So kann man verstehen, warum einem westlich geprägten Touristen, der mit entsprechender Erwartungshaltung hierher kommt, Sri Lanka mehr zusagt als Indien. Aber die hygienischen Standards sind kaum höher als dort. 

Der Nordwesten von Sri Lanka ist eine Wasserwelt. Ein Land von 1000 Seen und Lagunen. Unterscheiden kann man das mit bloßem Auge nicht. Auch nicht, ob es noch Festland oder ob man schon auf einer Insel ist, weil man nicht alles überblickt. Und dann ist alles so niedrig, dass, wenn der Meeresspiegel um einen Meter steigt, die Landfläche auf die Hälfte schrumpft. 

Die trockenen Blätter dieser Palmenart rascheln nicht im Wind, sie klappern, fast wie Blech. 

Mo 02.04. irgendwo in der Pampa (km 7785)

Der letzte Ort hieß Mullikulam, aber das ist schon wieder 10 km her. Seit dem Frühstück hab ich nichts essbares mehr gefunden, und das ist jetzt 35km her. Diese Gegend um Mannar ist so dünn besiedelt und die Dörfer sind so klein, da gibts gar nix. Vor mir ist ein Wildpark, und die Hauptstraße geht mitten durch. Aber zum Schutz der Tiere wird die Straße nachts von 17 bis 05 Uhr komplett gesperrt. Etwa (angeblich) 5 km vor dieser Grenze ist eine Brückenbaustelle, da wollte ich grade vorbei, da kam mir ein Motorrad Fahrer entgegen. Nach den üblichen Fragen sagte er, steig auf, du kannst bei mir schlafen. Ist nur 200m. Tatsächlich war es ein Km. Meinen Anhänger zog ich mit den Händen mit, der läuft auch bei 60 kmh noch ruhig mit. 

Ruban heißt mein heutiger Gastgeber. Er hat bei der catering Firma, die seine Baustelle mit Essen versorgt, 2 Abendessen für uns bestellt, das übliche, Reis mit Gemüse, inzwischen konnte ich duschen und Wäsche waschen. Er hat mit einem Arbeitskollegen zusammen ein kleines Häuschen, da sind nur 2 Betten drin, mit Moskitonetzen, sonst nichts. Dusche und Klo sind draußen. Er wollte mir das Bett vom Kollegen anbieten, aber erstens weiß ich nicht, wann der heim kommt und zweitens weiß er nicht (er ist erst 30), dass man in so einem Fall wenigstens ein frisches Leintuch drüber ziehen muss. Ich konnte ihm klar machen, dass ich mein Zelt bevorzuge. Ich nehme an, jeder Arbeiter bekommt so ein halbes Häuschen dort. Bis hierher leben die Tamilen, nach dem Reservat (von Norden aus gesehen) kommen die Singhalesen. Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen oder Ethnien keineswegs vorbei ist. Die Tamilen fühlen sich auf allen Ebenen schwer benachteiligt. Sie verdienen etwa 4€ pro Tag und arbeiten dafür 12, manchmal auch 16 oder 18 Stunden und 7 Tage die Woche. Wer streikt, wird erschossen. Auch bei den Preisen gibt es ein 2 Klassen System, bei dem die Singhalesen immer besser gestellt sind, obwohl sie schon mehr verdienen. Ich weiß nicht, ob man das alles glauben kann, das mit dem 2 Klassen Preissystem hört sich ein bisschen nach Verschwörungstheorie an. Aber was auf jeden Fall stimmt: das ist des Volkes Stimmung, und die bedeutet nichts Gutes. 

Di 03.04. Wanathavilluwa (km 7815)

Heute früh war der Kollege jedenfalls da. Ich weiß nicht, wie Ruban sich das vorgestellt hat. Außerdem sind wir jetzt Freunde, und da sind die Erwartungen plötzlich hoch. Irgendein Gastgeschenk sollte schon drin sein, z.B. meine Taschenlampe, oder die Armbanduhr, oder sonst was aus meiner Box. Ich erklärte ihm, dass ich nichts überflüssiges dabei habe, aber er meinte, du kannst dir doch in der nächsten Stadt wieder eine kaufen. Dass ich auch sparsam mit meinem Geld umgehen muss, versteht er nicht. Dass dieser Sri Lanka Trip mein Monats Budget überschritten hat, brauche ich gar nicht versuchen, ihm zu erklären. Dann hab ich aber noch 6 Dollar und einen restlichen kleinen Schein vom Iran gefunden, damit hat er sich dann begnügt, aber offensichtlich war er enttäuscht. Mir war es zuviel. Da schlafe ich doch lieber bei den wilden Tieren. Jeder Idiot nötigt mich zu einem Kontakt Austausch, damit er mich weiterhin belästigen kann. Die meisten davon habe ich inzwischen wieder gelöscht. Das mach ich auch mit Ruban, so leids mir tut, und zwar sofort. 

Dass ich die ehrliche Anteilnahme der Menschen inzwischen als Belästigung empfinde, liegt einfach an der schieren Masse. Manchmal stellt mir jeder 2. im Minutentakt die gleichen Fragen. Ich kann nicht bei jedem stehen bleiben und freundlich mit ihm plaudern. Oft antworte ich gar nicht, manchmal im Vorbeigehen, wenn er dann mehr wissen will, muss er mich ein Stück begleiten. Und auf Unterhaltungen über 100 m Distanz hab ich sowieso nie Bock. Sie müssen dabei eine Lautstärke anschlagen, die mir zu fordernd klingt. "Where are you going"  im Befehlston und ohne Fragezeichen klingt, als wäre ich zur Auskunft verpflichtet, als bedürfte ich seiner höchstpersönlichen Erlaubnis. Obwohl ich weiß, dass sie nichts dafür können, sie wissen ja nicht, wie oft sich das wiederholt, macht es mich mit der Zeit aggressiv.

Die Wildpark Grenze war 12 km entfernt. Einer hat behauptet, das sind jetzt die letzten Häuser vor dieser Grenze, tatsächlich kamen noch 5 kleine Dörfer, 2 davon sogar mit Schule. Auch Frühstücks Gaststätten. Die Grenzer sind Militärs, auch bewaffnet, und die haben mich dann nicht weiter gehen lassen. Sie erklärten mir, dass es zu Fuß wirklich zu gefährlich sei. Die Tigers würden mich essen und die Elefanten sind auch von den Menschen genervt und sind manchmal aggressiv (wie sympathisch). Ich muss ein Fahrzeug finden, das mich mitnimmt, oder einen Bus. Ein paar Sekunden später kam ein Kleinlaster, sie stoppten ihn, redeten mit dem Fahrer und ich musste hinten auf die Ladefläche klettern. Vorne saßen sie schon zu dritt. Die Straße war von da an nicht mehr asphaltiert, und der Fahrer bretterte da drüber, als ginge es um jede Sekunde und um sein Leben. Es kümmerte ihn auch nicht, wenn Motorradfahrer, die uns entgegen kamen, stehen bleiben mussten, weil sie durch die Staubwolke, die er aufwirbelte, die Straße nicht mehr sehen konnten. Ich hatte größte Mühe, mich festzuhalten und das ging eine Stunde lang über 40 km ( die hab ich nicht mitgerechnet). Das war Folter. Das einzige Tier, das ich gesehen habe, war ein bunter, gockelähnlicher Vogel.

Am anderen Ende war dann klar, dass ich mich die letzten 4 Tage wieder mit 30 km durchschnittlich begnügen kann. Damit war mein schönes, ambitioniertes Leistungsziel zerstört. Und gleichzeitig mit der Erkenntnis überfielen mich eine Müdigkeit und Muskelschmerzen, dass ich kaum noch weiter gehen konnte. Nach mehreren Pausen habe ich beschlossen, mich nicht länger von meinem inneren Faulpelz schikanieren zu lassen, dann ging es wieder besser.

Vorhin hat sich mir jemand vorgestellt, der in einem Büro arbeitet, das sich um die ärmsten im ganzen Land kümmert. Der kam mir wie gerufen. Ich erzählte ihm von Ruban und er bestätigte die Aussage, dass es teilweise ein 2 Klassen Preissystem gibt, besonders, wenn der Ladeninhaber Singhalese ist. Auch das mit den niedrigeren Löhnen stimmt, ist aber mehr ein Qualifikationsproblem, das gibts auch bei den Singhalesen. Auch andere Minderheiten wie Christen und Muslime werden benachteiligt. 

Und da ist von den Frauen noch überhaupt nicht die Rede. Da die meisten Analphabeten sind, stehen sie auf der alleruntersten Stufe. Erwerbstätigkeit gibt es höchstens innerhalb einer Unternehmer Familie, und das vermutlich auch nur zu Sklaven ähnlichen Bedingungen, oder noch schlimmer, wenn sich schon Ruban als Sklave fühlt. Doch das ändert sich nun, seit ein paar Jahren gehen alle Kinder in die Schule. Und die Mädchen haben oft die besseren Englisch Kenntnisse, soweit ich es mitbekomme. 

Mi 04.04. Madurankuli (km 7839)

Mein neuer Plan ist, 30km am Tag. Ich dachte, das wird langweilig, wird es nicht. Heute habe ich dieses Ziel deutlich verfehlt, aber das kann ich mir leisten. Die Temperaturen sind schuld. So heiss (gefühlt) war es noch nie.

Heute hab ich zum 4. Mal meine Radfahrer Familie getroffen, Uli und Tanja, die Tochter heißt Emma. Und die sagen, laut ihrem Radl Computer Thermometer hat es immer und überall 43 Grad, außer in den Bergen. Auch was den Erfolg der Schulpflicht betrifft, haben sie andere Erfahrungen gemacht. Sie wurden von einer Frau mit Kindern angebettelt, die zu der Zeit eigentlich in der Schule sein sollten. Aber bei der übertriebenen, geschäftlichen Freundlichkeit gegenüber Touristen, bzw unserer Aversion dagegen, sind wir uns einig. Auch bei ihnen wächst der Widerwille dagegen mit jedem Tag. Bis vor kurzem habe ich es genossen, überall als Freund empfangen zu werden. Aber wenn das geschäftlichen Interessen untergeordnet ist, empfinde ich es als Unverschämtheit und Respektlosigkeit, wenn mir Leute, die mich zum ersten Mal nur vorbei gehen sehen, "hi friend"nach- oder entgegen rufen. Das machen auch nur die unverschämtesten und respektlosesten und deren Freund will ich überhaupt nicht sein. Sehr oft fragen sie mich: where are you? Mir ist schon klar, dass sie nur das Wörtchen from vergessen haben. Aber eine Unterhaltung bei so schlechten Englisch Kenntnissen ist reine Zeitverschwendung. Auch wenn ich dann antworte: hier, jetzt bin ich hier, verstehen die das nicht. Und wenn die erste oder zweite Frage lautet: "what is your name?" dann kann ich nicht mehr. Ich muss dann gehen. Bei Kindern bin ich viel toleranter. 

Diese Termiten Burg ist größer als ich, sie ist hart wie aus Beton. 

Und in die Löcher könnte ich meinen ganzen Arm stecken. Ich nehme an, die dienen zur Belüftung und Temperatur Regelung. 

Do 05.04. Bangadeniya (km 7875)

Heute hab ich Uli, Tanja und Emma wieder getroffen, aber das war geplant. Was nicht bedeutet, dass ich zu Fuß so viele km schaffe, wie sie auf dem Fahrrad. Ich schätze die Hälfte. Aber gestern Abend haben sie eine Unterkunft gefunden und ich bin noch ein paar km weiter gegangen. Außerdem fange ich morgens früher an, weil mir die Hitze mehr zu schaffen macht. Sie haben den Fahrtwind. Dann haben wir uns nochmal zu einer längeren Mittagspause getroffen, aber ob sichs morgen nochmal ausgeht, bezweifle ich. Sie fliegen etwa 12 Stunden vor mir, nach Hause. Bei unserem Erfahrungsaustausch ist Uli die Koryphäe und ich der Anfänger. 

Es gibt Baumschulen für Kokospalmen. 

Heute Abend habe ich keine Gaststätte gefunden, die einen Garten hat, wo ich zelten könnte. Schließlich bin ich zu einem Haus gegangen, wo so viel Licht an war, dass man mich gut sehen konnte, ich will niemanden erschrecken, und es gab kein Gartentor. 2 Hunde bellten, meine ideale Ankündigung. Eine ältere Frau kam heraus, und die konnte wider erwarten sehr gut englisch. Sie hat viele Jahre in Kuwait und Malaysia gearbeitet. Schnell waren wir uns einig, ich bekam Tee und Kekse und konnte wieder duschen.


Auch andere angenehme Menschen haben Sri Lanka wieder weitgehend rehabilitiert. Heute morgen blieb ein junger Tuc Tuc Taxifahrer neben mir stehen, und drückte mir mit einem freundlichen good morning, eine 1,5 Liter Wasserflasche in die Hand. Und die kam gerade rechtzeitig, sonst hätte ich bei nächster Gelegenheit eine gekauft. Und dann fuhr er einfach weiter. Der muss es geahnt oder gewusst haben, was mich inzwischen so nervt.

Abends hat mich ein älterer Radfahrer angesprochen, der wollte zwar auch alles wissen, aber er hat keine so blöden Fragen gestellt und auch etwas über sich erzählt, der war 78 Jahre alt und sehr gut in Schuss. Da opfere ich auch gerne eine halbe Stunde. Nach meinem Namen hat er mich überhaupt nicht gefragt.

Mit solcher Stimmung kann ich die nervige Anmache locker ignorieren. 


Fr 06.04. Wennappuwa (km 7914)

Heute habe ich zur Abwechslung mal viel mehr geschafft, als nötig gewesen wäre. Jetzt habe ich noch 21 km bis zum Flughafen. 

So werden die Palmblätter geflochten, aus denen dann Zäune, Sichtschutz Wände und Dächer hergestellt werden. 

Das sind meine heutigen Gastgeber, zumindest Vater und Tochter. Die Mutter hat keine Zeit, sie muss für uns Tee kochen. Das sind Christen. Sie haben mir ein paar Gospels vorgesungen, sehr beeindruckend, professionell und emotional, wie ich seine Übersetzung verstanden habe. Auch die leben ihre Religion mit Haut und Haaren und haben nicht die geringsten Zweifel, dass sie die einzig wahre ist. Aber sie wissen auch, dass sie den anderen Religionen gegenüber tolerant sein müssen, auch wenn die total falsch sind. Er hat eine Kurzfassung der Bibel in englisch, die hätte er mir beinahe geschenkt, ich konnte das nur mit Mühe vereiteln.

Er ist Bauingenieur und arbeitet zur Zeit an einem größeren Hotel Projekt. Kann sehr gut Englisch, redete ohne Punkt und Komma, z.B. darüber, dass sie die Tochter nur mit ärztlicher Hilfe bekommen konnten und viel über seine Religion. Trotzdem für mich immer noch schwer verständlich, obwohl es schon viel besser geworden ist. Inzwischen denke ich nicht mehr, dass das ein schlechtes  Englisch ist, es ist ein anderes. Sprachen sind lebendige Systeme, die sich zeitlich und räumlich unabhängig voneinander entwickeln und verändern. Das sieht man auch am Beispiel portugiesisch und brasilianisch, dort ist der Abstand nach längerer Entwicklungszeit noch viel größer. Und wenn man da ästhetische Kriterien anlegt, wie ich es anfangs gemacht habe, blockiert man sich nur selbst und weigert sich, zu lernen. Es ist, wie es ist. 



Sa 07.04. Negombo, Flughafen (km 7941)

Ich hab noch einen kleinen Umweg zum Beach und durch die Stadt gemacht. 

Ein schöner Strand, wenig Publikum, was verständlich wird, wenn man näher ans Wasser geht. Es ist schmutzig und stinkt, tote Fische und Quallen. Negombo ist selbst eine Großstadt und stößt ohne Unterbrechung an Colombo, und ich gehe jede Wette ein, dass sie keine einzige Kläranlage haben. In der Werbung für Touristen wird das nicht erwähnt und die fallen dann natürlich darauf herein. Hier gibt es entlang der Küste viele schicke Hotels mit jeder Menge Sterne, ich glaube, die kann man sich hier auch selber verleihen oder im Supermarkt kaufen. Entsprechend ist das Preisniveau hier 5mal so hoch wie 1 km abseits. Das ist immer noch nur die Hälfte von dem in Deutschland (und wenn man es mit einer deutschen touristischen Region vergleicht, nur ein Viertel). Da freut sich jeder Massentourist natürlich, weil er keine Ahnung vom Land hat und von der Wirklichkeit. Auch wenn er sich von einem Guide zu den Sehenswürdigkeiten in der Nähe schleppen lässt, kriegt er die Realität nur so spärlich mit, dass er sie nicht versteht.

Ich finde nicht alles sehenswert, was so angepriesen wird und was ich für sehen - und erlebenswert halte, wird kaum erwähnt. Das sind vor allem die Menschen mit ihren Lebensumständen. 

Ich bin dann Richtung Flughafen gegangen.

1. treffe ich dann vielleicht noch mal Tanja, Uli    und Emma,

2. kann ich dort auch übernachten und 

3. wird mir die Stadt schon wieder langweilig.

Am späten Nachmittag hat es geregnet, zum ersten Mal richtig geschüttet. Zum Glück kam genau im richtigen Moment eine Gaststätte, da hab ich die Gelegenheit genutzt zum Abendessen. Eine Stunde später war alles vorbei, ich machte mich auf den Weg, die letzten 4 km zum Flughafen. Unterwegs hat es noch ein bisschen getröpfelt, aber davon bin ich kaum naß geworden. Auf den Straßen musste ich ausgedehnte Überschwemmungen umschiffen, was bei starkem Verkehr nicht immer ganz einfach war.

Ich hab meine neuen Freunde getroffen, was uns alle sehr gefreut hat, war aber gar nicht so einfach. Der erste Wächter am Flughafen wollte mein Ticket sehen und mich dann gar nicht rein lassen. Zu früh. Sie sind angewiesen, die Leute erst 3 Stunden vor ihrem Abflug reinzulassen, weil das nur ein kleiner Flughafen ist und es sonst zu voll wird. Aber ich soll seinen Vorgesetzten fragen, der nicht weit entfernt stand. Der hatte ein Einsehen und ließ mich durch. Drinnen gibt's einen Security Check, die haben mich aber nicht durchgelassen. Es gab ausreichend bestuhlte Warteräume davor und danach hauptsächlich durch Glaswände getrennt. Durch diese hindurch konnten wir uns finden, sie konnten auch nochmal zu mir zurück, aber ohne Gepäck, d.h.abwechselnd, eine(r) musste beim Gepäck Wache halten. So hatten wir noch mal eine Stunde, dann mussten sie einchecken.

Ich musste mir nochmal eine reloud Nummer kaufen für 100 Rupies, sonst hätte ich das hier nicht mehr schreiben können. 

Ich konnte unbehelligt auf den Stuhlreihen schlafen, es gab auch welche ohne Armlehnen und dank ihrer rigiden Einlassbestimmungen hatte ich auch genug Platz.